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Lesen für Fortgeschrittene

Falk Ebert  8. Dezember 2010  2 Kommentare  4 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

 

Bücher machen klug. Wer überrascht ist, auf diesem Blog etwas derartiges zu lesen, hat uns falsch verstanden. Denn Twitter, Facebook, Tumblr und Blogs sind wichtige Ergänzungen, aber keine Substitute für Bücher. Und wem tote Bäume zu uncool sind, der darf gerne zum iPad oder Kindle greifen.

Dieser Blogartikel stellt fünf ganz besondere Bücher vor. Fernab von glitzernden Vampiren oder geschwungen Zauberstäben geht es heute um Fachbücher. Solche, die euch nachhaltig prägen werden. Versprochen. Voraussetzung: Ich müsst kämpfen, denn bei den fünf Lesetipps sind ein paar echt schwere Brocken dabei. Wer aber erleben möchte, wie sich eine waschechte Horizonterweiterung anfühlt, sollte sich diese Titel anschauen:

Gödel, Escher, Bach – ein Endloses Geflochtenes Band

von Douglas Richard Hofstadter

Wenn wir etwas bewiesen haben, ist es dann Wahrheit? Kann ein Computer kreativ sein? Wie können Termiten, obwohl sie so unendlich doof sind, architektonische Meisterleistungen vollbringen? – Drei Fragen, mit denen man, bei Bedarf, Gesprächspartner auf garantiert jeder Party in die Flucht schlagen kann. Der Autor widmet sich solchen Fragestellungen rund um Bewusstsein und Denken aber in einem konsequent durchdachten Vorgehen mit einer beeindruckenden Präzision. Durch die Verknüpfung von Mathematik, Informatik, Kunst, Musik und anderen Disziplinen baut er ein Gedankengebäude auf, das in keinem Kopf fehlen sollte.

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Deutsch für junge Profis

von Wolf Schneider

Für „Gödel, Escher, Bach“ habe ich, ungelogen, ein Jahr gebraucht. Für „Deutsch für Junge Profis“ zwei Tage. Weil der Autor das praktiziert, was er predigt: Einen einfachen, gut lesbaren, klaren Stil im Journalismus. Das Buch hat bei mir so einen Eindruck hinterlassen, dass ich mich nach jedem veröffentlichten Blogartikel ein wenig schäme, dass er mir nicht besser gelungen ist. Und dennoch schreibt Wolf Schneider mit einem erfreulich geringen Maß an Bastiansickness. Den Neologismus würde er mir vermutlich trotzdem nicht durchgehen lassen.

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Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie

von Niklas Luhmann

Die Semantik von Sollen und Sein schließt an die Ontologisierung von Prädikaten an – von Prädikaten, die im Kommunikationssystem doch nur die Erwartung der Annahme der kommunikativen Selektion symbolisieren.“ Warum sollte man sich solche Sätze antun? Weil „Soziale Systeme“ das beste Buch ist, das ich während meines Studiums bisher gelesen habe. Die Systemtheorie nach Luhmann haut jeden um, der sie verstanden hat. Garantiert.

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Die Ordnung des Diskurses

von Michel Foucault

Leider ist der Michel, ebenso wie der Niklas, nicht besonders leicht verständlich. Zumindest habe nicht nur ich, sondern auch Chris beim ersten Durchlesen nicht wirklich auf den Punkt bringen können, um was es im Buch geht. Vielleicht sollte man zuerst die Sekundärliteratur lesen und nicht andersrum. Wer sich dann aber in das Werk von Foucault stürzt, wird verstehen, welche Macht der „Diskurs“ in unserer Gesellschaft hat und auch aktuelle Themen wie Wikileaks unter ganz anderen Gesichtspunkten sehen können.

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Rework

von Jason Fried und David Heinemeier Hansson

Wer sich durch eines der bisher genannten Bücher gequält hat, darf sich Rework gönnen. In diesem Buch stellen die Jungs so ziemlich alles auf den Kopf, was wir bisher „Arbeiten“ genannt haben. Das ganze im typisch amerikanischen Stil: Knapp, prägnant und mit einem Optimismus, der einen mitreisen muss. Die Kapitelüberschriften sind alle ebenso einprägsam wie gut mit praktischen Beispielen unterfüttert und helfen längerfristig, das eigene geschäftliche Tun und Lassen zu überdenken.

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Das wäre schon mal genug Lesestoff für bis Mitte März, mindestens. Für alle, die jetzt schon stöhnen, lege ich aber in bester Teleshopping-Manier noch einen oben drauf! Wenn ihr eines der fünf Bücher gelesen habt, braucht ihr die folgenden Bücher garantiert nicht lesen. Weil sie Murks sind, meine Meinung.

  1. Wer bin ich – und wenn ja wie viele? (Da lieber Sophies Welt, auch wenn das als Roman versagt)
  2. Stimmen aus den Aquarium (Momentum ist Pflicht für alle Werber, das hier ist Pflicht für niemanden)
  3. Die Leber wächst mit ihren Aufgaben (Ich schätze Eckart von Hirschhausen sehr, aber was er da abliefert, ist eine Beleidigung für die unterstellte Leserschaft)

Viel Spaß beim Lesen und nicht-Lesen!

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Falk Ebert



Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.