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Bekommt man eigentlich aufs Maul, wenn man Google Glass in der Öffentlichkeit trägt?

Falk Ebert  5. Januar 2015  1 Kommentar  4 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

Der Begriff „Glasshole“ wurde Anfang des letzten Jahres geprägt. Er lässt zumindest erahnen, dass nicht alle Personen der Brille von Google positiv gegenüber eingestellt sein dürften. Doch was passiert, wenn man das Ding tatsächlich mal ein paar Tage im Alltag trägt? Wir haben es getestet.

Was ist Google Glass?

Gesehen hat sie jeder schon mal. Und doch haben die meisten Menschen ein falsches Bild des Geräts.

Google Glass ist kein Augmented Reality!

Die Brille kann nicht in das gesamte Blickfeld projizieren. Und ein eigenständiges Gerät ist sie auch nicht.

Am besten lässt sich die Brille so beschreiben: Glass ist ein neuartig am Körper angebrachter Bildschirm. Und eine neue Art der Android-Steuerung – mit Spracheingabe statt Touch und stark komprimiertem audiovisuellem Feedback statt Scrollen.

Google Glass mit Lollipop verbunden

Wie steuert man Google Glass?

Die Sprachsteuerung ist relativ einfach. Man weckt die Brille, sagt „OK Glass“ und sieht dann alle möglichen Sprachbefehle wie z.B. „Take a photo“ aufgelistet. Aktiviert man neue Anwendungen in der Smartphone-App, kommen neue Befehle hinzu. Etwa „Explore the stars“ zum Aufrufen einer Himmelskarte, die dem Blickfeld folgt und Sternbilder erklärt.

Websites sieht man nicht wirklich. Wenn man nicht die ohnehin vordefinierten Dienste wie z.B. eine Wetter-App verwendet, versucht Google die Suchanfragen semantisch zu beantworten. Wenn man also nach der Höhe des Eiffelturms fragt, blendet Google ein kleines Bild und die richtige Antwort ein. Bei komplexeren Fragen klappt das in etwa so gut oder schlecht, wie man es von dem englischen Siri oder Google Now kennt.

Intuitiv ist die Brille trotzdem nicht ganz. Zur Bedienung braucht man nämlich noch eine Vier-Wege-Steuerung mit Wischen am Gestell. Meine iPad-erprobte Oma wird das wohl nicht mehr verinnerlichen, meine Eltern kamen nach kurzer Zeit damit zu Recht, am besten ging es bei meinem 15-jährigem Cousin. Die echten digital natives, eben…

Falk Ebert trägt eine Glass Brille

Wie funktioniert Glass im Alltag?

Auch wenn die Brille sehr leicht ist und stabil läuft, nervt es dann irgendwann doch, ständig den Bildschirm im Blickfeld oben rechts zu haben. Gerade beim Autofahren oder im Supermarkt hab ich sie lieber abgesetzt. Auch wenn es praktisch ist, für Notifications das Smartphone nicht mehr aus der Tasche holen zu müssen – mit der Smartwatch klappt das besser. Richtig spaßig ist allerdings die Foto-Funktion. Und genau das ist auch das key feature, wenn ihr mich fragt:

Fotografieren, Filmen, Broadcasten, Sharen und beide Hände freihaben.

Da der Freundeskreis und die Familie schnell davon genervt sein dürften, ist das eher für den professionellen Einsatz spannend. Und die Leute auf der Straße? Haben die Brille zum größten Teil gar nicht bemerkt. Wenn man nicht direkt mit jemandem spricht, fällt Glass nicht wirklich auf. Und wenn, dann habe ich sie der Höflichkeit halber lieber abgenommen.
Und dennoch habe ich das Gefühl, Glass wird kein Alltags-Accessoire, sondern ist eher für bestimmte Berufsgruppen und Hobbies interessant.

Wenn man sich überlegt, welchen Mehrwert ein sprachgesteuertes Internet für einen Chirurgen, Lagerarbeiter, Fahrradkurier oder YouTuber bringt, bekommt man eine Ahnung, was die Brille wirklich kann.

Einkaufszettel mit Glass fotografiert

Was lernen wir aus Google Glass?

Zwei wichtige Dinge.

  1. Früher waren Computer Zimmer, die man besuchen musste. Dann Kisten, an die man sich sich setzen musste. Dann Scheiben, die man in der Hosentasche hat. Und hier wird die Entwicklung nicht aufhören.
  2. Wir werden in Zukunft noch weniger auf Websites schauen. Stattdessen werden die Informationen über künstliche Intelligenzen direkt für uns ausgesucht und präsentiert. Oder über spezialisierte Dienste direkt geliefert.

Die Zukunft heißt nicht nur Google Glass, aber die Richtung ist klar.

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.