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Instagram gegen Snapchat – Kampf um die Vergänglichkeit

Falk Ebert  8. August 2016  2 Kommentare  4 Minuten zu lesen  Gefahrgut

Schon ärgerlich. Da legt man drei Milliarden Dollar in Bar auf den Tisch und der CEO von Snapchat sagt „nö“.

Was also tun, wenn man Facebook ist? Was tut man gegen die App, die trotz fürchterlicher Bedienbarkeit über 100 Millionen aktive Nutzer hat, während das eigene Produkt schwächelt?

Facebook vs. Snapchat

Hier ein paar Beispiele dafür, was Facebook getan hat, seit klar wurde, dass sie Snapchat nicht einfach kaufen können:

Ich vermute, einer der Gründe, warum es nicht geklappt hat, war die Marke Facebook. Snapchat ist „ephemeral sharing“. Das heißt, die Inhalte verschwinden wieder nach einer gewissen Zeit. Das hat (neben Sexting) einen erfrischenden Effekt: Weniger Professionalität und mehr Spontanität. Doch möchte man solche Inhalte Facebook anvertrauen?

Vielleicht ist das der Grund, warum Facebook jetzt einen anderen Angriffsvektor wählt.

Instagram vs. Snapchat

Jetzt versucht es Facebook über die Instagram App, die sie April 2012 gekauft haben. Direkt auf dem Homescreen, ganz oben: Mit den Instagram Stories.

Aus einer Marken-Sicht kann man das erst mal komisch finden. Denn seit Jahren steht die Marke Instagram eigentlich nicht mehr für schnelle Schnappschüsse, sondern wird für die Fotos, für die man sich etwas Zeit genommen hat. Längst laden professionelle Fotografen dort mit Spiegelreflex-Kameras gemachte Fotos hoch.

Und dennoch müssen selbst Hardcore-Fans von Snapchat zugeben: Das neue Instagram-Feature fühlt sich gar nicht mal so schlecht an. Besonders die Navigation in den Stories der Freunde ist gut gemacht.

Stories und Snapchat im Vergleich

Noch sind die Stories in den Kinderschuhen. Und damit ist offen, wohin sie das Produkt entwickeln möchten. Vollständig geklont haben sie Snapchat nicht:

Was Snapchat hat, was Instagram nicht hat.

Was Instagram hat, was Snapchat nicht hat

  • Leuchtschrift

Naja, und eben das Kern-Produkt: Nicht-vergängliche Timelines, Direktnachrichten und Community-Funktionen wie (Geo-)Tags. Und jede Menge Filter und Bearbeitungs-Funktionen. Und 400 Millionen aktive Nutzer.

Wer wird gewinnen?

Dass das vergängliche Teilen kein kurzlebiges Phänomen, sondern ein langfristiger Trend ist, davon bin ich überzeugt. Die Frage ist nur, welche App dabei den Kopf vorne haben wird. Drei Szenarien, wie der Kampf sich strategisch entwickeln könnte:

Der „ephemeral sharing“-Markt wird geteilt. Snapchat verteidigt sich erfolgreich als jüngeres, verspielteres Produkt. Seine Nutzer schätzen die speziellen Features und Discovery so sehr, dass sie dem Produkt treu bleiben. Gleichzeitig verwenden viele Instagram-Nutzer die Stories dort für Fotos mit „Qualitätsklasse B“. Dadurch, dass das Teilen bei beiden nicht über APIs möglich sein wird und kein Nutzer Schnappschüsse doppelt postet, würde das den Use Case fragmentieren und die Netzwerkeffekte für beide Marken schwächen.

Einschätzung: Mittelfristig fast unvermeidbar. Spannend ist nur, entlang welcher Grenzen die Nutzer (oder die Nutzung) sich teilen. Möglicherweise wird Snapchat mehr für 1:1 genutzt und Instagram für one to many.

Instagram macht eine Kehrtwende. Nachdem das neue Feature von Nutzern stiefmütterlich behandelt wird, macht Facebook hier ein Reverse-Engineering und entfernt die Funktion wieder aus der App. Snapchat bleibt der Marktführer für das Teilen von Inhalten, die wieder verschwinden sollen. Instagram baut strategisch weniger auf Chatten und wieder mehr auf Ästhetik.

Einschätzung: Unwahrscheinlich. Zu prominent sind die Stories im Haupt-Produkt, zu groß die Reichweite, die bestehende User haben. Spannend nur die Frage, ob Instagram Akzeptanz für Inhalte findet, die sehr persönlich sind (Stichwort: Sexting).

Snapchat muss aufgeben. Langfristig findet Snapchat keine Nutzung mehr, da Instagram die größere Markt-Macht hat. Der verspielte Ansatz und die zusätzlichen Features haben nicht ausgereicht, um die Community an eine weitere App außerhalb des Facebook-Kosmos zu binden.

Einschätzung: Möglich, aber nicht innerhalb der nächsten Jahre. Snapchat ist eine Love Brand, während Facebook und Instagram inzwischen an Glanz verloren haben.

Fazit

Facebook hat es oft versucht. Der jetzige Vorstoß hat zum ersten Mal das Potential, Snapchat gefährlich zu werden. Es bleibt spannend, wie sich der Markt entwickelt.

Was meint ihr? Lohnt es sich aktuell, die Schnappschüsse doppelt zu posten? Was ist die Zukunft der beiden Apps? Schreibt uns gerne einen Kommentar!

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.