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Social TV Megafail – deshalb greifen wir lieber zum Second Screen

Falk Ebert  14. Januar 2013  4 Kommentare  3 Minuten zu lesen  Internet und Social Web, Mobile

In seinem hervorragenden Artikel 9 1/2 Thesen zu SmartTV, SocialTV und dem ganzen Rest bringt Richard Gutjahr es auf den Punkt:

Wetten dass… SmartTVs alles andere als smart sind und dass die Zukunft des Fernsehens den dummen First- und den schlauen Second Screens gehört?

Internet, Apps, Check-Ins… was auch immer wir beim Fernsehen in Zukunft tun werden – wir werden es nicht am Fernseher tun. Sondern mit unseren Smartphones, Tablets oder Laptops.

Auch wenn die TV-Hersteller das nicht wahrhaben wollen. Und auch, wenn die Medienmacher von heute diese einfache Realität konzeptionell nicht wirklich verstanden haben.

Und warum ist das so? Auch deshalb, weil die „smarten“ Fernseher alles andere als smart bedienbar sind.

Ein kleines Quiz

Wie lange braucht ein digital native, um mit einem vertrauten Samsung-Fernseher eine Website aufzurufen und den ersten Artikel anzuklicken? Bei einem iPhone wären es 25 Sekunden.

Wenn ihr vier Minuten getippt habt, liegt ihr auf die Sekunde genau richtig. Und es lag nicht an der Testperson.

 

Das Protokoll des Experiments

  • Der Fernseher: Ein Samsung UE46D7090, 3D-LCD-Fernseher, vollgestopft mit smartGedöns, dazu bessere Fernbedienung. Nicht billig.
  • Der Mensch: 19 Jahre alt, kennt den Fernseher und die Remote schon, digital native. Sehr intelligent.
  • Die Aufgabe: gefahrgutblog.de ansurfen und den ersten Artikel anklicken.
    Die Zeit läuft.

0 Minuten 0 Sekunden:
Der Fernseher läuft schon, das Booten wollten wir fairerweise nicht mitrechnen.

0 Minuten 12 Sekunden:
Der Browser ist geöffnet. Beim ersten Mal sucht man sich den Bär, bis man auf der überladenen Fernbedienung und in den schlecht konzipierten Menüs das entsprechende Icon findet. Wollten wir fairerweise aber auch nicht mitrechnen.

0 Minuten 36 Sekunden:
„Wie komm ich noch mal in die URL-Leiste?“

1 Minute 07 Sekunden:
Der Cursor ist, wo er sein soll, die Onscreen-Tastatur ist offen.

1 Minute 21 Sekunden:
Es war unvermeidbar – ein Tippfehler. Die neue Subquest lautet: Finde die Backspace-Funktion!

1 Minute 30 Sekunden:
„Ups, voll verkackt.“ Das war NICHT die Backspace-Funktion.

2 Minuten 0 Sekunden:
Fehlt nur noch die TLD. Aber da…

2 Minuten 20 Sekunden:
„Oh. Alles wieder weg.“ Irgendwas falsches gedrückt.

2 Minuten 30 Sekunden:
„Das ist wie früher auf meinem Handy, nur ohne T9.“

3 Minuten 10 Sekunden:
Die URL steht fast in der Suchleiste. Auch ohne T9.

3 Minuten 43 Sekunden:
Auch das Bestätigen hat letztendlich geklappt. Der Gefahrgut Blog ist geladen. Klick auf den Artikel entpuppt sich als nicht so einfach.

4 Minuten 0 Sekunden:
Geschafft! Der Artikel ist aufgerufen.

Fazit

Genau deshalb benutzen wir beim Glotzen lieber unsere Smartphones. TV-Hersteller haben das selbe Problem wie viele andere Geräte-Hersteller. Von der Digitalisierung überrollt, keine Personen in Führungspositionen, die moderne Usability verstehen, keine fähigen Interface-Designer eingekauft.

Warten wir mal auf die Schachzüge von Google und Apple im Jahr 2013, was Fernsehen im Digitalzeitalter angeht!

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Falk Ebert

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.