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Reddit ja, Google Maps nein – die komische Internet-Zensur in China

Falk Ebert  30. Juni 2014  3 Kommentare  2 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

Im Lichte der aktuellen Geheimdienst-Affaire muss man die Internet-Sperren in China eigentlich beglückwünschen: Milliarden Menschen auf der Welt dokumentieren ihr tägliches Leben en detail per Google und Facebook und füttern damit fleißig amerikanische Geheimdienste. Nur China nicht.

Auch die Intention hinter der inhaltlichen Zensur in der Volksrepublik kann ich zumindest erahnen: Was die Harmonie gefährdet, wird schlichtweg wegzensiert. Wikipedia aufrufen ist kein Problem, aber die Seite zum Tiananmen-Massaker – nope.

Davon abgesehen, kann ich aber absolut nicht nachvollziehen, warum einzelne Domains gesperrt, bzw. nicht gesperrt sind. Ein paar Beispiele:

  • Facebook ist zensiert, die zu Facebook gehörende Community Instagram aber nicht. Warum?
  • Seiten wie Youporn werden zensiert. Das mit den absonderlichsten Spielarten der Pornografie vollgestopfte 4chan ist aber frei zugänglich?
  • Twitter ist verboten und das China-Pendant wird mit zehntausenden Angestellten gefiltert. Gleichzeitig wird aber nichts dagegen unternommen, wenn Ausländer und die Kids in den Städten mit VPN fröhlich Twitter, Tumblr und Tinder nutzen?

Für die „cool kids“ ist eine VPN-Verbindung Normalität. Und sei es nur, um Big Bang Theory zu schauen. Das wird nämlich auch zensiert.

Der Höhepunkt ist für mich aber etwas anderes: Reddit ist nicht geblockt. Reddit. Die anonymste, dynamischste Community im Netz. Keimzelle für unzählige Internet-Bewegungen.

Meine einzige Erklärung hierfür: Internet-Politik wird in China von ahnungslosen digital immigrants gemacht. Also genau wie in Deutschland.

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.