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Die Auswirkungen von Social Media Shitstorms. Hype oder Härte?

Christian Faller  14. März 2012  13 Kommentare  5 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

Was denken wir eigentlich über den E Wie Einfach Shitstorm, der in der letzten Woche auf Facebook wütete, fragte uns Sebastian Gröhl auf Twitter. Kurz als Referenz, es geht um das hier:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Za97fXI9eiM&w=560&h=315]

Um eines schon vorweg zu nehmen hier meine Meinung: Ich finde den Spot cool, lustig und gleichzeitig gewagt. Aber nicht zu gewagt. Für die deutsche Gesellschaft aber vielleicht doch…

Ich möchte aber an dieser Stelle gar nicht in eine Erläuterung meiner Meinung einsteigen (wer mehr zum Thema Political Correctness lesen will: Hier). Und ich möchte auch keinen Appell an die BürgerInnen richten, sich den riesigen Stock endlich mal aus dem Hintern zu ziehen. Wenn ich das machen würde, würde ich nämlich beim Bildungssystem anfangen, bei der Innenpolitik weitermachen und mit der Werbung erst dann anfangen.

Nein, vielmehr beschäftigt mich die Frage: So what?

Hunderte von Leuten regen sich bei Facebook darüber auf, dass Dirk Nowitzki eine Scheibe Wurst in der Werbung isst. Ob das lächerlich ist will ich ebenfalls nicht bewerten (meine ganz persönliche Meinung als Vegetarier: Ja). Aber wen juckt das eigentlich? Glücklicherweise habe ich mich in den letzten Monaten im Zuge meiner Bachelorthesis sehr genau mit extakt dieser Frage beschäftigt. Mit überraschenden Ergebnissen.

Was ich bei meiner Recherche genau herausgefunden habe, lasse ich im Moment allerdings noch nicht ganz aus dem Sack. Da ist noch eine größere Geschichte für unsere Leser geplant.

Aber eines kann ich in diesem Zusammenhang schon ruhigen Gewissens sagen: Die Anzahl an Shitstorms ist gestiegen, die Tragweite davon vermeintlich auch, aber haben die Social Media Krisen jemals eine handfeste Konsequenz nach sich gezogen? Man weiß es nicht.

Mangel an Daten

Es ist wahnsinnig schwer, Daten zu finden, die beweisen, dass Shitstorms finanzielle Folgen für die betroffenen Unternehmen nach sich ziehen. Vor allem liegt das daran, dass diese natürlich nicht mit solch heiklen Daten rausrücken. Ganz subjektiv aber mal abgeschätzt: Essen Leute heute weniger KitKat? Waschen weniger Leute Pril? Oder kann sich noch irgendjemand, der nicht direkt am Shitstorm beteiligt war, in drei Wochen erinnern, dass Nowitziki in der Metzgerei für DiBa geworben hat?

Meine Eindruck: Nope.

Inkonsequentes Verhalten

Es gibt sicherlich viele, die im Eifer des Gefechts wirklich böse sind und wirklich die Absicht haben, kein KitKat mehr zu essen, weil da ja Gorilla Blut dran klebt. Aber wer ändert denn wirklich seine Gewohnheiten aus solch einem Grund? Versteht mich nicht falsch, ich würde es lieben wenn es so wäre. ABER ES IST NICHT SO!

Wir ändern ja nicht einmal unsere Gewohnheiten wenn wir wissen, dass durch unseren verschwenderischen Umgang mit natürlichen Ressourcen unser Planet vor die Hunde geht. Noch nicht einmal dann, wenn wir wissen, dass sämtliche schwersten Krankheitswellen der vergangenen 20 Jahre durch Massentierhaltung entstanden sind. Was also sollen Unternehmen von einem 1.000 Leute Aufstand auf Facebook befürchten?

Netflix: Ein echter Shitstorm

Dass es wirklich fatale Krisen gibt, die online entstehen können, steht dabei außer Frage. Das große Problem ist nur immer zu messen, ob eine direkte Folge aus dem Shitstorm hervorgeht oder nicht. Nur seeeehr selten ist das bislang bewiesen worden. (Falls ich mich täusche: Bitte sendet mir Quellen!)

Schauen wir uns als Beispiel den Netflix Shitstorm (siehe hier auf Platz 1) an. Meiner Meinung nach eines des einzigen Beispiele überhaupt, für eine Shitstorm der tatsächlich richtig böse weh tat. Gleichzeitig auch ein Indikator dafür, dass es viele Variablen gibt, die teilweise absolut unaussagekräftig sind.

Schauen wir uns drei Faktoren an, die wir offen messen können, zum Zeitpunkt des Shitstorms:

1) Twitter Mentions

Anzahl an Tweets über Netflix (Shitstorm klar erkenntlich am Ausschlag)

Man braucht kein Social Media Guru zu sein, um zu erkennen, dass hier eine Abweichung vom Mittel zu sehen ist. Im Zeitraum des Shitstorms ging es auf Twitter richtig ab. Und für Netflix gab es wenig zu lachen.

2) Website Traffic

Website Traffic auf der Netflix Seite - kein besonderer Ausschlag

Wider Erwarten kann man am Website Traffic im September 2011 leider gar nicht viel erkennen. Eigentlich hätte ich hier ebenfalls eine Ausschlag erwartet. Falsch gedacht.

3) Google Suchanfragen

Google Suchanfragen: Ebenfalls kein Ausschlag

Und auch bei den Google Suchanfragen, wo ich persönlich einen Peak erwartet hätte, nichts. Sogar ein relatives Tief. (siehe D)

Was soll uns dieses Beispiel zeigen?

Das Netflix Beispiel zeigt, dass ein phänomenaler Shitstorm mit öffentlich zugänglichen Zahlen nur schwer messbar ist. Einzig Twitter gibt uns hier einen richtigen Aufschluss. „War ja eigentlich gar nicht so schlimm, offenbar“ könnte man jetzt meinen.

Nunja, schauen wir uns mal den Aktienkurs von Netflix an. Beachtet wie immer das Datum!

Netflix' massiver Einbruch an der Börse

Oops.

Was man aber ebenfalls sagen muss, ist dass Netflix kein rein kommunikativer Shitstorm war, sondern das Produkt ja tatsächlich verändert wurde und auch die Preise umgeworfen wurden. Was also wie stark für den Einbruch verantwortlich ist, können wir auch hier wieder nicht wissen.

Ich hoffe ihr seht nun mein Problem. Es ist SO UNGLAUBLICH HART eine akkurate Aussage über Social Media Krisen zu machen. Und um den Bogen zum Anfang wieder zu spannen, bedeutet das: „Es gibt eine Social Media Krise. So what?“

Ich fordere euch nochmal heraus: Wer kann mir mehr als drei Shitstorms nennen, die bewiesener Maßen durch Social Media einen Impact auf das betroffene Unternehmen hatten. Das heisst: Es muss bewiesen sein, dass dieselbe Konsequenz nicht auch ohnehin, unabhängig von dem was in unserem Twitter Sandkasten vor sich ging, passiert wäre.

Christian Faller

Christian Faller

Christian Faller ist Geschäftsführer bei deepr, einer Stuttgarter Werbeagentur und leitet den Digitalbereich bei Yaez. Wenn er nicht an digitalen Marketingstrategien feilt, verfolgt er sein Lebensziel, jedes Land der Welt zu bereisen. Er hat in Singapur, Frankreich, Amerika und Südafrika gelebt und gearbeitet.