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Klar kannst du deine Kommunikation selber machen, aber…

Falk Ebert  20. Juli 2015  1 Kommentar  3 Minuten zu lesen  Gefahrgut, Werbung mit und im Internet

Stellt euch vor, ihr seid das erste Mal in Essen. Ihr lauft aus dem Hauptbahnhof raus und überquert eine Straße. Ihr richtet den Blick nach oben und seht dort ein großes Plakat über der Fußgängerzone hängen. Das Plakat teilt euch in großen Lettern mit, das Essen gewaltfrei ist.

Was denkt ihr jetzt?

  1. Schön, dass die Stadt gewaltfrei ist!
  2. Es gibt ja auch wirklich genug nicht-gewaltfreie Städte in Deutschland!
  3. Zurück in den Bahnhof. Nichts wie weg hier!!

Von den tausend Wegen zu sagen, dass eine Stadt gewaltfrei ist, ist der wohl schlechteste Weg, ein Plakat aufzuhängen, das sagt, dass die Stadt gewaltfrei ist.

Im Rahmen einer Demo gegen Hooligans macht das Sinn (hier der Hintergrund). Aber warum ist keiner auf die Idee gekommen, das danach abzunehmen?

Wenn Kommunikation einfach wäre, würde sie Quantenphysik heißen.

Noch ein Beispiel? Gerne: Das UKE sammelt Spenden für den Bau der neuen Kinderklinik. Für die Kampagne hat man sich etwas ganz besonderes ausgedacht.

Auf den Plakaten wünschen sich Kinder, wie das neue UKE aussehen soll. Darunter Ideen wie „Fußballtore im OP“ oder „Ponyreiten in der Notaufnahme“.

„Diese Wünsche bleiben auch im neuen Kinder-UKE nur Träume“, erklärt Dr. Rainer Süßenguth, der die Kampagne ins Leben gerufen hat. Der Grundgedanke: Hamburger sollen spenden und können so am Kinderklinikum „mitbauen“.

Die zur Kampagne gehörenden Plakate und Edgar-Cards sagen wörtlich:

Dieser Wunsch bleibt ein Traum: Ponyreiten in der Notaufnahme

Punkt. Aus. Keine Auflösung. Kein Versuch, das Ruder noch rumzureißen. Kinder haben eine tolle Phantasie und spannende Träume. Aber sie haben Pech gehabt. Nix gibt’s.

Wir drücken dem UKE natürlich trotzdem die Daumen…

Doch nicht nur Spendenkampagnen, auch knallharte Verkoofe kann mal richtig daneben liegen. Habt ihr auch dieses Plakat mit Palina gesehen, das gerade überall hängt? Ist hängengeblieben, was das eigentlich soll? Bei mir auch nicht.

Kein Wunder. Zählt mal nach, wie viele verschiedene Marken darauf abgebildet sind. Ich bin auf sieben gekommen. Kann man das verarbeiten, wenn man beim Daddeln am Bahnsteig mal kurz über das Smartphone schielt?

Und deshalb bin ich dankbar für meine Zeit bei Scholz & Friends, auch wenn ich dort nicht mehr arbeite. Denn das ist es, was ich dort verinnerlicht habe:

Über Kommunikation muss man nachdenken.

Hinter all der Fassade aus kurzlebigen Buzzwords, lebensfrohen Kreativen und lebensbedrohlichen Parties, ist es genau das, was eine klassische Agentur auszeichnet. Dort sind Menschen, die sehr präzise darüber nachdenken können, wie man etwas sagt.

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.