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Shitstorms aus der Unternehmens-Perspektive: Deshalb wirken sie

Falk Ebert  7. Oktober 2013  Keine Kommentare  2 Minuten zu lesen  Werbung mit und im Internet

Mit dem Entschuldigungsvideo des augenscheinlich homophoben Barilla Chefs Guido verebbt der aktuelle Shitstorm, der durch das Internet gejagt wurde.

Doch die zentrale Frage besteht weiterhin: Ja, wirken sie nun oder nicht? Basierend auf meinen Erfahrungen, möchte ich folgende These aufstellen:

Shitstorms wirken immer.

Warum, möchte ich im Folgenden erklären.

Richten Shitstorms einen finanziellen Schaden an?

Die nahe liegende Frage – richten sie einen direkt messbaren finanziellen Schaden an? Können Umsatzrückgänge oder negative Börsenkurse beobachtet werden? Meine Erfahrung: In der Regel nicht.

Bei vielen der ganz großen Shitstorms wie z.B. Nestlé oder eben Barilla fehlt mir das Datenmaterial, um das bewerten zu können. Aus der Filter-Bubble heraus kann man da schnell ganz falsch liegen – siehe letzte Bundestagswahl.

Aber bei den kleinen bis mittelgroßen Shitstorms von Kunden, die ich als Freelancer oder bei Scholz & Friends betreuen durfte, konnte von signifikanten Umsatzeinbrüchen keine Rede sein.

Warum sie dennoch wirken.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. In Unternehmen sitzen nämlich Menschen. Und so kennzahlenfixiert sie auch sein mögen: Ein Shitstorm lässt keinen verantwortlichen Marketing-Manager kalt.

Online-Protestwellen schwappen immer auch hoch bis zum Chef. Das tut in den strengen Hierarchien, die größtenteils noch vorherrschen, richtig weh. Und sie schwappen in ein paar andere Abteilungen des Unternehmens. Und verursachen meistens einen bleibenden Eindruck. Dabei gilt: Je weniger professionalisiert die Erfolgsmessung, desto höher die Beeindruckbarkeit.

Klar, nicht alle Marketeers hüpfen beim ersten negativen Tweet hinters Sofa. Und bei Unternehmen, die kontinuierlich der Kritik ausgesetzt sind (z.B. bei Energie-Unternehmen), konnte ich beobachten, wie mit Kritik sehr routiniert umgegangen wird.

Und dennoch ist meine Beobachtung, dass Shitstorms bei der Mehrzahl der Unternehmen…

  • in großen Kreisen intern wahrgenommen werden
  • über einen längeren Zeitraum erinnert werden
  • das Handeln der Akteure im Unternehmen prägen

Ich habe schon beobachtet, wie in einem Kreativ-Meeting in Deutschland Erfahrungen eines (kleinen) Shitstorms einer anderen (kleinen) Abteilung des Unternehmens in einem anderen (kleinen) Land eine Rolle gespielt haben.

Das ist der wahre Impact von Shitstorms.

An dieser Stelle sei auch noch mal auf die Arbeit von Chris und die hoffentlich bald erscheinende Dissertation von Christian Salzborn, sowie den dazugehörigen Blog verwiesen. Das Thema Shitstorms ist gekommen, um zu bleiben. Mal schauen, was wir in drei Jahren darüber denken. Plus: Ich freue mich auf eure Meinungen dazu!

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Falk Ebert

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.