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Wunderkit vs. Do: Welche To-Do App ist besser?

Christian Faller  25. Januar 2012  21 Kommentare  7 Minuten zu lesen  Über-Tools

Seit wenigen Tagen ist die Private Beta von Wunderkit geöffnet. Jeder Tech-Geek, der die Hände an einen Invite bekommen konnte, war natürlich sofort mit am Start. So auch ich. Das Schlimme ist: Eigentlich bin ich mit meinem aktuellen Tool ganz zufrieden. Aber man hofft eben doch immer noch auf mehr. Meine beiden Freunde Fabian und Stefan, die zusammen den Tuning Blog veight.de auf die Beine gestellt haben, haben die beiden To-Do-Tools Wunderkit und Do deshalb einem Kollaborationstest an einem echten Projekt unterzogen. Dabei sind beide zu gemischten Ergebnissen gekommen, die sie in diesem Gastartikel präsentieren.

Ist Wunderkit eine brauchbare To-Do Alternative?

Fabian, du hast das Wort…

Für gewöhnlich ist der Workflow von Stefan und mir recht harmonisch und bedarf keiner großen Organisation. Doch da die ToDo-Werkzeuge in den letzten Wochen nur so aus dem Boden schießen, haben wir in den vergangenen Tagen zwei davon ausprobiert, um zu testen, ob für uns noch ein PLUS an Produktivität heraus zu holen ist. Dazu bot uns Chris auch direkt an, hier einen Gastartikel über unsere Erfahrungen zu verfassen.

Stefan über Wunderkit

Aufmerksam auf Wunderkit wurde ich über Twitter. Ich glaube das Hashtag #wunderkit war vor zwei Tagen sicherlich unter den Top 10 bei dem Kurznachrichtendienst. Die Aufmachung der Landingpage war ansprechend, schlicht aber stilvoll. Prompt trug ich auch meine Mailadresse ein, um an der Closed Beta teilzunehmen, die mittlerweile eigentlich schon ziemlich “open” ist.

Was direkt begeistert, ist das erstklassige Design. Hier hat mit Sicherheit Mac OS als Vorlage hergehalten. Kein Button zu viel wurde angebracht und damit mächtig Arbeitsfläche geschaffen. Und da sind wir auch schon beim ersten Problem: Mit welchen Aufgaben soll ich den ganzen Bildschirm füllen? Okay klar, es gibt auch noch Notizen (Notes), aber selbst damit kann ich 1) nicht den Bildschirm füllen und 2) öffnen sich die Notes quasi in einem neuen Tab, lassen also die Tasks verschwinden. Die Entwickler haben sich da aber was tolles ausgedacht, und das nennt sich Dashboard – zu deutsch: Amaturenbrett oder Instrumententafel. Solch eine Übersicht ist wirklich praktisch, wenn man sie denn in die richtigen Hände legt…

Die Entwickler haben leider wohl nicht allzu viel Zeit an der Konzeptionierung des wohl wichtigsten Features verloren: Dem Dashboard. Dieses zeigt nämlich alles an. Die nackte Wahrheit, sei es das Kommentieren einer Notiz, die Priorisierung einer Aufgabe via Stern-Symbol (wirklich eine richtig smarte Funktion, die es bei Do leider nicht gibt) oder eben die Erledigung einiger Ziele. Klingt doch fantastisch, oder? Ja, das wäre es auch, könnte man das Dashboard wieder bereinigen oder durch Filter anpassen – diese Funktion wurde aber außen vor gelassen. Ich will aber gar nicht über jedes noch so kleinste Detail informiert werden. Leider existieren auch keine Benachrichtigungen über hochgeladene Dateien zu einem Projekt, aus dem einfachen Grund weil es diese durchaus sinnvolle und für viele Benutzer ausschlaggebende Funktion nicht gibt.

Kommen wir zur Ergonomie und zur Usability von Wunderkit. Hier scheiden sich die Geister. Manche finden die große Arbeitsfläche toll, manche finden die wirklich wichtigen Buttons viel zu klein. Ich gehöre wohl zu den Letzteren. Die Schaltflächen liegen mir viel zu weit auseinander. Die Anordnung dieser ist mir z. T. genauso fragwürdig: Ich habe ganze 36h gebraucht, bis ich das kleine Mülleimer-Icon unten rechts gefunden habe, welches Aufgaben und Notes nach dem Selektieren löscht. Ärgerlich ist auch, dass der Kalender völlig falsche Tage zu den Daten anzeigt und sich Aufgaben im Nachhinein nicht mehr editieren lassen. Man muss diese mühselig löschen und neu anlegen. Auch das grafisch schön anzuschauende Interface hat nach einigen Minuten Nutzung seine Macken. So ist es tierisch anstrengend, bei jedem Task auf die kleinen weißen “Wolken” zu klicken um sich so seinen Weg z. B. in die Kommentare zu bahnen. Gleiches gilt für das Dashboard.

Aufgaben können hingegen speziellen Usern zugeteilt werden oder ebenso in bestimmten Intervallen wiederholend angelegt werden. Dafür gibt’s außnahmsweise Pluspunkte!

