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Die Werbeagentur der Zukunft?

Samuel Stelzer  18. November 2009  Keine Kommentare  3 Minuten zu lesen  Werbung mit und im Internet

Crowdsourcing ist momentan in aller Munde. Eine Aufgabe wird online einer Community übergeben, die sozusagen im Wettbewerb um die beste Problemlösung gegeneinander antreten und die Gage somit zum Preisgeld wird. Eigentlich war es bei der derzeitigen Explosion an Agenturtypen nur eine Frage der Zeit bis dieses Instrument von einer Werbeagentur geplant eingesetzt wird. „Victors & Spoils“ aus den Staaten wollen sich daran versuchen und versprechen Großes.

Doch ist es wirklich nötig hier eine Agentur, die natürlich bezahlt werden will, zwischen zu schalten? Verhökern wir nicht unser Kapital, die Kreativität, wenn wir an solchen „Wettbewerben“ teilnehmen? Soll wirklich unser Lohn als Preisgeld verzockt werden?

Ich persönlich steh der Sache noch skeptisch gegenüber. Natürlich ist Crowdsourcing kein einfaches Unterfangen und bisher sind die Ergebnisse selten sehr ausgereift, was vermutlich mit daran liegt, dass die Briefings und die Direktion nicht ausreichen. Das spricht auf jeden Fall für eine Agentur als Mittler. Außerdem ist für die Kunden die Vorstellung verlockend, dass eine ganze Gruppe kreativer Leute sich den Kopf über ihrem Problem zerbricht. Und zwar quasi zum Nulltarif. „Victors & Spoils“ versprechen zwar, jeden der an einer Ausschreibung teilnimmt zu entlohnen und auch Preisgelder für alleevorderen Plätze zu vergeben, doch die Höhe definiert natürlich die Agentur. Woran früher ein Team von Kreativen, die alle bezahlt wurden, gearbeitet hat, daran arbeitet nun eine „Crowd“ beinahe kostenlos. Und damit kann eine Crowdsourcing-Agentur ziemlich sicher Punkten. Vor allem in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit, wie wir sie gerade erleben, sind günstige Lösungen verlockend.

Ob das Ergebnis dann wirklich qualitativ mit dem einer herkömmlichen Werbeagentur mithalten kann, wage ich zu bezweifeln. Doch gerade damit wollen „Victors & Spoils“ angeblich Kunden gewinnen. Mehr Kreativität und dadurch mehr Qualität durch viele Köpfe. Die Kreativabteilung sei eben ersetzt durch die Community und in der tummeln sich angeblich Art Direktoren, Texter und Strategen bis hin zu Produkt Designern. Doch um in die Crowd aufgenommen zu werden braucht es scheinbar nicht mehr als ein äußerst kurzes Online-Bewerbungsformular auszufüllen. Qualitätssichernde Bewerbungsgespräche und Prüfung auf wahrheitsgemäße Angaben (zum Beispiel zu Berufserfahrung) bleiben, soweit ich das sehen kann, aus. Und angenommen es sitzen wirklich gutausgeblidete Spezialisten oder unentdeckte Talente in der Crowd, wer letztendlich wirklich mit macht und an den Ausschreibungen teil nimmt, das kann die Agentur immernoch nicht steuern.

Quelle: Victors & Spoils

Eben erst hat sich die junge Agentur ihr eigenes Logo „crowdgesourct“. Immerhin konsequent, das Werkzeug das man verkauft auch selbst zu verwenden.

Wie gesagt, ich sehe das alles noch etwas kritisch. Crowdsourcing kann ein sinnvolles Instrument sein, man darf aber auch hier keine Wunder erwarten und muss sich der Risiken bewusst sein. Ich bin gespannt was welche Etats sich „Victors & Spoils“ sichern kann und was für Ergebnisse nachher dabei herauskommen. Das sollte man in jedem Fall im Auge behalten.

Samuel Stelzer