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Kindle vs. iPad

Christian Faller  12. Oktober 2010  11 Kommentare  3 Minuten zu lesen  Internet und Social Web, Mobile

Seit gestern Abend befindet sich mein nagelneues Amazon Kindle Wi-Fi 6″ in Phoenix, Arizona, und wird hoffentlich noch während ich diesen Post schreibe auf die Weiterreise nach Deutschland geschickt. Ja, ich habe mich gegen das iPad und für das Kindle entschieden. Per eBay habe ich Ersteres vor wenigen Tagen im Raum Stuttgart für einen stattlichen Preis an den Mann gebracht und mich von meinem ersten Apple-Produkt (abgesehen von iPod) schon vor dem Auspacken wieder getrennt. Aber warum?

Ich hatte das iPad zuvor in Singapur einige Male in Händen gehalten und konnte nicht so recht von seinem Mehrwert überzeugt werden. Spielen werde ich auf dem Gerät nicht und Lesen ist zweifelsohne auf einem Kindle angenehmer. RSS Feeds to Go und Email in der Bahn (ja, ich habe immer noch kein Smartphone) wären ein reizvoller Zusatz gewesen. Aber die suboptimale Gmail App, das Missen einer vernünftigen Google Reader App und die gänzliche Nichtexistenz meiner anderen Babys wie etwa Google Tasks ließen mir keine Wahl.

Das geht aber alles auch auf dem Kindle nicht, warum also das eBook? Ganz einfach, ich liebe Lesen. Das Kindle ist angenehmer für die Augen – ja, ich habe es schon kurz getestet – und hat eine gigantische Laufzeit, dadurch da Batterie nur beim Blättern verbraucht wird. Außerdem kenne ich mich selbst zu gut und weiß, dass das iPad mit seinen ganzen Funktionen eine unglaubliche Ablenkung für einige vernünftige Lesestunden wäre. Ich bestelle viele Bücher und eigentlich immer per Amazon – mit dem Kindle entfällt jetzt jegliche Wartezeit. Zudem habe ich meine gesamte Heimbibliothek inklusive PDFs immer zugriffsbereit.

Das eBook ein Problemkind?

Und auch wenn das Thema eBooks auf der Frankfurter Buchmesse mal wieder gekonnt totgeschwiegen wurde um das Unausweichliche herauszuzögern, sehe ich hier nicht die Zukunft sondern bereits die Gegenwart. Einige aktuelle Stolpersteine wären aber zum Beispiel noch:

Lizenzen: Keiner der großen eBook Hersteller hat die Lizenzen alle Bücher anzubieten. Nook, Kindle und Co. kämpfen hier noch immer mit harten Bandagen. Somit ist leider nicht alles Lesematerial auf meinem Kindle erhältich. Die Auswahl ist jedoch sehr umfangreich und bislang konnte ich nahezu alles Relevante finden.

Bestseller Listen: Kindle Abverkäufe und Vorbestellungen zählen nicht in die Bestellerlisten mit hinein, was absolut lächerlich ist. Derzeit werden nur Hardcover Verkäufe mitgerechnet – vermutlich ein weiterer Versuch den Vormarsch des eBooks abzubremsen, denn Autoren müssen somit das traditionelle Buch weitaus mehr bewerben als das eBook, denn dieses bring ihnen Publicity-technisch rein gar nichts.

Preis: Kein Druck, keine teure Distribution, keine unnötigen Mittelmänner. Eigentlich sollte der Preis für ein eBook doch viel billiger sein als für ein „Papier-Buch“. Außerdem könnte es viel schneller erscheinen und müsste nicht noch künstlich in einigen Ländern länger zurückgehalten werden wegen logistischen Problemen. Das ist aber nicht so. Ich würde es unterstützen, bliebe der Mehrpreis (ja, es kostet tatsächlich teilweise sogar mehr) nun beim Künstler hängen, aber ich vermute, dass hier eher der Publisher profitiert.

Sicherlich gibt es noch weit mehr brisante Punkte und ich werde vielleicht bald einen größeren Post schreiben, auch in Hinblick auf den Nutzwert des Gerätes. Allerdings denke ich, dass die meisten Probleme Mensch geschaffen sind und ohne größere Schwierigkeiten aus der Welt geräumt werden könnten und auch werden.

Eure Meinung interessiert mich natürlich auch. Stay tuned!

[Christian Faller]

Christian Faller

Christian Faller ist Geschäftsführer bei deepr, einer Stuttgarter Werbeagentur und leitet den Digitalbereich bei Yaez. Wenn er nicht an digitalen Marketingstrategien feilt, verfolgt er sein Lebensziel, jedes Land der Welt zu bereisen. Er hat in Singapur, Frankreich, Amerika und Südafrika gelebt und gearbeitet.