Navigation

Wie man Jugendliche vom Komasaufen abhält… oder das Gegenteil erreicht.

Falk Ebert  20. August 2012  2 Kommentare  2 Minuten zu lesen  Werbung mit und im Internet

Krasser kann man an der Zielgruppe kaum vorbei schießen, als diese Motive:

stay gold – Kampagne mit Bierdeckeln

Eine Anti-Alk-Kampagne mit Bierdeckeln als key visuals. Damit wollte die Polizeiliche Kriminalprävention Kindern und Jugendlichen beibringen, dass Komasaufen böse ist. Das Problem: Die Motive (auch auf Plakaten verwendet) dürfte die Zielgruppe gar nicht verstehen. Striche auf Bierdeckeln kennt die Ü40-Generation aus ihrer Stammkneipe. Jugendliche Komasäufer hauen sich mit einer Flasche Vodka am Bahnhof weg.

Ganz im Ernst – bei der Zielgruppe dürfte nicht mal das Taschengeld reichen, um komatöse Zustände mit Bier in einer Kneipe zu erreichen.

Das hier zum Fenster rausgeworfene Geld ist schade. Manchmal ist es aber auch wirklich gefährlich, was passiert, wenn keiner die Kampagnen psychologisch durchdenkt:

kenn dein limit – Er stellt sie später nackt ins Netz

Ich bin mir sicher, die Plakate oder Spots der BZgA-Kampagne habt ihr auch schon mal irgendwo gesehen.

Sie lässt heute noch alle Hemmungen fallen, … er stellt sie später nackt ins Netz.

Hallo?? Geht’s noch? Für die Generation Porno ist das keine Warnung, das ist eine Einladung! Klarer Reason Why, wie wir Werber sagen würden!

Persuasive Kommunikation ist bei Jugendlichen extrem schwer. Fragt mal Eltern von Teenies! Und es gibt dennoch ein paar Kampagnen, denen ich es zutraue, etwas zu bewegen.

Sehr gut durchdacht sind zum Beispiel die Nightlife Confessions. Kein erhobener Zeigefinger, keine durchschaubare Angstmache, keine Bierdeckel. Einfach nur Menschen (Promis und Non-Promis), die über Alkohol reden. In authentischer Atmosphäre, mitten in der Nacht, direkt vor Clubs in europäischen Großstädten. Und die Meinungen über Alkohol sind vielschichtig. Nur bei einem sind sich alle einig: SO GEIL ist es nicht, besoffen zu sein.

nightlife confessions Video

Und nebenbei sei bitte auch noch dieser Case hier erwähnt: SipItUp. Es geht zwar nicht um Alkohol, sondern um DXM (Hustenmittel-Missbrauch), aber die Kampagne könnte genauso gut gegen Alkohol sein.

Screenshot von SipItUp

In klassischer connect-with-facebook-Manier wird hier à la Museum of Me ein mit eigenen Daten personalisiertes Video gezeigt. Die Hauptrolle spielt der User, der nach einem ziemlich heftigen Rausch aufwacht. Dabei ist es extrem eindrucksvoll, wie Anhand der Facebook-Freunde die Folgen und Reaktionen einer solchen Nacht greifbar gemacht werden. Geht wirklich unter die Haut, probiert es mal aus.

Und was die Jugendlichen und das Komasaufen angeht: Seien wir ein gutes Vorbild. Geben wir den Kids Ziele im Leben. Dann können wir uns Bierdeckel-Kampagnen in Zukunft sparen.

__

Falk Ebert

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.