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Gastartikel: Clickbaits nerven – sind sie aber verboten?

Christian Faller  25. November 2014  1 Kommentar  5 Minuten zu lesen  Internet und Social Web, Marketing, Werbung mit und im Internet

Wir freuen uns mal wieder über einen neuen Gastartikel auf dem Gefahrgutblog. Diesmal von einem Juristen-Freund aus dem schönen Hamburg. Conrad S. Conrad berät und unterstützt eine Anwaltskanzlei aus der Hansestadt seit einigen Jahren in Sachen SEO und hat das 1. Jur. Staatsexamen mit Schwerpunkt Medienrecht. Seit ich ihn vor vielen Jahren kennengelernt habe, arbeitete er bei zahlreichen großen Onlineportalen aktiv mit und weiß, wie das Socialweb tickt.

Die Kommunikationstrends in den sozialen Netzwerken sind schnell. Ja sehr schnell. Seit dem Erfolg einiger Internet-Plattformen wie z.B. heftig.co, die Seiten aus Amerika nachahmen, meinen auch viele Websites hierzulande, sich dieser Stilmittel bedienen zu müssen und einen mehr oder weniger erfolgreichen Mix aus „clickbait“, Selfies und Eigenwerbung auszuspielen.

Screenshot von Heftig:

Clickbaits

Irgendwann wird‘s nicht nur langweilig, sondern auch nervig. Durch diese kurzfristigen Klicks und Effekthaschereien verliert das große Netzwerk (meist Facebook) für wenige Momente die Leserschaft. Ob die Internetnutzer jedoch nachhaltig auf diesen externen Seiten bleiben oder ebenso schnell wieder dieselbe verlassen, sei mal dahingestellt.

Facebook kennt diese Sorgen seit geraumer Zeit und entwickelt Lösungen, um solche geteilten Links und Nachrichten weniger populär darzustellen. Ob dies gelingen mag, wird die Zeit zeigen.

Nun bin ich aber nicht nur ein aktiver Facebook-Nutzer, der schnell durch Werbung und Shares oder Links genervt ist, sondern auch noch ein angehender Jurist mit dem Interesse am Medien und IT-Recht. Da mag man schon mal schnell an irgendwelche rechtlichen Vorschriften denken, die von Rundfunk und Meinungsfreiheit bis zum Datenschutz oder UWG reichen können.

Sind clickbaits verboten?

Also ein Betrug im strafrechtlichen Sinne ist schon mal nicht gegeben und sehr abwegig, denn einen (Vermögens)schaden beim User als Opfer sehe ich jedenfalls nicht. Daran dürfte sich auch nichts ändern, wenn der Nutzer nun auf irgendeiner unseriösen Website voller Werbung landet.

Aber man kann natürlich davon ausgehen, dass dieser Link bzw. News-Teaser bzw. ein Bild als Werbung gilt, sofern beim jeweiligen Anbieter kommerzielle Absichten verfolgt werden und dieser Link dadurch auch der Absatzsteigerung gilt (mehr Nutzer führen zu mehr Werbeeinblendungen usw). Inwiefern diese Beiträge überhaupt als Werbung gekennzeichnet werden oder werden müssten durch den Anbieter, sei jetzt mal außen vor gelassen – ohne jetzt das ganz große Fass aufzumachen. Generell kann die Werbung auch von der Meinungsfreiheit/Kunstfreiheit/Satire flankiert werden, wie SIXT regelmäßig aufzeigt.

Es darf aber mal ein Blick auf § 5 UWG geworfen werden. Das Wettbewerbsrecht regelt in dieser Norm irreführende geschäftliche Handlungen und unter anderem auch die irreführende Werbung eines Unternehmens. So wird gemeinhin eine irreführende Werbung als solche angenommen, „wenn sie geeignet ist, bei einem erheblichen Teil der umworbenen Verkehrskreise irrige Vorstellungen über das Angebot hervorzurufen und die zu treffende Marktentschließung in wettbewerblich relevanter Weise zu beeinflussen.“ (Vgl. z.B. BGH, Urt. v. 18.1.2012, I ZR 104/10).

