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Das unausweichliche Scheitern von Mein Pril

Falk Ebert  18. Mai 2011  23 Kommentare  4 Minuten zu lesen  Werbung mit und im Internet

Die strittige Pril Flasche mit dem Rage Guy beim Wettbewerb

Willst du viel – Spül mit Pril! Willst du Ärger – mach einen Contest im Internet.
So könnte man die aktuellen Geschehnisse um die Pril-Kampagne überschreiben. Denn da knallt es gerade kräftig. Doch fangen wir, der Vollständigkeit halber, von vorne an.

Die Kampagne von Pril

Vor ein paar Monaten startete die Agentur NETEYE mit Pril einen Contest, den die Agentur so beschreibt:

Mit dem farbenfrohen Crowdsourcing Projekt „Mein Pril – Mein Stil“ können jetzt Pril- Fans zum ersten Mal in der Historie der Marke das Erscheinungsbild des Spülmittels mitgestalten. Gesucht werden zwei Designs, die als limitierte Edition deutschlandweit im Handel erscheinen werden. […]

Zwei Dinge waren mir, aber auch anderen Kommentatoren, damals schon klar:

1. Das ist kein ernst gemeintes Crowdsourcing-Projekt, sondern eine ganz normale virale Werbekampagne, nach einem bekannten Schema.

2. Es wird Ärger geben.

Warum? Ganz einfach: Weil es bei dieser Art Voting-Mechanik immer Ärger gibt. Wie viele Cases dieser Machart habe ich schon gesehen… Und bei allen kam es bisher zu üblen Verleumdungen, Korrekturen an den Voting-Ergebnissen und Buh-Rufen, als es auf die deadline zuging.

Wie auch immer, die Kampagne startete und bekam zum ersten Mal ordentlich Aufschwung, als ein Hähnchen-Design vorne mit dabei war. Inklusive Spiegel Online Artikel.

Artikel bei Spiegel Online

Der Höhepunkt war erreicht, als der von 4chan bekannte Rage Guy seinen Weg auf eine der Flaschen fand.

Der Rage Guy im Contest

Innerhalb kürzester Zeit hatte die Flasche über 40.000 Votes und war damit der unbestrittene Spitzenreiter. Was dann geschah, möchte ich einfach kurz im Stil der Rage Guy Comics erklären.

ragecomic pril fuuuuuu

Alles kam so, wie es kommen musste.

Es wurde manipuliert. Stimmen wurden gelöscht. Das Internetz wurde sauer. Sehr sauer.

Umsonst war die ganze Aufregung von Anfang an. Denn das Ganze war, ich sagte das bereits, ohnehin kein ernsthaftes Crowdsourcing-Projekt. Die Jury darf jetzt aus den Top10 alle unliebsamen Flaschen raus kicken und dann aus den „angepassten Top 10“ zwei Flaschen aussuchen. Dem Facebook-Mob ist das ohnehin egal. Auf der Pinnwand schreiben seit den letzten zwei Tagen zu etwa gleichen Teilen…

…ernsthaft enttäuschte Teilnehmer…

Liebes Pril-Team, nun habt ihr den Salat. Es gab zu Beginn der Aktion genug Menschen die euch gesagt haben das es bei Votinggewinnspielen nur Theater gibt. Und was lese ich nun auf eurer Seite hier????? Nur Theater ;( sehr schade, die Aktion an sich war nämlich klasse. Nur hätte von vornherein eine Jury wählen sollen, hätte zwar ewig …
…Haters…
Meine Güte. Was geht denn hier ab? Hey Pril! 1. Schmeisst die Versager-Agentur raus die euch berät und 2. Produziert doch einfach ein paar tausend Flaschen. Ist das wirklich so schwer?
Aber ihr seid bestimmt gerade im Agentur-Meeting. *lach*

…und selbsternannte Social Media Gurus, die auch mal ihren Senf dazu abgeben wollen.

Bin eben auf den Aufstand aufmerksam geworden da ich mich mit Social Marketing beschäftige und muss persönlich sagen das es einfach nur peinlich für pril ist!
Es wurden wirkliche alle Sünden begangen die man im Social Media begehen kann!!!
Nur leider wird dieses nicht so locker zu bereinigen sein, bin auf ein Statement seitens pril gespannt!
An Pril:
Setzt euch intensiv mit social media auseinander, das ist keine tv, Zeitschrift oder radio Werbung!!!!!!!
Hier lautet das Stichwort: Generation Young!

Deswegen werde ich es mir hier auch sparen, die konzeptionellen Schnitzer und die Fehler im Community Management aufzuzählen. Genug Salz in den Wunden von Pril. Viel spannender wäre doch die Frage, was jetzt zu tun ist.

Und was jetzt?

Mein Tipp: Eier haben und die verdammte PRIIIIIL-Flasche rausbringen. Und wenn auch nur in einer 200 Stück-Limitierung im Webshop.

  • So könnte aus dem Verlierer noch ein Gewinner werden.
  • Das wäre ein einzigartiges Experiment im Marketing und das mutigste FMCG-Produkt aller Zeiten.
  • Wenn auch nur jeder tausendste „gerfag“ von 4chan so ein Ding kauft, kommen die 200 Flaschen locker weg.
Denn was bleibt sonst vom Contest, außer ein Haufen schlechter Laune bei der Zielgruppe, die man eigentlich erreichen wollte? Nix, richtig. Ein 0815-Design hätte man billiger haben können.
Liebe Pril-Marketeers: Macht es wie OTTO! Seit mutig! ICH würde mir die Rage Guy Flasche kaufen.
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Falk Ebert

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Seit 2022 auch als freiberuflicher Berater. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.