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Need for Brains – definitiv noch Platz nach oben

Falk Ebert  22. September 2014  Keine Kommentare  3 Minuten zu lesen  Werbung mit und im Internet

Der Name der neuen Lernplattform der gwa passt: Hirn braucht die Branche tatsächlich, die von dem Gesamtverband Kommunikationsagenturen vertreten wird.

Grund genug für uns, sich das Ding mal genauer anzuschauen.

Nach dem Login sieht die Plattform so aus:

Screenshot der Plattform

Kurz gesagt, hat Need for Brains drei Bereiche: Den Lernbereich, den Lernstatus und den Diskussionsbereich. Der Lernbereich besteht aus Videos in denen Werber Grundlagen der Kommunikation beleuchten. Der Lernstatus zeigt an wie lange man sich diese Videos schon angeschaut hat. Der Diskussionsbereich aggregiert die Kommentare unter den Videos.

Video bei Need for Brains

So weit, so uninnovativ. Das UX/IA ist nicht gut, aber solide. Diskussionen gibt es keine und wird es wohl auch in Zukunft wenig geben. Das Hauptproblem liegt meiner Meinung aber auch schon beim Content. Viele Videos sind entweder wirklich extrem basic, oder sind schlichtweg Eigenwerbungs-Videos, die die teilnehmenden Agenturen schon vor längerer Zeit produziert haben. Videos zu wirklich neuen Themen wie predictive targeting, Wearables oder Big Data fehlen komplett. Oft gibt es die Videos auch woanders.

Der einzige Mehrwert: Die zum Video gehörigen Multiple-Choice-Quizfragen, die…

a) mit reiner Logik beantwortbar sind
b) kein didaktisches Konzept zu haben scheinen
c) ergo Ankreuz-Tests statt echtes Lernen sind
d) Spaghetti mit Tomatensauce

Dennoch ist Need for Brains schon jetzt eine gar nicht so unbrauchbare Sammlung von Videos zum Thema Kommunikation. Wäre da nicht, ja wäre da nicht der Preis! Ein Account kostet 140 EUR zzgl. MwSt pro Jahr.

Das finde ich ziemlich frech. Denn:

  • Die Mitgliedschaft in der gwa kostet zwischen 5.000 und 35.000 Euro pro Jahr.
  • Für die Plattform wurden zusätzlich EU-Gelder (Programm lebenslanges Lernen) eingesackt.
  • Die Umsetzung ist weder konzeptuell noch technisch besonders teuer.
  • Die Grenzkosten sind marginal, da noch nicht mal die Videos selbst gehostet werden – die Plattform verwendet eingebettete YouTube Videos.
  • Auch der Content selbst kommt von den Agenturen für lau. Wie gesagt, teilweise merkt man es deutlich.
  • Am Ende des Tages muss sich Need for Brains an Konkurrenz wie Khan Academy, TED, Coursera und Projekten wie Justice messen lassen. Und bei denen heißt es statt Paywall: Free.

Need for Brains ist angetreten eines der wichtigsten Probleme der gwa Mitglieder zu lösen – fehlende Talente im Nachwuchs. Nicht-Mitglieder können jedoch nicht mal von der Plattform profitieren. Eine positive Ausnahme sind Studenten, denen ich hiermit nahe lege, sich zumindest einen Zugang zu holen.

Darüber hinaus bleibt mir nur der Appell an die GWA: Macht euch nicht lächerlich und gebt den Zugang zur Plattform frei. Es wäre der erste Schritt einer notwendigen Entwicklung.

Full Disclosure: Ich arbeite bei Scholz & Friends, einer Mitgliedsagentur; die hier geäußerten Meinungen sind natürlich meine.

 

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.