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Von den Freundschaften im Internet hin zum Internet in den Freundschaften

Falk Ebert  10. Oktober 2016  Keine Kommentare  2 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

Errant Signal, hier bereits gelobt, hat mal wieder eine kluge Beobachtung gemacht.

Kurz gesagt: Im (älteren) Team Fortress 2 war es einfach, neue Leute kennenzulernen. Die soziale Interaktion war Teil des Spiels. Das vergleichbare (neuere) Overwatch geht einen anderen Weg. Es ist so gestaltet, dass man es eher mit Freunden spielt, die man vorher schon kannte. Das Spiel selbst lässt wenig Zeit für Dinge wie das gegenseitige Kennenlernen oder das nicht-spielbezogene Interagieren.

Ich glaube, diese Beobachtung braucht nicht auf die beiden Spiele beschränkt bleiben. Und auch nicht auf Multiplayer-Spiele. Sie ist vielmehr für das gesamte Internet gültig.

Vor 10-20 Jahren waren im Internet noch andere Formen des Miteinanders vorherrschend. In anonymen Newsgroups oder den klassischen Foren war es eher unüblich, viel Privates zu teilen. Man lernte neue Leute „von innen heraus“ kennen. Erst nach monate- oder gar jahrelanger Interaktion traf man sich vielleicht auch „in real life“. Die Gespräche waren zu einem größeren Anteil themenbezogen. Mit wem man online zu tun hatte, hing mehr von den eigenen Hobbies und Interessen ab, weniger davon, wer ein Kollege oder Klassenkamerad war. Das Wort „Selfie“ gab es vor 2013 noch gar nicht. Hätte auch kein Spaß gemacht, sich mit der Webcam am Desktop-Rechner zu fotografieren.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass Technologien, die von eher introvertierten und sach-orientierten Leuten entwickelt wurden, zunächst so geschaffen waren, dass sie gut zu derer Art von eher bevorzugter Interaktion passen. Doch seit die Kurve der Onliner-Verteilung deutlich gegen 100% strebt, hat sich auch das Internet gewandelt. Die meiste Interaktion findet heute in Netzwerken statt, bei denen klar ist, wer hinter den Accounts steht. Die meisten Online-Interaktionen haben wir mit Menschen, die wir auch abseits eines Bildschirms mal getroffen haben. Begegnungen von Usern, aus denen sich Freundschaften oder Beziehungen bilden können, sind in spezielle Apps und Portale ausgelagert.

Ist das schlimm? Ich glaube nicht. Denn wer auf den sachlichen Austausch ohne den großen sozialen Rucksack hat, findet auch heute noch Orte dafür im Internet. Die meisten Subreddits oder Dienste wie Candid und Quora sind gute Beispiele dafür. Es nicht so, dass das es die „alte“ Form der Kommunikation im Internet nicht mehr gibt. Das Internet ist inzwischen einfach ein Ort für mehr Menschen geworden. Und für mehr Formen des menschlichen Zusammenlebens.

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.