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Arbeiten unterwegs als Dauerzustand

Christian Faller  3. Oktober 2012  3 Kommentare  3 Minuten zu lesen  Interna, Mobile

Alle meine Freunde und Bekannten fluchen, wenn sie im ICE von München nach Frankfurt mal wieder keinen Internetempfang kriegen. Oder wenn die Verbindung in der Uni schlecht ist. Oder Skype ab und an stockt. Verständlich? Und ob! Auch ich fluche in diesen Fällen. Und auch wenn hier viele Leute der älteren Schule nichteinmal bemerken, dass es ein Problem gibt, geht unserer Generation nahezu die Düse.

„Always-On“ bedeutet dabei nicht nur nette Spielereien während der Bahnfahrt, sondern wertvolle Arbeitszeit, die ansonsten verloren wäre. Gerade für Freiberufler wie mich ist das bares Geld. Nutzlos irgendwo aus dem Fenster zu schauen ist für mich nämlich weder abschalten, noch sinnvoll die Zeit genutzt. Leider.

Und das solche Situationen immer seltener vorkommen, habe ich mich anpassen müssen. Mit Erfolg.

Denn die Menge an Arbeit, die ich in den letzten vier Wochen während meiner Reise über Miami, Mexiko, Kuba, New York, Island und München jongliert habe, hat mich für alle Situationen und Eventualitäten Deutschlands abgehärtet: Kleine Kinder am Pool in Mexiko während ich den wichtigen Screencast aufnehme. Internet Rubbelkarten zu astronomischen Preisen in Havanna. Überfüllte Coffee-Shops in Reykjavik. Ich hatte die ganze Palette.

Und siehe da: Der Mensch passt sich an. Nach all den Strapazen habe ich inzwischen ein dickes Fell. Emails werden immer lokal gespeichert wenn ich unterwegs bin (also bereits im Vorfeld). Screenshots wichtiger Projekte lassen mich auch offline mehr oder weniger effektiv arbeiten. „Sichere“ Internetzeit wird wertvoll genutzt und nicht auf Facebook verbracht.

Der Luxus Internet war mir bis dato nie so recht bewusst. Denn genau dann abgeschnitten zu sein, wenn man so dringend zugreifen müsste, ist ein wirklich unangenehmes Gefühl.

Paradoxer Weise war ich NIEMALS zuvor so produktiv wie während meiner Reise durch Kuba. 8€ für eine Stunde Internet per Rubbelkarte in einer Hotellobby, in der man eigentlich nichtmal sitzen dürfte, war ein Zustand unter dem jede Sekunde genutzt wurde: Einloggen, Emails abrufen, Ausloggen, Emails schreiben, Einloggen, Absenden. Und wieder von vorne.

Im Endeffekt habe ich zwar wesentlich weniger Arbeit fertig gebracht – vielleicht 30% von dem was ich normal machen würde. Dafür habe ich aber maximal 10% der Zeit gearbeitet. Eine gute Quote, die für den Moment den Zweck erfüllt hat.

Ich hoffe, dass ich diese Disziplin nun auch im normalen Alltag in Deutschland beibehalten kann.

Ich zweifle leider stark.

Christian Faller

Christian Faller ist Geschäftsführer bei deepr, einer Stuttgarter Werbeagentur und leitet den Digitalbereich bei Yaez. Wenn er nicht an digitalen Marketingstrategien feilt, verfolgt er sein Lebensziel, jedes Land der Welt zu bereisen. Er hat in Singapur, Frankreich, Amerika und Südafrika gelebt und gearbeitet.