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Die Sehnsucht nach dem Haptischen

Falk Ebert  28. Oktober 2013  4 Kommentare  3 Minuten zu lesen  Werbung mit und im Internet

Früher hatten die Geräte in unserem Leben noch Knöpfe. Der Knopf hatte soziologische Auswirkungen, die den wenigsten von uns bekannt sein dürften. Schaut euch mal dieses Deck an:

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Heute ist ein „Button“ eine Sammlung von bunten Leuchtpunkten hinter einer Glasscheibe.

Und überhaupt verschwindet immer mehr von dem, was wir früher noch in der Hand hatten, hinter Glasscheiben: Bücher, Notizbücher, Fotoalben, Lexika, Taschenrechner, Zeitungen, Stoppuhren, …

Haptisch vs. Digital

Das muss nicht schlecht sein. Möchte ich meinen perfekt synchronisierten, hochgradig automatisierten, auf fünf Geräte synchronisierten Google Kalender jemals wieder gegen sein Pendant aus toten Bäumen tauschen? Sicherlich nicht. Lieber schieße ich mir ins Knie.

Aber die Verlagerung hinter die Glaswand hat einen subtilen Nebeneffekt: Die Sehnsucht nach haptischen Dingen wächst.

Während Universitäten in aller Welt anständige taktile Touchscreens erforschen, steigt die wahrgenommene Wertigkeit der Haptik.

Ein paar Beispiele

Die Maker Culture: Während dem gemeinen Nerd von vor 20 Jahren noch ein Linux-Laptop gereicht hat, sind jetzt Löten, Kleben und Nähen wieder im Kommen.

Maker Culture

Ein Grund, warum Instagram erfolgreich wurde: Der Polaroid-Effekt. Wir setzen der auf Hochglanz gephotoshoppten digitalen Welt echtes Retro-Feeling entgegen. Und weil das nicht reicht, kann man sich die Fotos mit unglaublich vielen Diensten ausdrucken lassen, als Kühlschrankmagnete bestellen und was weiß ich nicht alles.

Instagram Profil

Eine weitere App die Haptik simuliert: Paper. Und guess what, seit kurzem kann man seine digitalen Büchlein in haptische Büchlein konservieren lassen. In Kooperation mit Moleskine.

Paper Buch ausdrucken

Erinnert ihr euch noch an den Artikel von Chris?

 

Was daraus für das Marketing folgt

Zeit also, die Marketing-Budgets schnellstmöglich von Digital zu Print zurückzuschaufeln? Nope. Denn die Vorteile von digitalen Elementen im Marketing-Mix liegen immer noch auf der Hand. Es geht nicht um „Analog“ oder „Print“. Es geht um Haptik.

Stattdessen ist das Ziel, Digital und Haptik sinnvoll miteinander zu verbinden. Zu überlegen, wann Haptik ein Wettbewerbsvorteil sein kann. Über die „Lager-Denke“ hinweg. Über Abteilungen in Unternehmen hinweg.

  • Leads digital generieren, haptische Mailings.
    (z.B. für high involvement goods)
  • Digitalen User Generated Content haptisch manifestieren.
    (z.B. Facebook-Fans auf Flugzeuge drucken)
  • Haptische Produkte mit digitalen Stunts verlängern.
    (z.B. die Milkatafel mit der fehlenden Ecke)
  • Digitalen Produkten haptische Goodies beilegen.
    (z.B. Musikalben die „auf T-Shirt“ vertrieben werden)
  • Digitales Loyalty-Programm, haptisch belohnen.
    (z.B. der Nintendo Club)
  • und so weiter und so fort…

Packen wir es an. Offen für alles.

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Falk Ebert

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.