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Niemand mag Androiden

Falk Ebert  4. Februar 2019  Keine Kommentare  2 Minuten zu lesen  Technologie

Mein erster Kontakt mit Mensch-Roboter-Interaktion war in den 90er Jahren. In dem großen Stapel Geo-Magazine meiner Eltern entdeckte ich einen Artikel über Kismet, einen Roboter des MIT.

Kismet hatte Kameras, Spracherkennung und 21 Motoren als Gesichtsmuskeln. Für mich war er einfach nur creepy.

Im Jahr 2000 wurde die Forschung daran eingestellt. Bis heute interagiert niemand mit halb-menschlichen Gesichtern mit Elektromotoren als Gesichtsmuskeln. Und eigentlich hätte es das MIT besser wissen müssen. Denn schon seit den 70er Jahren kennen wir den Effekt des Uncanny Valley: Ein halb gelungener Androide ist immer gruseliger als eine gut gelungene Abstraktion.

Und spätestens 1977 war klar: Wären Androiden cooler, wäre der sprechende und laufende C3PO der Liebling der Star Wars Fans. De facto ist es aber die piepsende Cola-Dose R2D2.

Es lohnt sich einfach nicht, Roboter menschlicher machen zu wollen. Man muss sie nur Gefühle ausdrücken lassen.

Wie es zum Beispiel unser Staubsauger-Roboter macht: Wenn er fertig mit der Arbeit ist, piepst er kurz erleichtert, wird erschöpft und leise, um dann ganz vorsichtig zu seiner Ladestation zurückzufahren. Natürlich sind die Silizium-Synapsen dieses Geräts nicht in der Lage, Erleichterung, Erschöpfung oder Vorsicht zu verstehen. Aber wen interessiert das? Ich bin jedes mal verzückt, wie niedlich er dabei ist.

Epische Business Moves

Falk Ebert  14. Januar 2019  Keine Kommentare  3 Minuten zu lesen  Marketing

Die letzten zehn Jahre waren die Jahre der Plattformökonomie: Dahinter steht die Erkenntnis, dass man viel mehr Geld verdienen kann, wenn man nicht Inhalte und Services an sich anbietet, sondern die Infrastruktur dahinter kontrolliert.

2019 könnte die dadurch entstandenen großen Player ordentlich durchgeschüttelt werden.

Epic umgeht den Play-Store

Im Bereich Mobile gibt es eigentlich nur zwei große Plattformen: Den Play Store auf Android und den Apple Store auf iOS. Wer eine App möchte, lädt sie sich von dort herunter. Für den Nutzer bedeutet das ein gewisses Plus an Sicherheit – für den Entwickler, dass er 30% seines Umsatzes an Google oder Apple abdrückt.

Kein Wunder, dass Epic Games, die Firma hinter dem Jugendkultur-prägenden Spiel Fortnite, überhaupt kein Bock darauf hatte. Für Android veröffentlichten sie das Spiel deshalb einfach als APK. Das bedeutet, der Spieler muss es so installieren, wie man früher Software eben installiert hat. Außerhalb des Stores und inklusive ein paar ernst klingender Sicherheitswarnungen des Geräts.

Wie gesagt ist es nicht überraschend, dass Epic ein Interesse daran hat. Immerhin haben sie mit diesem Trick über 50 Millionen Dollar gespart, die sie ansonsten an Google hätten weitergeben müssen. Definitiv überraschend ist aber, dass es funktioniert hat. Die Marke Fortnite war so stark, dass die zusätzliche Hürde der Installation das Wachstum nicht gestoppt hatte. Daran war zuletzt selbst Amazon mit ihrem Underground-Projekt gescheitert.

Angriff auf Steam

Was bei mobilen Geräten der Play-Store und der Appstore ist, das ist für Computerspiele Steam. 2004 zog der Hersteller Valve viel Kritik auf sich, als er sein lange ersehntes Spiel Half Life 2 an eine Pflicht-Installation von Steam gebunden hatte. Allerdings hat der Trick funktioniert – wer heute Spiele kauft, kauft sie über Steam. Der jährliche Summer Sale wird zum Konsum-Höhepunkt des Jahres einer ganzen Computerspieler-Generation. Und die Hersteller drücken ihren Anteil an Valve ab.

Kein Wunder, dass Epic auch hier streitsüchtig wird. Mit den 2-3 Milliarden Dollar aus Fortnite fahren sie jetzt den Angriff gegen Steam. Der Angriff heißt, wenig originell, Epic Store. Natürlich mit Exklusiv-Titeln – der selbe Move wie damals mit Half Life 2. Gleichzeitig verschenken sie aber auch Spiele – eine Strategie, die man bei ähnlichen Angriffen auf große Plattformen oft sieht. Im September letzten Jahres gab es das wunderschöne Tauch-Survival-Spiel Subnautica gratis. Bis zum 24. Januar gibt es den beeindruckenden Indie-Titel What Remains of Edith Finch umsonst.

Gut für den User

Es steht außer Frage, dass große Plattformen immer Vorteile für die Nutzer in Form von Netzwerkeffekten bieten. Steam-Nutzer sehen zum Beispiel immer, welche Spiele ihre Freunde spielen und können sie dadurch um Rat fragen oder zum gemeinsamen Spielen einladen.

Gerade bei Steam wird aber auch deutlich, dass die so entstehenden Quasi-Monopole in die falsche Richtung gehen können. Die Plattform fühlt sich nämlich an wie ein Produkt der frühen 00er-Jahre – was sie ja auch ist. Selbst neue Features wie der Gruppenchat sind in der Bedienbarkeit ein Desaster. Etwas Konkurrenz kann da nur gut für die Nutzer sein.

Fazit

Falls noch nicht geschehen, schaut euch doch What Remains of Edith Finch mal an! Eine schöne Spiel-Erfahrung, die etwa zwei Stunden Walking-Simulator bietet.

Aber noch wichtiger: Freut euch auf die nahe Zukunft. Denn wir werden zunehmend sehen, wie die großen Plattformen der letzten zehn Jahre wachgerüttelt werden. Und das bedeutet nicht nur weniger Wegzoll für die Entwickler, sondern hoffentlich auch frischere und bessere Plattformen!

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