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Ich habe die erste Comic Con Germany besucht und hier sind unstrukturierte Gedanken dazu

Falk Ebert  27. Juni 2016  Keine Kommentare  4 Minuten zu lesen  Gefahrgut

Am Wochenende war die Comic Con Germany in Stuttgart. Zeit, ein wenig zu reflektieren.

Subkulturen

Unser PR-Prof meinte immer, Social Media ist blöd. Unter anderem, weil unsere Gesellschaft daran zerbrechen würde, dass die Individualisierung zu viele Subkulturen hervorbringt. Wenn man die Breite und Tiefe der unzähligen fiktiven Universen anschaut, die am Wochenende dort hart gefeiert wurden, ahne ich, was er meint.

Wenn ich aber ein gemeinsames Selfie eines Star Trek Offiziers in TOS-Uniform und eines Star Wars Klons in CW-Ära-Uniform sehe, habe ich Hoffnung. Die Hoffnung, dass wir auch in den noch so abgesplitterten und verfeindeten Subkulturen gemeinsame Nenner finden können.

Mainstream

2004 habe ich geschrieben, dass Nerd das neue Mainstream ist. Eine restlos ausverkaufte Comic Con mit 50.000 Besuchern bestätigt das irgendwie. Ebenso wie das inzwischen auf über 20 Filme angewachsene MCU. Kein Film unter einer viertel Milliarde im Box Office.

Die Frage ist nur, wenn Nerd das neue Mainstream ist, was ist dann das neue Nerd? Sind vielleicht Hipster die neuen Nerds, weil sie genau dabei nicht mitmachen?

Tiefgang

Die Ansprache von Robert Picardo (EMH) war nicht nur eloquent, sondern hatte auch stellenweise einen Tiefgang, der an die spontanen Ansprachen eines anderen Star Trek Schauspielers erinnert hat. Klar war Star Trek schon immer ein Universum, das mit der Experimentier-Freiheit des Genres relativ zielsicher ethische und politische Positionen ausgetestet hat. Dennoch ist es interessant, wie auf einer scheinbar oberflächlichen Veranstaltung, in der es viel um Kostüme und Autogramme geht, plötzlich solche Töne angeschlagen werden.

Und eine Randnotiz: Es ist interessant, dass ein Satz wie „Violence is never ever a choice that a man should make“ an einem solchen Ort gesagt und heftig beklatscht wird, an dem jeder dritte Besucher mit einer gigantischen Schlacht-Axt oder Schnellfeuerwaffe herumläuft.

Geschlechter

Ich weiß nicht, in wie weit das bei Comic Conventions schon immer so war, aber die Frauenquote dürfte fast 50% betragen haben. Der Gedanke, dass es irgendwie besonders sein könnte, dass Frauen sich intensiv mit fiktiven Universen auseinander setzen, schien fern. Und außerdem steht Frauen die grüne Tunika sowieso besser.

Apropos Cosplay. Mir ist aufgefallen, wie Frauen und Männer, mit unterschiedlichsten Körper-Typen, auf unterschiedlichsten Punkten der Gender-Skala, weibliche und männliche Charaktere mit unterschiedlichster Sexyness-Ausprägung gespielt haben. Und das war alles vollkommen selbstverständlich und akzeptiert. Ich habe überall nur respektvollen Umgang mit den Cosplayern gesehen. Gut möglich, dass Einzelerfahrungen abweichen. Aber von Body-Shaming oder Slut-Shaming habe ich nichts mitbekommen. Von Homophobie sowieso nicht. Da könnte sich auch die Welt außerhalb der Messehallen eine Scheibe abschneiden.

Nationalismus

Deutsch, Englisch, Französisch, Japanisch, diese seltsame Sprache namens Schwäbisch, … das alles gab es auf der Comic Con kreuz und quer. Dass die Messe in Deutschland war, hatte geografische Vorteile, aber sonst kaum Bedeutung. Ich glaube, es gibt keinen unpatriotischeren Ort als eine Comic Con. Popkultur verbindet, von San Diego nach Akihabara.

Vielleicht hätten wir ja ein paar Probleme weniger auf der Welt, wenn man sich weniger um die Grenzen auf der Erde und mehr um die Grenzen in Westeros und Azeroth kümmern würde? Es war auf jeden Fall witzig, als die Jungs am „Herr der Ringe“-Diorama darüber diskutiert haben, ob die zwei Mädels gegenüber das Deutschland-Shirt ernst meinen, oder ob das ein ironisches Cosplay sei.

Soweit meine losen Gedanken. Habe ich wichtige Aspekte vergessen? Fällt euch zu meinen offenen Gedanken-Threads etwas ein? Zum Glück gibt es ja so etwas wie eine Kommentarfunktion – hier und bei Facebook. 

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.