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Die wichtigsten Insights aus dem Erfolg von Spotify

Falk Ebert  5. November 2012  8 Kommentare  3 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

Das Logo von Spotify Mit über 20 Millionen Benutzern ist Spotify derzeit der digitale Liebling für Musik-Liebhaber. Im Vergleich zu älteren (teilweise gescheiterten) Diensten sind Wachstum und Premium-Abos nicht unbedingt das „next big thing“. Und dennoch glaube ich, dass Spotify sich langfristig zu einem wichtigen Ökosystem für digitale Musik entwickeln kann. Auch dank der sehr guten Facebook-Integration und den 3rd-party-Apps. Und was lernen wir daraus?

1. Piraterie muss von zwei Seiten angegangen werden

Es gibt zwei Seiten der Betrachtung des Themas „illegale Downloads“.

  1. illegale Downloads sind billiger
  2. illegale Downloads sind oft einfacher, problemfreier und besser

Die Content-Industrie sieht oft nur Punkt eins und bekämpft das Problem mit Millionen-Klagen und wahnsinnigem Lobbying. Und die User saugen trotzdem weiter. Auch, weil legal oft einfach nur nervig ist. Hier das beste Beispiel. Spotify ist wie z.B. iTunes eines von diesen Ökosystemen, die legalen Mediengenuss fast so einfach und bequem wie Piraterie machen.

2. Kostenloskultur my ass

Und plötzlich zahlen die Leute. Mensch, wo ist denn da die viel beschworene Kostenloskultur? Der Begriff ist ein Propaganda-Tool der Konzerne, die es nicht geschafft haben, ihr Geschäftsmodell an das 21. Jahrhundert anzupassen. Ein Schlag ins Gesicht für alle, die täglich Filme, eBooks, mobile Apps und Premium-Services von Webapps kaufen.

3. Kulturflatrates müssen nicht aus der Politik kommen

Schauen wir uns Spotify mal genauer an:

  • fast jeder Song kompromisslos verfügbar
  • P2P-Lösung zur Reduktion der Datenlast
  • zentrale Erfassung aller Streams
  • Ausschüttung proportional zu den Streams

Spotify ist nichts anderes als eine Privatisierung des schon vor Jahren diskutierten Konzeptes der Kulturflatrate: Wir legalisieren den Konsum und verteilen einen Pauschalbetrag nach einem fairen, linearen System. Nur, während die Politik auch nach Jahren noch nach Lösungen sucht, entstehen die ersten, kleinen Kultur-Flatrates am freien Markt. Natürlich nicht in Deutschland.

4. „Access“ ist ein Millionenmarkt

Der Trend ist klar und umfangreich beschrieben: Besitz wird weniger sexy, Zugang dagegen immer interessanter. Autos teilen wir mit flinkster und flinc, Wohnungen mit airb2b und 9flats. Und zu Musik holen wir uns den Zugang eben über Dienste wie Spotify oder iTunes match. Um Kommunismus 2.0 geht es dabei nur bedingt – auch hier lässt sich Geld verdienen. Nur eben anders.

5. Freemium ist ein starker Treiber

Und was neben der Facebook-Integration die zweite große Stärke von Spotify ist: Ein sehr gutes, dreistufiges Freemium-System. Ist Spotify am Anfang noch das kaum von Werbung gestörte Darufloshör-Erlebnis, wird der User nach und nach zum Bezahl-Abo geführt. Die Psychologie gibt der Freemium-Strategie auf vielerlei Weise Recht: Laut dem Endowment-Effekt schätzen wir den Wert von Dingen höher ein, wenn wir sie besitzen. Wie das Premium-Abo während der 30-Tage-Testphase.  Und Verlust schmerzt überproportional. Mit der sechsmonatigen Schonfrist für neue Hörer spielt der Dienst also klar auf Zeit. Ich bin sicher, Spotify wird damit noch weit kommen.
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Falk Ebert

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.