In Wunderkit haben die User zudem Profile, in dem ein eigenes Profilbild, Name und eine kurze Beschreibung hochgeladen werden kann. Hier will man den Spagat zum sozialen Netzwerk schaffen und diesen als Teil integrieren. Die einzelnen Projektseiten sind unter bestimmten Namen aufrufbar (www.wunderkit.com/NAME) und können dabei als “Public- bzw. Closed Profile” angelegt werden. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Profilen ist die Aktivierung der Möglichkeit, dass User auf dem Dashboard – sozusagen die Pinwand des Projekts – offen posten und kommunizieren können. Dies soll die Kommunikation von Start-Ups und Entwicklern nach außen hin fördern und die Wünsche und Ideen der Benutzer einfacher mit ins Spiel bringen. Mir persönlich gefällt die Twitter-Kopie und auch die daraus folgende Organisation überhaupt nicht. Der Erfolg bleibt dabei abzuwarten.


Angemerkt sei hier, dass es sich wirklich noch um eine frühe Beta handelt, die Entwickler also hoffentlich den Spielraum nach oben zu nutzen wissen, damit Fehlermeldungen wie “Oops, es ist ein Fehler aufgetreten.” oder “Falsche Verlinkung.” (was wohl auf der langsamen Synchronisation der Server beruht) sowie die Mankos in der Usability geglättet werden.

Fabian über Do

Als wir Wunderkit bereits ein oder zwei Tage in Benutzung hatten, lief uns Do mehr oder weniger über den Weg. Schon alleine das Promo-Video hatte mich in der Tasche. Meine Entscheidung war klar: Do ist das ToDo-Werkzeug, mit dem wir von nun an arbeiten. Allerdings verflog der Enthusiasmus genauso schnell, wie er gekommen war. Die App schien vielversprechend, blieb aber weit, weit hinter den Erwartungen zurück. So wunderbar praktisch, wie im Video gezeigt, ist die App lange nicht, eher kompliziert und wenig sinnvoll. Die versprochenen Notifications funktionieren nicht, und der eine oder andere Absturz muss auch schon mal in Kauf genommen werden.

Do an sich funktioniert aber in erster Linie und hat keinen Beta-Status mehr. Optisch ist es dafür nicht ganz so nett anzusehen. Ich will jetzt nicht sagen hässlich, aber da hätte man noch ein paar Stunden mit dem Designer reinstecken können. Was Do aber ganz klar besser macht, ist dem Neuling klar zu machen, um was es hier geht – und das verständlich. Meine ersten Schritte in Wunderkit kann man gut mit einem tapsigen Baby vergleichen, in Do hingegen lief das Laufen ohne größere Hilfestellung ab.

Zudem ist Do deutlich besser organisiert und man kann die “Tasks” nicht nur in den einzelnen Teams aufteilen, sondern auch diese gruppieren, was bei besonders vielen Aufgaben sicher hilfreich ist. Allerdings ist Do mehr ein ToDo-Werkzeug für solche Leute die gerne deligieren und weniger gern selber mit anpacken, denn Aufgaben können nie von mehreren Personen ausgeführt werden, sondern immer nur von einer. Zwar können mehrere Personen an der Diskussion zu diesem Task teilnehmen, genauso wie “Attachments” (Dokumente, Bilder, etc) an den Task anhängen und werden dabei über jegliche Fortschritte unterrichtet, doch ein offizieller Helfer ist man dadurch noch nicht. Zudem fehlt eine für Stefan ganz wichtige Funktion: Tasks wiederholen! Sprich jede Aufgabe muss, wenn sie denn regelmäßig stattfindet, auch jedes Mal von neuem angelegt werden.

Fazit

Beide ToDo-Werkzeuge sind nicht wirklich ausgereift. Sie würden sich zwar prima ergänzen, doch eine Zusammenarbeit der beiden Unternehmen ist wohl auszuschließen. Müsste ich mich zwischen einem der beiden entscheiden, würde die Wahl, trotz grafisch nicht so brillianter Aufbereitung, auf Do fallen. Doch um ganz ehrlich zu sein kommt keines der beiden gegen den Klassiker – den Papier-Notizettel – an und es gibt doch nichts schöneres, als eine erledigte Aufgabe zusammenzuknüllen und gen Papierkorb zu werfen. Treffer! Versenkt!

Dieser Beitrag ist ein Gastartikel von Stefan Maaß und Fabian Meßner, den beiden Köpfen hinter dem Tuning Blog veight.de. Falls Autos und Motoren euer Herz höher schlagen lassen, wird ihr Content nach eurem Geschmack sein.

Christian Faller

Christian Faller

Christian Faller ist Geschäftsführer bei deepr, einer Stuttgarter Werbeagentur und leitet den Digitalbereich bei Yaez. Wenn er nicht an digitalen Marketingstrategien feilt, verfolgt er sein Lebensziel, jedes Land der Welt zu bereisen. Er hat in Singapur, Frankreich, Amerika und Südafrika gelebt und gearbeitet.