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Was ich mir für 2012 wünsche

Falk Ebert  19. Dezember 2011  9 Kommentare  5 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

 

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und wohin man nur sieht: Jahresrückblicke und Prognosen für das kommende Jahr. Weil wir von Gefahrgut Blog selten zurückblicken und Progonosen in der Regel langweilig oder falsch sind, gibt es von mir etwas anderes: Meine Hoffnungen für das Jahr 2012. Denn im Endeffekt ist es doch so: Ob Utopie oder Dystopie – es liegt an uns!

Ich wünsche mir…

1. deutlich weniger Papier

Nicht wenige der größten persönlichen Aufreger in meinem Jahr 2011 hatten mit Formularen auf gedrucktem Papier zu tun. Es nervt so langsam.

Beispielsweise die Wasserwerke, die mir eine meiner zwei per Mail gestellten Fragen in einem Brief beantworten. Oder der Papierkrieg, den meine Freundin und ich mit den Hamburger Behörden beim Umzug hatten. I have a dream – meine Krankenkasse zu wechseln ohne eine einzige Briefmarke lecken zu müssen.

Darf ich auf den E-Postbrief und die De-Mail hoffen?

Die Digitalisierung von Papier und papierbasierten Prozessen kann nicht nur Zeit und Geld sparen, sie eröffnet völlig  neue Möglichkeiten. Schon mal versucht, in einem gedruckten Buch eine Volltextsuche durchzuführen?

2. mehr Dinge im Internet der Dinge

Achtung, scharfe Wende. Eben habe ich Papier noch verflucht, jetzt präsentiere ich… einen Drucker! Der Little Printer kommt 2012 und läutet vielleicht eine ganz neue Art von Geräten ein. Geräte, die das sowieso in jedem Haushalt vorhandene WLAN nutzen, um auf sinnvolle Art und Weise mit Tablets, Smartphones und PCs zu kommunizieren. Und miteinander.

Den Fun-Gadgets werden hoffentlich bald die Waschmaschine, der Kühlschrank und andere Haushaltsgeräte folgen. Die Möglichkeiten wären fantastisch. Besonders dann, wenn nach und nach Schnittstellen zur funktionalen Verbindung der Geräte folgen.

Vorgeschmack: Ich schließe mein digitales Türschloss. Woraufhin die Waschmaschine zu Schleudern anfängt, der HiFi-Schrank den Standby-Stecker zieht, mein Kindle sich synchronisiert und die Heizung sich abschaltet, bis mein Smartphone meldet, dass ich mich wieder der Wohnung nähere.

3. flexiblere Verfügbarkeiten

Das Internet verspricht Echtzeit, wir sind jedoch zum größten Teil noch auf lineare Vorausplanung eingestellt.

Ein Beispiel: Warum Mitfahrgelegenheiten nur für lange Strecken nutzen, die oft Tage im Voraus geplant werden müssen? Unsere Straßen sind voll mit Fünfsitzern, die von einzelnen Personen gefahren werden. Die Jungs von flinc arbeiten daran, dass ich mit meinem Smartphone melden kann: „Hey, ich möchte jetzt mitgenommen werden.“

Dieses jetzt-Prinzip lässt sich auf so viele Dinge übertragen. Vor allem im Bereich der Dienstleistungen sehe ich Potential. Wo kann ich 2012 innerhalb von Minuten einen Übersetzer, einen Webdesigner oder einen Mobile Developer finden, der mir für ein paar Stunden helfen kann, weil er gerade jetzt Zeit hat hat?

4. mehr deutschsprachige Memes

Joa. Seheichmichgezwungen war lustig. Und auch das eine oder andere Twitter-Hashtag hat Spaß gemacht. Aber solange wir like a boss noch nicht von forever alone unterscheiden können, stehen wir in Sachen Humor-Kreativität noch hinter Amerika zurück. Warum gibt es so wenige deutsche Memes?

Mehr Scumbag Merkel, bitte!

5. haptischeres Entertainment

Seit Pong wird die Grafik in Spielen immer realistischer. Und seit der Wii benutzen wir nicht mehr nur unsere Daumen zum Zocken. Doch wer bringt die Spiele vor die Haustüre? Wer bringt die „Pictures Under Glass“ auf die Straße? Was wir beispielsweise bisher bei SCVNGR sehen, kann nur der Anfang sein. Da fehlt mir noch das Große, die Story, das Entertainment-Franchise. Und die Haptik.

Ich bin gespannt, was 2012 noch kommt!

6. neue Themen im Online-Diskurs

Twitter hat inzwischen eine halbe Millionen Nutzer in Deutschland, über Facebook brauchen wir nicht zu reden. Und doch sind die Top-Themen im Social Web immer noch Catzencontent und die „10 Gründe, warum Social Media Ihren Erfolg massiv steigern kann“.

Für das kommende Jahr wünsche ich mir mehr digitalisierten Austausch über Internet-untypische Themen. Mehr long tail im Diskurs. Lasst uns das, was uns bewegt, aus den Tiefen der Foren herausholen und über unsere persönlichen Accounts kommunizieren.

Lasst uns auch Themen jenseits von #Tatort und #sg online anpacken. Wheelmap macht es vor. Warum findet sich im Internet mehr über Minecraft als über manches naturwissenschaftliche Basisthema? Warum quengeln so viele Professoren über die Qualität der Texte im Internet aber schreiben selbst auf ihrem Fachgebiet keine Wikipedia-Artikel?

7. ein freies Internet in Europa

Die bösen Chinesen feuern ihre Firewall schon lange, doch langsam wird es auch im Westen heiß: In der Türkei soll man bald alle Internetadressen mit  bösen Wörtern (so wie z.B. „hot“) nicht mehr ansurfen dürfen. Und in den USA ist man gerade bemüht, das Internet mit ProtectIP / SOPA kaputt zu machen (hier nochmal aus lol-Perspektive). Auch für Deutschland könnte es in 2012 Ernst werden. Das Damoklesschwert hängt noch über uns, so lange Politiker gewisser Parteien der Meinung sind, ein weniger freies Internet wäre ein wünschenswertes Tool gegen Musik-Piraterie, Terrorismus und Demokratie. Gottseidank haben wir jetzt Guttenberg an vorderster Front, der Internet-Aktivisten als ein alter Hase im Kampf gegen Unfreiheit im Netz bekannt ist.

Trotzdem: Ich bleibe Optimist. Good things to come. Frohes Fest!

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Falk Ebert

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.