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Die neue Verschmutzung

Falk Ebert  1. Oktober 2018  Keine Kommentare  2 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

Als die industrielle Revolution ab dem 18. Jahrhundert nach Europa kam, wurden erst die Städte, dann die Schmetterlinge schwarz. Der durchschnittliche Fabrikarbeiter im 19. Jahrhundert wurde keine 40 Jahre alt.

Die Antwort auf diese massive gesellschaftliche Herausforderung heißt Umweltschutz. Den Beginn der modernen Umweltschutzbewegung beobachten wir aber erst im 20. Jahrhundert. Umweltverbände wie Greenpeace oder den BUND – heute gesellschaftliche Institutionen – gibt es erst seit den 70er Jahren.

Man kann diskutieren, ob wir das Thema Umweltverschmutzung inzwischen im Griff haben. Wir haben es aber zumindest auf dem Schirm.

Mit der Popularisierung des Internets schreitet währenddessen ein ganz anderes Problem voran, das durch internationale Firmen verursacht wird:

Soziologische Verschmutzung

Soziale Netzwerke, die an Fake-News und Hass verdienen – bis hin zu Themen wie Impfen und dem Klimawandel. Da gibt es Dark Design Patterns, die breiten Teilen der Bevölkerung Kraft und Zeit rauben – mit wenigen Zeilen Code. Und die nächste Bedrohung ist Machine Learning, das gesellschaftliche Probleme wie Rassismus durch scheinbar neutrale statistische Verfahren professionalisiert – wenn man es falsch anwendet.

Keines dieser Probleme ist den dahinter liegenden Technologien inhärent. Und keines der Probleme lässt sich durch Verbieten oder Bekämpfen der Technologien lösen. Wir brauchen stattdessen eine neue Bewegung, die nicht den Schutz der Umwelt in den Vordergrund stellt, sondern den Schutz unserer freien, friedlichen und funktionierenden Gesellschaft.

Die Vorläufer dieser Bewegung gibt es schon. Man kann sie irgendwo zwischen Netzpolitik.org, dem EDRi und den globalen Piratenparteien vermuten. Aber sie steckt noch in den Kinderschuhen, wie Sascha Lobo in seiner re:publica Rede 2014 plakativ aufgezeigt hat. Eigentlich hat sie noch nicht mal so richtig einen Namen.

Geben wir dieser Bewegung einen Namen! Geben wir ihr eine Zukunft!

Ich schreibe selten Amazon-Rezensionen. Eigentlich nur, wenn ich von einem Kauf positiv überrascht oder enttäuscht wurde. Neulich bin ich aber über ein Produkt gestolpert… da musste ich das Ding nicht mal kaufen, um eine Meinung dazu zu haben.

Neutrogena hat jetzt ein Gerät auf dem Markt gebracht, das nach 30 mal benutzen absichtlich kaputt geht. Den Aktivator. Es ist ein 170 Gramm schweres Elektrogerät und kostet rund zehn Euro.

Und was tut dieses Gerät? Es zählt runter, wie oft man es noch benutzen kann.

Klingt bescheuert? Richtig. Warum sollte es dann jemand kaufen? Weil man nur damit ein anderes Plastikgerät zum Laufen bringen kann: Eine LED-Maske gegen Akne, deren Wirksamkeit MINDESTENS umstritten ist.

Ihr kennt die Debatte um die Geplante Obsoleszenz vielleicht: Da gibt es zum Beispiel die Frage, warum das iPhone mysteriöserweise immer genau dann langsamer wird, wenn ein neues Modell erscheint. Was Neutrogena hier macht, setzt aber einen neuen Tiefpunkt.

Und das dürfen wir nicht durchgehen lassen.

Mehr dazu (und ein mühseliger „Star Trek“-Vergleich) in meiner Rezension. Wen es interessiert, hier ist der Link zu meinem Rant bei Amazon.

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