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Wie die Minecraft frischen Wind in die Spielebranche bringen könnte

Falk Ebert  10. Oktober 2011  16 Kommentare  4 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

Der Startscreen in Minecraft mit Splashtext

Es hat einen Grund, dass sich Minecraft verkauft wie warme Semmeln. Und zwar, bevor es fertig ist! Der Grund ist aber nicht nur die Genialität des Spiels, sondern auch der Zustand der Spielebranche generell.

Das Games-business ist inzwischen größer als die Filmbranche. Und hat das selbe Problem: Gleichförmige Massenware. Immer die selben Patentrezepte, wenig frische Ideen. Das meiste Geld wird mit großen Blockbustern und deren Fortsetzungen gemacht. Was  im Filmgeschäft Transformers ist, heißt bei den Spielen Call of Duty. Von dem Megatrend Social Gaming und Virtual Goods möchte ich gar nicht erst anfangen…

Dabei geht es auch anders. Heute zeige ich fünf Ansatzpunkte, die sich auch größere Studios von Minecraft abschauen sollten!

1. Spieler wollen spielen.

„The first rule of the tautology club is the first rule of the tautology club.“ Schon klar. Schade nur, dass das so wenige Studios begriffen haben. Denn anstatt dem Spieler echten Freiraum zu geben, bei dem er sich spielerisch (wie im Sandkasten) entfalten kann, wird das Spielen oft eingeschränkt, dafür aber oberflächlich belohnt.

Drei Indoor-Brunnen in Minecraft

Erklärungsversuch: Niemand möchte in Assassin’s Creed Flaggen Sammeln um bescheuerte Boni freizuschalten, wenn er alternativ auch einfach durch die Stadt schlendern und sich cool fühlen kann. Minecraft braucht keine Badges und diesen ganzen Kram. Auch wenn es ingame scheinbar keinen Sinn ergibt schöne Brunnen zu bauen und Blumenbeete anzulegen – Spieler wollen spielen!

2. Code rules

Atemberaubende Schluchten, Dörfer in idyllischen Tälern, Klimazonen, verlassene Minenschächte, alte Ruinen. Das alles generiert Minecraft automatisch. Und erstellt damit jedem Spieler seine eigene Spielwelt. Die sieht zwar klobig aus, ist aber spannend zu erkunden.

Die Spielwelt in Minecraft

Der Vorteil eines solchen Systems liegt auf der Hand: Just Cause wurde für seine 1000 km² große Spielwelt gelobt. Minecraft hat 270 Millionen Quadratkilometer. Klar sind liebevoll von Hand erstellte Levels detaillierter, dafür wirken sie oft auch artifiziell. Eine clevere Synthese aus menschlich und automatisch geschaffenen Spielinhalten könnte die Lösung für das Level-Design der Zukunft darstellen.

3. Sind wir schon da?

Niemand ist perfekt. Auch Spiele sind es nicht. Besonders, wenn sie noch nicht fertig sind. Während viele Spiele aber zum Release Date immer noch nicht fertig sind, wurde Minecraft einfach von Anfang an gelauncht. Open Alpha.

Gewächshaus und Spielwelt in Minecraft

Das Geheimnis des Erfolgs sind dabei zwei Punkte: Erstens, der Kern des Spiels – das grundlegende Gameplay – macht schon an sich Spaß. Zweitens, was gemacht wird, wird richtig gemacht. Was Minecraft bietet, bietet es auch perfekt. Und wenn es am Anfang auch nur das Minen und das Craften war.

4. Niemals die Community unterschätzen.

Seit TrackMania hat kein Spiel die Community mehr so gut eingebunden wie das klotzige Minecraft. Das Geheimnis des Erfolgs? Offenheit. Hey ihr Entwickler – macht es uns Spielern doch leicht, das Spiel zu verändern. Als Dankeschön übernimmt die Community das Entwickeln von neuen Spielinhalten, neuen Spielfunktionen und sogar die Dokumentation.

Minecraft Server Meldung

Eine Anleitung sucht man vergebens. Und doch ist es vielleicht das am besten dokumentierte Spiel, welches jemals entwickelt wurde. Schaut mal ins Wiki!

5. Gesicht zeigen

Wie viele Spieleentwickler kennt ihr? Warren Buffett, Peter Molyneux, Shigeru Miyamoto? Und da hört es dann auch bald schon auf.  In Zukunft wird ein weiterer dazukommen: Notch. Warum? Weil er Social Media nutzt, um mit den Spielern zu kommunizieren. Sogar seine ToDo-Listen bei der Entwicklung kann man öffentlich finden.

Das gibt dem Spieler das Gefühl: „Hey, da ist jemand, der kümmert sich um das Spiel und der ist mit Herzblut dabei.“ Zum Beispiel, wenn man handgezeichnete Skizzen zur Verteilung der Biome von ihm sieht. Oder seine Tweets ließt.

Ein Kuchen in Minecraft neben Blumen.

Vielleicht wird Minecraft noch jahrelang weiterentwickelt werden und so nach und nach zum „Spiel des Lebens“ werden. Vielleicht wird Notch bald andere Spiele machen – So oder so: Er steht erst am Anfang seiner Karriere. Und ich bin sicher, seine Arbeit wird die Spielebranche verändern. Zum Guten!

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Falk Ebert

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.