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30 Minuten. 30 SMS. 30 MB. Null Euro.

Falk Ebert  23. August 2010  8 Kommentare  4 Minuten zu lesen  Internet und Social Web, Mobile, Werbung mit und im Internet

 

Die Rede ist von einem Handytarif. Werbung macht’s möglich. Genauso selbstverständlich, wie Privatsender oder Internet-Communities ihre Dienste kostenlos anbieten und über Werbung finanzieren, können wir vielleicht bald werbefinanziert mobil telefonieren, simsen und surfen können. Nach einer längeren Testphase möchte ich berichten, wie eine O2-Tochter hier den ersten Schritt gewagt hat und was von dem Dienst zu halten ist.

Mobiles Internet kostenlos? Wirklich?

Ja, wirklich. Aber nicht nur. Im Moment bietet der Anbieter netzclub drei verschiedene Optionen:

  • 30 Minuten telefonieren, 30 SMS, 30 MB Datentransfer kostenlos
  • Internet-Flatrate kostenlos
  • 100 Freiminuten telefonieren kostenlos

Das Kleingedruckte: Wer den jeweils nicht kostenlosen Dienst nutzen will oder über das Limit kommt, zahlt Discout-Tarife. Faire 11 Cent pro Minute oder SMS oder weniger faire 24 Cent pro MB werden dann fällig. Bei der Internet-Flatrate ist der Datentransfer ab 200 MB auf GPRS gedrosselt, VoIP ist erlaubt, Tethering nicht. Sonstige Kosten wie Mindestumsatz oder Grundgebühr gibt es keine. Das ganze ist quasi ein Prepaid-Vertrag mit kostenlosen Gimmicks oben drauf.

Für die Gimmicks muss man sich allerdings Werbung zusenden lassen und bestätigen. Per SMS/MMS,  Email oder sogar Produktproben per Offline-Post, wenn man das zulässt. Im Praxistest sah das so aus, dass ich genau eine Nachricht pro Monat bekommen habe. Bei einer musste ich auf einen Link klicken, bei der anderen per SMS mit „JA“ antworten.

Damit man auch nur Werbung zugeschickt bekommt, die einen halbwegs interessiert, gibt man in einem Online-Formular sein Werbeprofil ein. Dass ich aber, wenn ich „Musik“ anklicke,  nicht Avril Lavigne meine, muss ich dem Provider offensichtlich erst noch klar machen.

Für den Blog habe ich natürlich auch testweise meine Heimadresse für Produktproben zugelassen.  Auf die erste Produktprobe warte ich aber noch.

Wo ist der Haken an der Sache?

Wer skeptisch ist, ob er wirklich Werbeangebote zugeschickt bekommen möchte, sollte lieber die Finger davon lassen. Denn vertraglich ist festgelegt, dass netzclub theoretisch bis zu 30 Nachrichten im Monat schicken darf. Und dann gefällt einem der Dienst möglicherweise nicht mehr und man hat allen seinen Freunden seine neue Handynummer schon gegeben. Rufnummernmitnahme ist nämlich nicht standardmäßig möglich.

Bis auf diese schockierende Zahl im Kleingedruckten hat sich netzclub im Test aber wirklich als eine saubere Sache herausgestellt: Die Abwicklung ist problemlos verlaufen, die Servicehotline war im Test zwar teuer, aber freundlich und kompetent, das Aufladen des Guthabens funktioniert ganz bequem über SMS+Bankeinzug oder Online-Formular, als O2-Tochter wird mpass unterstützt, es gibt kein negatives Guthaben und auch sonst gibt es nichts zu meckern.

Zuschlagen?

Die 100 Minuten plus Discount-SMS sind sicherlich eine ganz ordentliche Wahl für Leute, die bisher zu faul waren ihren alten, teuren Vertrag zu wechseln. Die 30 MB beziehungsweise 200 MB Internet reichen zwar nicht für tägliches Webcast-Schauen und Bilder im großen Maßstab downloaden, wer aber nur morgens in der Bahn die mobile-Seite von Spiegel checkt, etwas twittert und ab und an bei Facebook vorbei schaut, dürfte gut damit hinkommen.

Fazit: Mobile-Internet-Einsteiger haben hier ein super Angebot. Der mobile Hardcore-User mit Android, Tethering und Trallala greift wegen der 200 MB Drosselung dann doch lieber zu den Angeboten der großen Tochter mit den Blubberblasen.


Der Fail zum Schluss:

Wollt ihr noch was richtig witziges sehen? Wer auf der netzclub-Seite unter Service -> Forum ein Forum erwartet, ist leider schief gewickelt. Dort wird einem nur beschrieben, wie man den Twitter Account von Netzclub findet (Links werden überbewertet), folgt und dann…

Dann auf „Follow NetzClub“ klicken und schon bist Du im NetzClub Forum drin.

What the Fuck?! Ein billiger Twitter-Account, der nicht mal auf Anfragen antwortet wird hier als Forum verkauft? Das ist auch mal eine Social Media Strategie…

Trotzdem eine Schritt in die richtige Richtung, dieser netzclub.

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Falk Ebert

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.