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Wirf deinen Fernseher aus dem Fenster! Teil 1.

Falk Ebert  17. Januar 2011  5 Kommentare  3 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

Fernsehen – weg damit

Der Durchschnittsdeutsche schaut 3,7 Stunden Fernsehen. Am Tag. Das finde ich, gelinde gesagt, kritisch. Denn Fernsehen macht abhängig, auf verschiedene Art und Weise. Was gegen den Flimmerkasten im Wohnzimmer spricht und warum ich seit Jahren keinen mehr habe, möchte ich in zehn Punkten darstellen. Fünf davon heute, fünf am Mittwoch.

1. Ein falsches Bild von Nachrichten

„Die Nachrichten kommen um 20.00 Uhr in der ARD.“ Ein Satz, den meine Eltern bedingungslos unterschreiben würden. Dabei kommen die Nachrichten täglich, im Sekundentakt. Fernsehen vermittelt uns das Bild, dass Nachrichten etwas sind, dass hauptsächlich Abends konsumiert wird. Und viel schlimmer – wer sich dem TV verschrieben hat, hält es für aussreichend, sich fast nur aus einer Quelle, einer Nachrichtensendung, zu informieren, anstatt über hunderte Quellen. Das ist besonders dann kritisch, wenn die eine Quelle eine „News“-Sendung aus dem privaten Fernsehen ist. Die Hochzeit eines Promis oder eine schielende Beutelratte, das sind keine Nachrichten. Auch wenn sie es immer wieder in die Nachrichten schaffen.

2. Kaputte Kommunikation in der Familie

Wer einen Fernseher in Sichtweite hat, wird unweigerlich davon angezogen. Und irgendwann wird das Fernsehen zum Substitut für zwischenmenschliche Kommunikation. Klar, zusammen Fernsehen kann schön und lustig sein, aber wenn Beziehungen anfangen kaputzugehen, besteht die Gefahr, dass das Fernsehen als Ausrede für das nicht-miteinander-Reden herhält. Wenn ich mal eine Familie habe, wird bei uns kein Fernseher im Wohnzimmer stehen. Versprochen.

3. Isolation im Wohnzimmer

Fernsehen gibt es jetzt schon ein halbes Jahrhundert. Und es gibt immer noch keinen Rückkanal. Einfach deshalb, weil die Programmmacher gar kein Interesse daran haben, dass man über ihr Programm redet, es womöglich in Frage stellt. Erst mit dem Aufkommen von Twitter und Facebook bilden sich Meta-Ebenen, es wird per Hashtag über Wetten Dass, Schlag den Raab oder Bundestagsdebatten diskutiert. Wer aber kein iPad hat oder seinen Laptop nicht mit vor den Fernseher nimmt, und das ist wohl die deutliche Mehrheit der Deutschen, der bekommt den Content einfach so in sein Hirn gespült, ohne die Möglichkeit, sich dazu zu äußern.

4. Pseudo-Politik statt Debatte

Und daraus entsteht auch ein Bild der Politik, dass ich höchst bedenklich finde. Politik als etwas, das an den Bürger herangetragen wird, vorgekaut und in vier verschiedenen Paktenen gebündelt, zwischen denen er sich nur alle paar Jahre mal entscheiden muss. Dabei muss Politik genau andersherum stattfinden. Von den Bürgern ausgehend. Und da trägt das Fernsehen wirklich wenig dazu bei. Die Macht der Eliten in Deutschland basiert auf dem Prinzip einer Rundfunkgesellschaft – zuhören statt mitreden.

5. Diktat von Zeit und Raum

20:15 Uhr – eine Uhrzeit wie jede andere auch. Und für viele Menschen eben auch nicht. Denn sie lassen sich von ProSieben und Co diktieren, wann sie Filme zu schauen haben. Dabei wäre es vielleicht manchmal geschickter, noch eine Stunde länger zu arbeiten, in Ruhe zu Abend zu Essen oder sonst irgendwas zu machen, bevor man gehetzt den Fernseher anmacht. Ich persönlich hab vor Null Uhr sowieso selten Zeit irgendwas zu tun. Klar, dank DVR ist die Problematik nur noch halb so schlimm, aber trotzdem: Ich entscheide, dank dem Internet, wann ich ZAPP sehen möchte, nicht die Fernsehzeitschrift. Und die Nachrichten lese ich nicht abends, sondern den ganzen Tag – überall.

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Falk Ebert

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Seit 2022 auch als freiberuflicher Berater. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.