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Warum Verschlüsselung nicht die Lösung ist

Falk Ebert  28. Juli 2014  Keine Kommentare  2 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

Das Klingeln der (aus Sicherheitsgründen selbst programmierten) Wecker-App meines abhörsicheren TopSec GSM Handys weckt mich. Bevor ich aufstehe, checke ich kurz die Neuigkeiten meiner Freunde bei App.net und Diaspora, natürlich über eine sichere Verbindung mit TOR. Per Threema sage ich meiner Freundin guten Morgen. Da kommt auch schon die erste Mail von Chris, der selbstverständlich nicht Gmail verwendet, weil er nicht möchte, dass Google seine Mails mitliest. Da er meinen PGP-Schlüssel hat, ist es ganz einfach für ihn, eine mathematisch sichere Verschlüsselung anzuwenden, die nur ich lesen kann. Den Schlüssel habe ich ihm gegeben, als wir uns das letzte Mal in Stuttgart gesehen haben. Auf einem USB-Stick, den ich nicht bei Amazon bestellt habe und zur Sicherheit auf Manipulation geprüft habe.

Da klingelt der Wecker ein zweites Mal und ich wache auf aus der Welt, in der die Geheimdienste nicht Zugriff auf jeden noch so kleinen, privaten Bereich meines Lebens haben.

Nach dem, was wir dank Whistleblowern in den letzten zwei Jahren gelernt haben, ist es unglaublich mühsam geworden, eine auch nur halbwegs geschützte Infrastruktur zur privaten Kommunikation zu verwenden.

Und ich glaube, es ist falsch. Denn es sendet die falschen Signale an Regierung und Behörden: Wenn der BND als nächstes Kameras in unseren Schlafzimmern installiert, beschränken wir uns dann auf den Küchentisch? Die aktuelle Überwachung ist für einen digital native nicht weniger intim.

Wir müssen das Problem mit den Geheimdiensten an der Wurzel packen, anstatt einen Wettlauf der IT-Technologien gegen zehntausende Nerds der NSA führen zu wollen. Ein guter Anfang für Deutschland wäre, die Schuldigen in der Politik abzustrafen.

Und einer Partei, die in der Geheimdienst-Affaire komplett versagt hat, nicht 41 Prozent bei den nächsten Wahlen zu schenken!

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.