Navigation

Anwendung von Werbepsychologie in der Praxis

Christian Faller  7. August 2013  3 Kommentare  3 Minuten zu lesen  Werbepsychologie

Auf freundliche Anregung unseres Lesers Felix Seibold hin, möchte ich heute mal wieder ein paar Worte zum Thema Psychologie in der Werbung verlieren.

Da Felix auch Werbung und Marktkommunikation an der Hochschule der Medien studiert und daher Berührungspunkte mit dem Gebiet der Werbepsychologie hat, stellte er uns berechtigter Weise die Frage, ob uns unser Fachwissen nun nach dem Studium auch etwas bringen würde.

Ich sage es mal so: Kommt drauf an.

Mein beruflicher Alltag unterscheidet sich von dem Falks sicher sehr stark. Das hat mit vielen Faktoren zu tun:

  • Falk ist Teil eines Teams mit vielen Talenten unterschiedlichen Backgrounds (bei S&F), ich arbeite sehr eng mit meinem Geschäftspartner Kristof, der wie ich auch an der HdM gelernt hat und oft ähnlich denkt
  • Falk arbeitet meistens an sehr großen Projekten, ich eher mit kleinen bis mittelgroßen Unternehmen
  • Falk ist oft stark konzeptionell tätig, ich schiele immer mit einem Auge auch bereits auf die Umsetzung, da wir hinterher auch alles selber machen
  • Falk ist eher fachlich fokussiert, ich muss mich auch mit Angeboten, Verhandlungen und Finanzen beschäftigen

(Ich hoffe, das stimmt so alles, Falk)

Entsprechend kann ich nur MEINE Sicht der Dinge schildern.

Nach dem Studium an der HdM, wo ich Psychologie und Werbepsychologie belegt habe, sowie in Werbepsychologie in die mündliche Prüfung ging, habe ich mein Wissen in dem Bereich noch etwas erweitert. Ich habe einen Verhaltenspsychologiekurs von Dan Ariely belegt, sämtliche seiner Werke gelesen und ein paar andere sehr gute Bücher zum Thema angeschafft (zum Beispiel dieses). Das Thema Psychologie spielt in dem was ich jeden Tag tue eine große Rolle, auch wenn ich es oft nicht speziell an einer Sache festmachen kann.

Das fängt an beim User Interface Design von Websites, über das Abschätzen des richtigen und angemessenen Werbedrucks, bis hin zur Auswahl von passenden Testimonials für den bestimmten Zweck, und das Wording einer Werbeanzeige (z.B. künstliche Verknappung). Überall kommen wichtige Lektionen ins Spiel, die ich irgendwann einmal gelernt habe.

Häufig sind dies auch Dinge, die einem NICHT logisch erscheinen und deswegen von den meisten anderen Leuten auch nicht so gemacht werden. Wir machen zum Beispiel viel A/B Testing für unsere Kunden, um zu zeigen, dass Konsumenten oft überhaupt nicht so ticken wie man es vermuten würde.

Der Wert von Verhaltenspsychologie ist meiner Meinung nach immens. Selbst wenn im Job die Anwendung oft aufgebremst wird, weil jemand in Senior Position ein Bauchgefühl hat, wie die Kampagne besser wäre, profitiert man davon auch im Zwischenmenschlichen – ganz besonders im Geschäftsalltag. Rein subjektiv würde ich sagen, dass mir mein Wissen vor allem im Bereich Kundenkontakt nützt, wo es häufig um verkaufen und verhandeln geht.

Die Wertschätzung auf fachlicher Ebene für solche Fähigkeiten, halte ich leider jedoch für gering. Ich kenne keine spezielle Position in irgendeiner Agentur, die als Fokus Psychologie hätte oder in jedem Projekt einen Fachmann dafür einsetzen würde. Entsprechend würde ich es als Bonus für das sehen, was man ohnehin jeden Tag tut. Das was jeder macht, kann der erfahrene Werbepsychologe, der versteht wie der menschliche Geist arbeitet und was unsere Handlungen beeinflusst, unter sonst gleichen Bedingungen besser. Und das macht sich auf Dauer bezahlt.

Christian Faller

Christian Faller

Christian Faller ist Geschäftsführer bei deepr, einer Stuttgarter Werbeagentur und leitet den Digitalbereich bei Yaez. Wenn er nicht an digitalen Marketingstrategien feilt, verfolgt er sein Lebensziel, jedes Land der Welt zu bereisen. Er hat in Singapur, Frankreich, Amerika und Südafrika gelebt und gearbeitet.