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Warum Chris Recht hat und ich Pinterest dennoch für sinnvoll halte.

Falk Ebert  29. März 2012  10 Kommentare  4 Minuten zu lesen  Internet und Social Web, Werbung mit und im Internet

Eine Anleitung zum Falten von Wasserbomben – ein kapitalistisches Manifest?

Ich hatte Chris vorgewarnt… Auf den Artikel von gestern muss ich eine Antwort schreiben. Den grundsätzlichen Gedanken finde ich clever, Pinterest finde ich aber trotzdem geil.

Wer braucht überhaupt Pinterest?

Warum? Zunächst mal will ich was zur Legitimation von Pinterest sagen. Pinterest ist so erfolgreich, weil es drei Dinge anders oder besser macht.

  1. Asymmetrisches Folgen auf Ebene von Kategorien.
  2. Schnelleres Sharing als andere Netzwerke.
  3. Fokus auf Bilder.

Die Kombination ergibt tatsächlich eine aus meiner Sicht sinnvolle Ergänzung der Social Media Landschaft.

der Gipfel der Sinnlosigkeit der Social Media Blase

Sorry, der ist schon für Amen reserviert.

Konkret geantwortet.

Um noch konkreter auf die Kritik des Artikels von gestern einzugehen:

Das Problem hier scheint, dass wenn ich einem User folge der DIY cool findet, dann unterscheidet Pinterest keine Unterkategorien mehr und präsentiert mir sämtliche Hausfrauen Lösungen die man selber bauen kann.

Deshalb mache ich es so: Usern folge ich nur komplett, wenn ich sie in RL kenne und an ihnen als Person interessiert bin. Bei anderen folge ich nur einzelnen Boards und entfolge sofort jedes Board, das mich nervt. Das kann ich bei Twitter nicht und auch bei Facebook nicht wirklich. Selbst Google Plus ist nur beim Sharing selektiv, nicht beim Folgen.

Ganz wichtiger Tipp für den Einstieg: Entfolgt erst mal allen Pinnern, die euch die Plattform für den Anfang vorschlägt. Sonst nervt die Startseite wirklich.

Hier kommen gefühlte 99% der Pins von 1% der User.

Das Problem hatte Twitter in den frühen Jahren auch. Ergibt sich aber mit zunehmender Nutzung.

Auf meinem Stream beobachte ich das Phänomen, dass Posts von Leuten immer im Block auftauchen. Das heißt Leute gehen auf Pinterest und pumpen innerhalb von zehn Minuten 20 Pins heraus. Hauptsache man ist aktiv.

Ja, diese Wolken von Usern gibt es wirklich. Aber das ist aus meiner Sicht kein „hauptsache man ist aktiv“. Es macht einfach Spaß, ein wenig durch die Startseiten-Kategorien und die Pins der Freunde zu scrollen und sich seine Fundstücke rauszupicken.

Fundstücke? Sind das wirklich nur Produkte?

Wenn ich einen Werbekatalog mit Frauenprodukten sehen will, dann bestelle ich mir den per Post. Danke vielmals, Pinterest.

Ich habe mal nachgezählt. Auf meiner Startseite waren unter 50 Pins genau drei Produkte. Eines davon habe ich gepinnt, die anderen zwei waren Tech-Goodies.

Ein paar Beispiele, was außer Produkten so gepinnt wird (Boards):

Infografiken Fachbücher Zeitschriftencover Hundecontent UI-Elemente Sprüche Investoren Kunst Weltraumbilder Soulmusik Pferde …und ganz viel Design.

Klar, jetzt kann man sagen: „Aber die Masse der Pinner pinnt L’Oréal statt Loriot“. Aber kritisiere ich das Telefon, weil 99% der Telefonate zwischenmenschliches Blabla sind? Nö. Doch jetzt wird es spannend.

Ist Pinterest das Manifest des Materialismus?

Angesichts der Tatsache, dass Pinterest nicht technisch-spezifisch darauf ausgelegt ist, dass dort Waren und Dienstleistungen gepinnt werden, würde ich sagen: Nein. Denn ich kann dort auch nur Adbusting, Philosophen und klassische Musik pinnen. Und so nicht materialistische Götzen, sondern idealistische Werte zum Ausdruck bringen.

Etwas anderes ist der Fall: Pinterest manifestiert (= zum Ausdruck bringen) den Materialismus (teilweise).

Die Soziologie sagt uns, dass wir Soziale Netzwerke unter Anderem nutzen, um uns auszudrücken. Wenn nun so viele Menschen Konsumgüter benutzen, um sich auszudrücken, dann sagt uns das in der Tat etwas über unsere Gesellschaft. Und das zeigt Pinterest auf.

Besonders interessant ist der Gedanke von Chris auf Grund der Tatsache, dass Pinterest tatsächlich das Visuelle in den Vordergrund stellt. Das scheint den Nutzern zu reichen, da so gut wie nie  zusätzliche Informationen beigefügt werden. Inzwischen wird schon die „Ware Frau“ gepinnt. Deutlicher geht es nicht mehr.

Wer sich hier tiefer reinlesen möchte, sollte sich unbedingt das Buch Kritik der Warenästhetik besorgen. Im Blickwinkel der Theorie von Wolfgang Haug ist das alles noch interessanter.

Wer sich nicht deutlicher reinlesen will, darf sich Pinterest aber trotzdem mal anschauen. Tausche Invite gegen Email-Adresse in den Kommentaren. Eure Meinung zur Diskussion ist auch gerne in den Kommentaren gesehen.

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Falk Ebert

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.