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Barrierefreiheit durch Technologie

Christian Faller  4. Februar 2015  Keine Kommentare  3 Minuten zu lesen  Mobile, Technologie

Das Smartphone in der Tasche ist heute so normal wie die Geldbörse. Dabei sind die Funktionserweiterungen seit der Nokia-3310-Ära für uns „Normalnutzer“ absolut fantastisch, aber wirklich lebenswichtig sind sie nicht. Eher ein Mehr an Komfort. Diese Erkenntnis hatte ich vergangene Woche, als mir sprichwörtlich die Augen geöffnet wurden.

Meine Agentur teilt die Bürofläche mit dem Yaez Verlag aus Stuttgart. Dort macht gerade eine blinde Redakteurin ein Praktikum. Gemeinsam mit ihr hatte Yaez Geschäftsführer Michael Hartung einen Test der App „Be My Eyes“ gemacht. Und ich bin restlos begeistert.

Auch für die blinde Lucia war die App neu, da sie bisher nicht besonders technologieaffin war. Als sie die App testete, war sie jedoch selbst sofort überzeugt. Be My Eyes basiert auf einer simplen Idee: Sehende leihen Blinden ihre Augen. Das funktioniert über die Kamerafunktion des Smartphones.

Szenario: Lucia ist sich nicht sicher, ob sie im Supermarkt gerade eine Tüte Milch oder eine Tüte Orangensaft in den Händen hält. Ungeöffnet kann man das auch schlecht riechen. Auf ihrem iPhone ruft sie die Be My Eyes App auf, über welche sie mit einem sehenden Helfer verbunden wird. Diesem wir dann das Kamerabild des Smartphones übertragen und er kann Lucia sagen, wohin sie das Smartphone richten soll. Sobald der Helfer das Produkt erkennen kann, gibt er es Lucia per Tonverbindung durch und ihr ist geholfen.

Ein kleines Video veranschaulicht dies noch einmal im Detail:

Und so fantastisch die App ist, so viel Verbesserungspotenzial sehe ich auch für die Zukunft.

Diese App auf einem Wearable Device wie Google Glass laufen zu lassen, wäre ein Durchbruch für jeden Sehbehinderten!

Die Kameraausrichtung ist immer perfekt. Die Steuerung und das Pairing mit dem Helfer erfolgt ohne Hände und nur über Sprachsteuerung. Damit wäre die Integration in den Alltag nahtlos und würde für einen völlig neuen Standard an Barrierefreiheit in diesem Bereich sorgen.

Und noch einen Schritt weiter gedacht, kann eine Google Glass Brille auch Automatismen nutzen, welche ohne menschliches Gegenüber greifen. Schrifterkennung zum Beispiel. So wird in Sekundenschnell von selbst erkannt, ob die blinde Person gerade Orangensaft oder Milch vor sich sieht.

Unter diesem Gesichtspunkt, gehe ich davon aus, dass die kommenden Monate oder Jahre einen riesigen Sprung in Sachen Barrierefreiheit mit sich bringen werden.

Christian Faller

Christian Faller ist Geschäftsführer bei deepr, einer Stuttgarter Werbeagentur und leitet den Digitalbereich bei Yaez. Wenn er nicht an digitalen Marketingstrategien feilt, verfolgt er sein Lebensziel, jedes Land der Welt zu bereisen. Er hat in Singapur, Frankreich, Amerika und Südafrika gelebt und gearbeitet.