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Viralität ist planbar: CityVille

Falk Ebert  23. Februar 2011  6 Kommentare  3 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

Der City Ville Startbildschirm

Viralität gilt nach wie vor als Glücksfall. Als etwas, das man nicht planen kann. Nicht bei Zynga. Die Social-Gaming-Firma aus Kalifornien hat mit ihrem neuen Spiel CityVille ein neues Viral-Wunder geschaffen. Am ersten Tag hat die Facebook-App bereits 290.000 Spieler gezählt, innerhalb von drei Monaten waren es über 100 Millionen.

Inzwischen sind die Zahlen laut Socialbakers schon wieder leicht rückläufig. Einfach deshalb, weil CityVille auch nicht mehr als ein relativ gut gemachtes Social Game ist. Aber wieso dann die 100 Millionen in drei Monaten? Wir zeigen die Viral-Tricks, dank denen die Zynga-Spiele funktionieren!

Die Grundlagen

CityVille ist ein in der Tradition von FarmVille und FrontierVille konsequent weiterentwickeltes Social Game: Der Spieler baut eine Stadt, kassiert per Mausklick Steuern, baut auf Feldern Essen an und beliefert seine Geschäfte damit. Sim City meets Kindergarten. Kann aber Spaß machen.

Natürlich kann man seine Nachbarn besuchen, Geschenke schicken und auch sonst noch vieles erleben, was man von FarmVille kennt. Der begrenzende Faktor ist dabei nicht das Können des Spielers, sondern die Bereitschaft in regelmäßigen Intervallen Zeit (oder Geld) in das Spiel zu investieren. Appointment Gaming ist der Fachbegriff dafür.

Eine große City Ville Stadt

Folgende Tricks machen das Spiel viral:

1. Gegenseitiges Helfen

Schick deinen Freunden Deko für ihre Stadt, ernte ihre Felder, helfe beim Bauen der Häuser. Und – so ein Zufall – wenn du viele Freunde hast, die das Spiel spielen, wird dir mehr geholfen.

2. Kleine Boni gegen Pinwand-Posts

Du hast mit der linken Maustaste geklickt? Prima! Poste die Top-Nachricht an deine Pinwand und alle deine Freunde können ein paar Extra-Münzen abgreifen!

3. Interaktion mit Freunden limitiert Spielfortschritt

Das Wachstum der Stadt ist durch die maximale Einwohneranzahl und durch die bebaubaren Flächen begrenzt. Für beides braucht man Freunde, die einem weiterhelfen. Zunächst reichen noch Anfragen im Spiel, später sind dann auch Pinwand-Posts nötig (auf die deine Freunde klicken müssen), um beispielsweise ein Feuerwehrhaus zu bauen um die maximale Einwohneranzahl zu erhöhen.

4. Psychologische Tricks 1

Ein süßer, kleiner, herumstreunender Hund wurde gefunden. Wer wäre denn so herzlos, das Tier nicht an die Freunde zu vermitteln? Aus der selben Kategorie: Magst du deine Freunde nicht, oder warum schickst du keine Valentinskarten? Deine Einwohner frieren und rate mal, wie du ihnen warme Klamotten besorgen kannst…

5. Psychologische Tricks 2

Wie clever die Viral-Mechanismen der Spiele inzwischen ausgefeilt sind, zeigt sich vorrangig bei den Folge-Quests. Dem Spieler wird zunächst eine einfache, schnell gelöste Aufgabe gestellt, deren Erfüllen etwas in Aussicht stellt. Beispiel: Um ein Fest vorzubereiten sollen ein paar Objekte platziert werden. Schritt zwei ist dann eine etwas schwerere Aufgabe, die der Spieler aber auch noch selbstständig lösen kann. Um die finale Belohnung dann aber tatsächlich zu erhalten (und damit Quest 1 und 2 nicht umsonst gemacht wurden) wird im letzten Schritt verlangt, dass der Spieler etwas auf die Pinwand postet, worauf dann viele Freunde klicken müssen.

Die einzige Möglichkeit die Folge-Quest abzuschließen ohne die Freunde zu involvieren, steht auch als Alternative der Tricks 1-4 zur Verfügung: Geld zahlen. Echtes Geld. Und genau das ist der Grund, warum letztes Jahr verschiedene Investoren hunderte Millionen Dollar in die Firma Zynga investiert haben.

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Falk Ebert

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.