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„Und sowas machen Menschen?“

Falk Ebert  1. Dezember 2014  Keine Kommentare  2 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

„Und sowas machen Menschen?“

Diesen Satz höre ich immer wieder, wenn ich Freunden oder Kollegen von bestimmten Aktionen im Internet erzähle.

  • „Warum sollte jemand sich stundenlang durch Bilder des Nachthimmels klicken ohne etwas dafür zu bekommen?“
  • „Warum sollte jemand seine liebevoll erstellten Reisefotos für kommerzielle Zwecke nutzbar hochladen?
  • „Warum sollte jemand 100.000 mal auf einen Keks klicken nur um ein Spiel zu spielen?“

Und dann kommt die obligatorische Frage:

„Sind die Leute im Internet denn bescheuert?“

Nein, sind sie nicht. Wer Motivationen von Menschen verstehen will, kann nicht mehr auf längst überholte Modelle der Verhaltensökonomik setzen, die nur den materiellen Wert von Aktionen betrachten.

Wenn man genauer hinschaut, sieht man, warum Menschen sowas machen.

Beispiel Zooniverse: Warum klicken sich Menschen durch Bilder des Nachthimmels, von Wasserproben und schauen sich immer gleiche Videos von Fadenwürmern an? Weil sie Wissenschaft nicht nur wichtig, sondern auch spannend finden. Weil sie gerne am wissenschaftlichen Prozess mitwirken möchten, auch wenn sie einen langweiligen Bürojob haben. Und weil sie dadurch einen Einblick in die Arbeit der aktuellen Forschung bekommen.

Beispiel Creative Commons: Warum geben Menschen ihre liebevoll erstellten Kunstwerke jedem zur freien Verfügung? Weil sie selbst schon oft davon profitiert haben für einen Blogartikel oder ein kleines Videoprojekt Material einfach runterladen zu können. Weil sie gerne teilen. Und weil mit ihren Fotos oder Songs ohnehin kaum Geld zu verdienen wäre.

Beispiel Cookie Clicker: Warum spielen Menschen ein Spiel bei dem man fast nur auf ein Keks klickt? Weil das Spiel mit sehr klugen Belohnungs-Mechanismen das Klicken belohnt. Weil es dem Spieler das Gefühl gibt, mit wenig Aufwand viel erreicht zu haben. Und weil es einfach entspannend sein kann.

Man kann das Internet verstehen. Man muss es nur wollen.

Oder einfach mal selbst ausprobieren.

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.