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Facebook Instant Articles – eine kurze strategische Einschätzung

Falk Ebert  25. April 2016  Keine Kommentare  4 Minuten zu lesen  Gefahrgut

Wenn Facebook ein neues Feature ausrollt, ändert das mal eben das tägliche Mediennutzungsverhalten von 1,6 Milliarden Menschen. Grund genug, genauer hinzuschauen, wenn ein so wichtiges Feature wie die Instant Articles gestartet wird.

Was sind Instant Articles?

Die Idee dahinter ist einfach: Ein Inhalte-Anbieter, der regelmäßig Content auf einer Website veröffentlicht, schickt die Inhalte mit einer bestimmten Formatierung zusätzlich an Facebook. Wenn ein Nutzer dann in der mobilen App von Facebook einen solchen Artikel antippt, öffnet sich nicht mehr ein Browser, um die Website dazu aufzurufen. Stattdessen sieht der Nutzer den Inhalt direkt in der Facebook App, was schneller und weicher passiert, als es beim Aufrufen einer externen Quelle jemals sein könnte:

Der Inhalt kommt sofort von rechts ins Bild geschossen und ist mit einer Wischbewegung auch wieder weg.

Was bedeuten Instant Articles für die  Nutzer?

Aus der Perspektive des User Experience erst mal nur Gutes: Wer regelmäßig Nachrichten oder Blogs liest, wird diese Funktion zu schätzen wissen. Die Inhalte sind durch dieses Feature nicht nur schneller da, sie sind auch perfekt für mobiles Lesen optimiert. Dadurch, dass die Anbieter ihre Artikel stylen können, wird noch besser als bei einem RSS-Reader erkennbar sein, welche Quelle den Artikel anbietet.

Aus einer gesellschaftlichen Perspektive kann man jedoch fragen, ob es sinnvoll ist, die vierte Gewalt von einem so starken, nicht-öffentlichen und nicht-demokratischen Gatekeeper wie Facebook „hosten“ zu lassen. Langer Satz, lange Diskussion. Die Akzeptanz des Features und die generelle Entwicklung von Facebook in der Zukunft werden die Wichtigkeit dieser Debatte zeigen.

Was bedeuten Instant Articles für professionelle Inhalte-Anbieter?

Aus der Branchen-Perspektive erst mal nichts Gutes. Facebook und Content-Anbieter sind seit jeher im Wettbewerb um die Werbe-Etats, da sich beide hauptsächlich durch Aufmerksamkeit der Nutzer finanzieren. Und jetzt holt sich Facebook auf eine zweite Art ein Stück des Werbe-Kuchens: Nicht mehr nur durch Werbung in der Timeline. Sondern auch durch Werbung direkt  bei den Inhalten. Die Erlöse teilen sich Facebook und der Anbieter.

Für das einzelne Medium wird es vermutlich spieltheoretisch dennoch sinnvoll sein, mitzumachen. Denn so ist die Medienmarke viel näher am mobilen Durchschnitts- Konsumenten. Und die Publisher bekommen noch etwas, was sonst unerreichbar für sie ist: Die genaue Demografie der Nutzer. Und auch wenn Facebook das vehement bestreitet, ist auch nicht sicher, ob Instant Articles nicht doch einen unfairen Vorteil im Kampf um das Ranking in den Streams der Nutzer bekommen. So wie Facebook-Videos knallhart gegenüber YouTube-Verlinkungen bevorzugt werden, kann es gut sein, dass auch Instant Articles bald messbar deutlich besser performen werden.

Was bedeuten Instant Articles für Hobby-Blogger

Wir vom Gefahrgut Blog monetarisieren unsere Inhalte nicht. Wir schalten keine Werbung. Deshalb ist es für uns tatsächlich auch nicht wichtig, wie viele Page Impressions wir haben. Interessant, aber nicht wichtig.

Wer mit seinem Blogging – so wie wir – einfach nur viele Menschen erreichen möchte, für den gibt es kaum einen Grund, die Funktion nicht zu implementieren. Das ist zwar etwas technisch aufwändig, aber bietet klare Vorteile für die Leser.

Was bedeuten Instant Articles für das Content Marketing

Hier ist die Lage ähnlich wie bei den Bloggern. Möchte ich meinen Content konvertieren, also z.B. in Anmeldungen und Leads umwandeln, muss ich testen, welchen Einfluss das Feature auf meine Ziele hat.

Wer seine Inhalte einfach nur unters Volk bringen möchte, um mit Produkten und Marke im Gespräch zu bleiben – go for it!

Und was bedeuten Instant Articles für Facebook?

Das ist der vielleicht spannendste Punkt. Der Aufwand, den Facebook in die Instant Articles gesteckt hat, zeigt, wie wichtig das Feature für das Netzwerk ist. Kombiniert man diesen Fakt mit den neuesten Newsfeed-Testings und den neueren Trends im Nutzerverhalten, sieht man ein Muster:

Facebook wird in Zukunft weniger öffentliches Tagebuch sein und mehr die digitale Zeitung des Otto-Normalnutzers.

Und das ergibt Sinn, wenn man sich anschaut, wie Messenger, Instagram und Snapchat aktuell dem „Social Network“-Opa zu schaffen machen.

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.