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Gute Hardware + Schlechte Software = Schlechtes Experience

Falk Ebert  5. März 2018  Keine Kommentare  3 Minuten zu lesen  Strategie

Wer haptische Komponenten mit guter Software verbindet, erschafft Magie. Wenn aber einer der beiden Bausteine nicht gut ist, ist das ganze Produkt für die Tonne.

Mein Staubsaugroboter ist ein positives Beispiel. Auf der Hardware-Seite ist er solide verarbeitet, hat eine gute Saugleistung, ausreichend Sensoren und einen großen Tank. Software-seitig überzeugt er mit einer modernen Smartphone-App, mit einem Alexa-Skill und mit guter Online-Dokumentation.  Man merkt, dass Profis die Anwendungen entwickelt haben.

Solche Treffer sind allerdings aus meiner Sicht die Ausnahme. Meistens scheitert die Verquickung von Hard- und Software. In der Regel ist es dabei die Software-Seite, die das User Experience zerstört. Denn Firmen, deren Wertschöpfung vor allem in der haptischen Produktion liegt, tun sich naturgemäß wahnsinnig schwer damit, akzeptable Software-Produkte zu erstellen.

Fallbeispiel 1: Familienspiel „Scotland Yard Master“

Das Brettspiel Scotland Yard gibt es seit 1983. Genau 30 Jahre später hat Ravensburger eine Version mit „Augmented Reality“-App auf den Markt gebracht:

Die Jagd nach Mister X durch die Straßen Londons erreicht eine neue Dimension: Die kostenlose App, die auch das Spiel erklärt, macht das Smartphone oder Tablet der Detektive zur Schaltzentrale: Mit zeitgemäßen Fahndungsmethoden wie Handy-Ortung sind sie Mister X auf dem Spielplan dicht auf den Fersen.

Die App war bei uns im Test ein Desaster. Das Augmented Reality Tracking hat nicht richtig funktioniert. Und so waren wir die meiste Zeit damit beschäftigt, uns beim Tracking mit dem iPad über den Tisch zu beugen. Vom grundsätzlich schlechten App-Design will ich gar nicht erst anfangen. Spielspaß gleich Null.

Fallbeispiel 2: SAP Data Kitchen

Die SAP Data Kitchen ist ein Vorzeigeprojekt von SAP. Die Idee: Essen vorbestellen, fertig aus der Schublade nehmen, per App zahlen und losfuttern.

Der digitalisierte Automat! Slow food fast – frisch zubereitete und sorgfältig kreierte Gerichte zum Frühstück und Mittagessen!

Wenn es funktioniert ist das ein wirklich tolles Projekt. Bei Kollegen von mir hat es nicht funktioniert. Als sie die Data Kitchen testen wollten, hat die Zahlung über Paypal nicht funktioniert. Der Hintergrund ist, wie ich es verstanden habe, eine Kette aus bürokratischen und politisch motivierten Entscheidungen, die dazu führen, dass Paypal – die bevorzugte Zahlungsmethode – im vor Ort bereitgestellten WLAN nicht funktioniert.

Fallbeispiel 3: iKettle

Man kann darüber streiten, ob Wasserkocher mit dem Internet verbunden sein müssen. Und man kann darüber streiten, ob die iNomenklatur noch zeitgemäß ist. Die Firma Smarter scheint beide Fragen für sich mit ja zu beantworten.

Remote boil from anywhere. Use the Smarter app to control your iKettle from wherever you are. Available on iOS and Android.

Dumm nur, dass auch hier die Smartphone-App wieder die Achillesferse ist. In den Amazon-Bewertungen kommt sie überhaupt nicht gut weg. Und auch abgesehen davon scheint die Konnektivität noch nicht richtig zu funktionieren. Mein Highlight: Der Golem-Artikel mit dem Titel Mann kämpft elf Stunden gegen smarten Wasserkocher.

Dann lieber doof.

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.