Wenn nun also durch eine krasse Überschrift im Rahmen des „clickbaiting“ auf eine News derartig hingewiesen wird, dass beim durchschnittlichen Leser irrige Vorstellungen über diesen verlinkten Inhalt hervorgerufen werden, er also beispielsweise nur auf diesen Link klickt, weil er dahinter etwas erwartet, jedoch völlig andere Informationen dann vorfindet, sind wir schon mal in Reichweite dieser Vorschrift. Allerdings müssen diese unwahren Angaben oder zur Täuschung geeigneten Tatsachen solche Umstände betreffen, die beispielsweise zu den wesentlichen Merkmalen der Ware oder Dienstleistung zählen, die Person, Eigenschaften oder Rechte des Unternehmens betreffen oder Rechte des Verbrauchers tangieren (Vgl. dazu § 5 Abs. 1 UWG).

Nun wird man sich eingestehen müssen, dass die Überschriften und Teaser-Texte in der Regel nur die News, ein Bild oder ein Video ankündigen und weder ein zu verkaufendes Produkt noch das hinter einem solchen Portal stehende Unternehmen. Anders wäre es vielleicht bei einer Ebay-Versteigerung oder einem Shop („Krass, dieses Handy kostet nur 10 Euro und ist besser als das iPhone – Kaufen“) oder der Bewerbung einer Dienstleistung („Das musst du gesehen haben! Dieser Arzt macht die Patienten in 3 Sekunden wieder gesund“; „Wahnsinn – So stehst Ihre Webseite mit nur 3 Klicks wieder auf Platz 1“).

Es bleibt letztlich offen, inwiefern Firmen die in direktem Wettbewerb stehen überhaupt etwaige Verstöße abmahnen könnten oder dem clickbaitenden Unternehmen sonstige Rechtsfolgen wie Schadensersatz oder Beseitigung drohen, da die Headlines in der Regel bezogen sind auf News, Videos, Bilder usw.

Gewiss sind vielerlei Szenarien denkbar, wonach sich konkurrierende Unternehmen einen Vorteil in den sozialen Netzwerken durch hetzerische Beiträge verschaffen – die gute BILD Zeitung macht es ja seit Jahrzehnten nicht anders. Und in der guten SEO-Community werden solche Überschriften oftmals gefeiert und als Paradebeispiel aufgeführt, wie sich Klickquoten (kurzfristig) steigern lassen.

Das gute an den sozialen Netzwerken oder generell der Internetgemeinde ist ja, dass sich bei fortscheitender Unzufriedenheit der Leserschaft durch negative Kommentare oftmals ein Umdenken bei den Initiatoren breitmacht, zumindest sollte dies so sein, und vielleicht – so meine Hoffnung – wird ja wieder ein wenig zurückgerudert.

Ich jedenfalls habe 2 solcher „Fansites“ nun unliked, weil mir diese täglich überzogenen oder aussagelosen Überschriften von News auf den Wecker gingen.

Über den Autor des Gastartikels:
Conrad S. Conrad besitzt das Erste Juristische Staatsexamen und engagiert sich seit über 10 Jahren im Internet bei diversen Online-Angeboten. Erreichbar ist er bei Fragen per E-Mail.

Photo Credit: santi_b (flickr)

Christian Faller

Christian Faller ist Geschäftsführer bei deepr, einer Stuttgarter Werbeagentur und leitet den Digitalbereich bei Yaez. Wenn er nicht an digitalen Marketingstrategien feilt, verfolgt er sein Lebensziel, jedes Land der Welt zu bereisen. Er hat in Singapur, Frankreich, Amerika und Südafrika gelebt und gearbeitet.