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Zwei Gründe, warum ich Thermomix noch nicht so richtig ernst nehmen kann.

Falk Ebert  14. November 2016  1 Kommentar  2 Minuten zu lesen  Marketing

Der Thermomix könnte ein digitales Vorzeigeprodukt aus Deutschland sein:

Jahrzehntealte Küchengeräte, neu gedacht. Mit cleverer Verknüpfung von digitaler Kochbuch-Planung und internetfähiger Hardware. Aus einer Business-Perspektive ist es ein kostenpflichtiger digitaler Service-Ansatz in einem Markt, in dem die Hersteller vorher nur Geräte verkauft haben. Ist Wuppertal das wahre Silicon Valley Deutschlands?

Aus meiner Sicht nicht ganz. Am Thermomix scheiden sich aktuell die Geister. Ich sehe, dass das Gerät wirklich Spaß machen kann. Doch über zwei Punkte komme ich einfach nicht hinweg:

1. Kein Online-Vertrieb

Ja, ich weiß, dass es Vorwerk ohne den Direktvertrieb heute nicht geben würde. Aber so etwas geht nicht:

vertrieb-thermomix

Was soll denn bitte ein Kontakt-Formsheet? Ich möchte ein Produkt kaufen, kein Bankkonto eröffnen.

Ihr wollt die Margen behalten? Okay, dann eben nicht bei Amazon, sondern im eigenen eShop. Ihr denkt, man muss das Produkt erklären, bevor man es dem Kunden überlässt? Dann macht doch einfach das Interface selbsterklärend. Eure Zielgruppe ist selbsterklärende Produkte nicht gewohnt? Okay, dann gebt mir eben eine Pflicht-Skype-Beratung, bevor ihr mich das Produkt kaufen lasst.

Aber bitte verschont mit mit dem Vertreter- oder Tupperparty-Quatsch. Der große Vorteil von digitalisierten Produkten ist, dass sie Zeit sparen. Eine mich (vermutlich auch noch telefonisch) konktaktierende Repäsentantin ist das Gegenteil davon.

2. Keine Android-App

Einer der wichtigsten Kritikpunkte aus der User-Community ist, dass es die zugehörige App nur auf iOS gibt. Okay, das Pricing des Geräts richtet sich offensichtlich vorrangig an Haushalte mit überdurchschnittlichem Haushaltsnettoeinkommen. Und die haben eine höhere Affinität zu iOS. Aber reicht das als Argument, um 81 % der deutschen Smartphone-User zu vertrösten und zu verprellen?

vorwerk-statement-zu-android

Release-Date? Wird nicht genannt. Stattdessen verweist man auf die Web-App. Das ist zwar inhaltlich der beste Weg, aber keine Lösung. Den Web-Apps sind das User-Experience-Equivalent zu Handjobs: Notfalls zweckdienlich, aber keinesfalls ein nachhaltiges Substitut.

Fazit

Der Thermomix ist ein tolles Stück Hardware voller deutschem Pioniergeist und voller deutscher Ingenieurskunst. Jetzt muss Vorwerk noch das hinbekommen, woran die meisten Firmen hierzulande scheitern: Ein rundes User Experience vom Kauf bis zur Nutzung.

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.