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Wie man Habitica einrichtet und einen guten Vorsatz damit durchzieht

Falk Ebert  28. Dezember 2015  Keine Kommentare  6 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

Es ist wirklich traurig zu sehen, wie die meisten guten Vorsätze es nicht bis in den Februar schaffen. Nachdem ich aber mehrere Monate Habitica getestet habe, bin ich mir sicher: Das ist nicht nur mein neues ToDo-Tool, sondern auch ein gutes Werkzeug, um sein Leben zu verändern.

Da der Einstieg leider wirklich nicht einfach fällt, dachte ich mir, ich erspar euch den Stress und schreibe einen kleinen Guide. Das Ziel:

  • Schnell einen Überblick über Habitica bekommen.
  • Ein System aufbauen, das euch hilft, euer Ziel zu erreichen.

Ich werde das mal an dem Thema „eine Sprache lernen“ durchdeklinieren. Den Transfer bekommt ihr selber hin.

Was ist Habitica

Habitica ist ein Zeitmanagement-Dienst, den es als Web- und Mobile-App gibt.

Ihr könnt damit planen.

  • Gewohnheiten,
  • Wochentage
  • ToDos

Screenshot Habitica

Damit eure guten Vorsätze auch Spaß machen, gibt es das Gamification-Element.

  • Wenn ihr Gutes tut, bekommt ihr Erfahrung und Gold.
  • Damit wird euer Charakter stärker und ihr könnt ihm Ausrüstung kaufen.
  • Außerdem kann man mit Tränken und Eiern Begleiter-Tiere züchten.
  • Und man kann sich mit Freunden zusammen schließen und Monster bekämpfen.

Auch, wenn das Web-Interface am Anfang sehr verwirrend ist, habt keine Angst. Wichtig sind erst mal nur die folgenden Seiten:

  • Tasks (die Startseite)
  • Inventory -> Market (um Tiere zu züchten)
  • Social -> Party (sobald ihr eine Gruppe habt)

Alle anderen Seiten könnt ihr euch in Ruhe anschauen, wenn ihr Bock dazu habt. Lasst euch durch die Diamanten nicht beunruhigen: Es besteht keine Veranlassung echtes Geld in das Spiel zu investieren.

Schritt 0

Anmelden und die Mobile App (iOS oder Android) holen.

iOS App

Schritt 1

Überlegt euch zuerst, was ihr erreichen wollt und bis wann. Dann überlegt ihr euch, was die fünf wichtigsten Schritte auf dem Weg dahin sind und erstellt ein ToDo, das Ziel immer vor Augen hält.

Beispiel für das Ziel „Ich möchte bis Ende des Jahres Französisch in Schriftform können“:
Mein Ziel könnte sein, auf der Plattform lang-8 einen 400 Wörter langen Text in Französisch schreiben zu können.
Meine Zwischen-Ziele könnten sein, Texte mit 10, 20, 100 und 200 Wörtern fehlerfrei zu schreiben.
Also erstelle ich ein ToDo mit Enddatum 31.12.2016, das den Titel „400 Worte Text schreiben“ hat und erstelle dafür eine Checklist mit den Punkten 10 Worte, 20 Worte, 100 Worte und 200 Worte.

Dieses ToDo bleibt immer ganz unten in der dritten Spalte und erinnert euch daran, weswegen wir den ganzen Kram überhaupt machen.

Das Ziel wird vermutlich schnell rot werden, weil bei Habitica ToDos dunkler werden, je länger ihr sie nicht abhakt, aber lasst euch davon nicht verunsichern.

Schritt 2

Als nächstes überlegt ihr euch, wie ihr euer Ziel weiter aufteilen könnt. Ihr solltet dafür 2-5 Unterziele haben, die helfen, den richtigen Weg zu finden. Ob ihr die auch mit einem messbaren Erfolg und einem Datum verknüpfen könnt, würde ich euch überlassen. Die Unterziele sind nur für den folgenden Schritt wichtig.

Beispiel:
Unterziel 1: Ich sollte ein möglichst großes Vokabular haben
Unterziel 2: Ich sollte die Grammatik für die wichtigsten Zeitformen gut beherrschen
Unterziel 3: Ich sollte die wichtigsten Verben deklinieren können
Unterziel 4: Ich sollte meinen Text mit Idiomen strukturieren können

Schritt 3

Als nächste geht es darum, die Unterziele in konkrete Tasks zu übersetzen. Je nachdem, wie ihr die Sache angeht, eignen sich dafür Habits, Dailies oder ToDos am besten.

