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Meine etwas seltsamen Ansichten zum Thema Automobile

Falk Ebert  16. November 2015  Keine Kommentare  5 Minuten zu lesen  Gefahrgut

Eines der vielen Themen, bei denen ich möglicherweise Ansichten habe, die als etwas seltsam empfunden werden können, sind Autos.

Höre ich Freunde diskutieren, ob ein Audi A8 oder ein BMW 7er das bessere Auto ist, kann ich zu dieser Diskussion wenig beitragen.

Beides sind für mich große, schwere Metallkisten, die sich durch explodierendes Dinosaurierzeit-Plankton voran bewegen.

Und beide unterscheiden sich nur minimal, wenn man das größere Bild betrachtet.

Ich war letztes Jahr in vielen großen Städten überall auf der Welt. Städte wie Bangkok, Hanoi, Peking, Tokyo. Wenn diese Städte eine Sache nicht brauchen, dann sind es noch mehr große, schwere Metallkisten, die sich durch explodierendes Dinosaurierzeit-Plankton voran bewegen.

Bangkok

Hanoi

Beijing

Diese Städte brauchen dringend frischen Wind. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und da beginnt mein Interesse.

Was mich an Autos begeistern kann

Was mich an Autos interessiert, sind ganz andere Dinge. Dinge, die kaum eine Automarke wirklich bedient – in der Forschung UND im Marketing:

Ich interessiere mich für Interfaces. Und damit meine ich nicht das Sportlenkrad. Sondern Interfaces mit Bildschirm. Ich erinnere mich noch, als ob es gestern war, als ein Freund der Familie stolz wie Oskar seinen neuen Firmen-Mercedes vorgestellt hat. Er war mittelmäßig beleidigt, als ich ihm (damals schon vorlaut) erklärt habe, dass sein Mercedes nur ein kleines Pixel-Display hat und der Ford meines Vaters ein großes Farbdisplay. Mit Touch.

Ich interessiere mich für Mobilitätskonzepte. Wie bringen wir Menschen von A nach B? Mit welcher Kombination von Verkehrsmitteln? In Hamburg gibt es hier mit switchh den ersten spannenden Ansatz. Und ich fand es spannend, letztes Jahr (bei Scholz) an der Geburt von CarUnity mitwirken zu dürfen. Es gibt so viele Ideen – von Seilbahnen bis zum Roller-Sharing. Warum mit einem A8 oder 7er im Stau stehen, wenn man auch stattdessen in der U-Bahn Vokabeln lernen kann? Warum einen Parkplatz mit einem SUV suchen, wenn ich den Car2Go-Kleinwagen einfach zwischen zwei Blumenkübel stellen kann?

Ich möchte wissen, wie die Vernetzung von Autos aussieht. Warum haben so viele Autos noch nicht mal einen Klinkenstecker und ein Smartphone-Halter serienmäßig, wenn das Auto beim Einsteigen schon längst meine Fahr-Playlist bei Spotify vorgeladen haben könnte? Warum reden Autos noch nicht miteinander?

Mich interessiert die Software von Autos. Was passiert, wenn Autos plötzlich selbstständig Hilfe rufen können? Ich fand es wahnsinnig spannend an der Einführung von OnStar im europäischen Markt mitzuwirken. Aber das ist alles erst der Anfang. Der VW-Skandal hat das Thema auf die öffentliche Agenda gerufen. Und es gibt viel dazu zu diskutieren.

Denn jetzt richten wir das Augenmerk auf selbstfahrende Systeme. Da lese ich, dass Tesla mal eben so per Software-Update Systeme anbietet, die automatisch auf der Autobahn fahren können oder selbstständig in die Garage fahren. Zeit (laut Tesla) bis Autos komplett selbst fahren können: Fünf Jahre. Fun fact, den ich neulich für meinen Vortrag beim Solutions recherchiert habe: Google-Autos sind bislang 1,6 Millionen Kilometer komplett selbstständig auf öffentlichen Straßen gefahren. Mit 16 kleineren Unfällen. Alle fremdverschuldet.

Natürlich interessieren mich auch neue Antriebssysteme. Im NEMO habe ich neulich gelesen, dass das erste eCar schon 1835 gebaut wurde. Die Dokumentation „Who Killed the Electric Car?“ muss ich hier nicht mehr verlinken. Ich bin ganz ehrlich, auch ich kann mich dem Rausch der Geschwindigkeit nur schwer entziehen. Allerdings kann der menschliche Körper Geschwindigkeit nicht wahrnehmen – nur Beschleunigung. Und die habe ich mit einem Elektro-Smart oder ZOE in der Stadt häufiger als ein Sportwagen auf der Autobahn. Schon mal Elektro gefahren?

Und in letzter Instanz richte ich den Blick gerne auf das ganzheitliche Nutzererlebnis. Wenn zum Beispiel der Renault-Service sehr nett ist, aber keine Ahnung hat, wie man die Verbrauchs-Funktionen des Autos online abrufbar und zugänglich macht. Oder wenn tolle Software im Auto an grottiger Bedienung im Interface scheitert. Oder wenn Tesla wieder einmal alles richtig macht. Hier eine wunderschöne Beschreibung aus Sicht des Oatmeal-Zeichners Matthew Inman.

Und was bedeutet das jetzt?

Gunter Dueck hat in einem Interview mal gesagt, es gäbe für die Mobilität in Städten nur eine einzige strategisch valide Option:

Selbstfahrende, mit Car-Sharing geteilte, Elektroautos.

Beim Thema Car-Sharing sehen wir hierzulande schon erste interessante Ansätze. Im Bereich Elektromobilität und Driverless Driving habe ich ein wenig Sorgen. Deutschland ist ein von der Autoindustrie abhängiges Land. Vielleicht ist unsere Liebe für Autos nicht hilfreich, sondern hinderlich, das Auto von morgen zu bauen? Sollen wir den Blick wirklich auf Motoren richten, oder lieber auf Batterien? Ist die Beschleunigung auf der Autobahn wichtiger als die Bedienung? Und müssen wir wirklich zwischen Autos mit fünf Sitzplätzen im Stau stehen?

Wenn wir es nicht hinbekommen, Autos zu bauen, die auch in 30 Jahren noch jemand kaufen möchte, haben wir hier ein nationales Detroit. Schaffen wir das?

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.