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Von Pornhub lernen

Falk Ebert  6. Juli 2015  2 Kommentare  2 Minuten zu lesen  Werbung mit und im Internet

Es irritiert mich immer wieder, mit welcher Selbstverständlichkeit große Marketingbudgets auf Werbemittel verteilt werden, von denen wir wissen, dass sie verdammt ineffizient sind – einfach nur, weil ihre Ineffizienz zumindest vorhersagbar ist.

Abhilfe verspricht das 70/20/10-Modell der Mediaplanung, bei dem 20 Prozent des Budgets auf weniger etablierte Kanäle und Maßnahmen verwettet wird und 10 Prozent für wirklich experimentelle Aktionen eingesetzt werden. Auf Powerpoint-Folien gesehen habe ich das Modell etwa fünf Mal, tatsächlich in der Praxis eingesetzt: Null.

Wenn wir also wirklich effiziente Kommunikation sehen wollen, müssen wir jene Firmen betrachten, die aus der Not eine Tugend machen – weil sie schlichtweg kein brauchbares Budget haben oder aus anderen Gründen keine großen Media-Kampagnen fahren können.

So wie z.B. Pornhub.

Wir können jetzt gerne diskutieren, ob das Produkt „Pornoseite“ ein Vorteil oder ein Nachteil beim Kommunizieren ist. So oder so finde ich es jedoch beachtlich, mit welcher Frequenz Pornhub inzwischen „earned media“-Treffer landet. Also Aktionen, die richtig viral gehen.

Nehmen wir z.B. das Wankband: Schütteln der Hand erzeugt Energie. Haha. Nicht umsetzbar, nicht kreativ, aber chip berichtet dankbar darüber. Was für andere Unternehmen ein teurer alltäglicher Prozess ist, wird bei Pornhub zum Mega-Event hochstilisiert – die Suche nach einem Creative Director. Und die Reihe „Pornhub Insights“ macht eigentlich auch nichts anderes, als halbwegs interessante Auffälligkeiten in den ohnehin anfallenden Tracking-Daten halbwegs interessant zu verbloggen. Für die Zeit hat es gereicht. Alter Trick, aber funktioniert immer wieder: Man tut Gutes und rettet irgendetwas, wie z.B. Bäume oder Brüste. Und der neueste Coup: Was macht man, wenn man gerne ein Event im Stil von Red Bull Stratos hosten würde, aber keine Kohle dafür hat? Klar, ein Kickstarter.

Auch wenn es vermutlich nicht ganz reichen wird, die Weltraum-Mission tatsächlich zu starten, ist es doch bei jeder dieser Aktionen auffällig, wie viel Tweets, Reddit-Upvotes und nicht zuletzt ganz klassische Berichterstattung erzielt wurde. Und das, ohne dass irgendwo nennenswertes Produktions- oder Seeding-Budget eingesetzt werden musste.

Und das muss man der Seite erst mal nachmachen!

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.