  • Für einmalige Aktionen, die man mal gemacht haben muss, erstellt ihr ToDos mit Datum.
    • Beispiel: Ich möchte bis September den kleinen Prinz im Original gelesen haben. ToDo. Checklisten-Punkte dafür sind eBook kaufen, erste Hälfte lesen, zweite Hälfte lesen.
  • Für Dinge, die ihr an bestimmten Tagen machen wollt, erstellt ihr Dailies.
    • Beispiel: Ich möchte jeden Sonntag ein paar Sätze bei lang-8 schreiben. Daily. Schwierigkeit mittel.
  • Für Dinge, die ihr pro Woche machen wollt, erstellt ihr ein Daily am Sonntag, das eine Checkliste mit genau diesen Dingen enthält.
    • Beispiel: Ich möchte jede Woche mindestens zwei französische YouTube-Videos mit Untertiteln gesehen haben. Daily am Sonntag mit Checkliste 1. Video gesehen und 2. Video gesehen. Wird am Sonntag abgehakt.
  • Für Dinge, die immer in einer bestimmten Situation oder in einem bestimmten Anlass machen wollt, erstellt ihr ein Task mit positiver und negativer Ausprägung.
    • Beispiel: Immer, wenn ich alleine mit dem Bus fahre, lerne ich Grammatik mit Duolingo. Auf Plus klicke ich, wenn ich es gemacht habe, auf Minus klicke ich, wenn ich mit dem Bus gefahren bin, ohne Duolingo zu machen.
  • Für Dinge, die positiv sind und die man leicht zwischendurch machen kann erstellt ihr ein Habit mit positiver Ausprägung.
    • Beispiel: Ein mal alle Memrise-Kurse bewässern. Plus klicken, wenn man zwischendurch mal Bock hatte.
  • Für schlechte Angewohnheiten, die ihr loswerden wollt, erstellt ihr ein Habit mit negativer Ausprägung.
    • Beispiel: Mein Feedly durchlesen, ohne die französischen Artikel richtig angeschaut zu haben. Klick auf Minus!

Wichtig ist dabei noch, den Zeitaufwand und den inneren Schweinehund abzuschätzen und die Tasks entsprechend auf Trivial / Einfach / Mittel / Schwer zu stellen.

Generell solltet ihr diese Checkliste am Ende abhaken können:

  • Für jedes Unterziel aus Schritt zwei gibt es mindestens eine Entsprechung als Task.
  • Die Dailies sind gut über die Woche verteilt und passen zu eurem Zeitbudget an einzelnen Tagen.
  • Ihr habt große und kleine Dinge, die ihr zwischendurch machen könnt, die euch weiter bringen.
  • Wirklich störende Dinge auf dem Weg zum Ziel könnt ihr als negatives Habit anklicken.

Damit solltet ihr ein System haben, dass euch euren guten Vorsatz erreichen lässt. Und weil der innere Schweinehund nicht nur durch Klicks belohnt wird, dürft ihr auch Belohnungen definieren.

Beispiel: Für 10 Gold gönne ich mir eine Cola am Automaten bei mir im Büro.

Wenn ihr jetzt gut auf dem Weg zu eurem Ziel seid, wird euer Charakter wachsen, stärkere Ausrüstung bekommen und niedliche Begleiter heranziehen. Wenn ihr schlampert, wird er Schaden nehmen, der nur mit einem Heiltrank oder Level-Aufstieg geheilt werden kann.

Was an Habitica sonst so Spaß macht (Gruppen, Monster, Mounts) werdet ihr selbst entdecken können.

MMM Gruppe bei Habitica

Ongoing

Natürlich ist es mit der Planung dann noch nicht final getan. Beobachtet euch selbst und schaut nach, wie ihr mit der App umgeht. Wenn ihr bestimmte Dinge zum Beispiel überhaupt nicht gerne macht, könntet ihr die Belohnung dafür hochsetzen. Wenn ihr den Workload nicht schafft, könnt ihr die Dailies reduzieren oder zu wöchentlichen Dailies umwandeln. Und wenn ihr neue Arten findet, das System auszutricksen, könnt ihr Tasks genauer definieren oder neue negative Habits dagegen setzen.

Beispiel: Ich schreibe bei lang-8 immer Texte, die sehr schlampig sind. Deswegen erstelle ich ein Bestrafungs-Habit, das ich anklicke, wenn ich in einem Text mehr als vier Fehler gemacht habe.

Schlusswort

Ich weiß nicht, ob Habitica für jeden das Richtige ist. Für mich war es das. Und meine tapferen Recken der Mächtigen Monster Meuchler sehen das auch so.

Vielleicht gebt ihr dem Tool ja mal eine Chance. Vielleicht wird 2016 das Jahr, an dem ihr einen guten Vorsatz wirklich durchzieht.

Viel Spaß beim Probieren!

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.