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Der technische Proof of Concept ist erbracht: Cloud Gaming funktioniert. Aktuelle Spiele überall spielen, wo man Internet hat! Also überall, außer in Deutschland. Klingt nach Zukunft. Wenn da nicht das Thema Exklusivität wäre…

Läuft

Warum eine Konsole kaufen, wenn ich das Spiel auch gestreamt bekommen kann?  Es ist schon verrückt: Da schickt man per Controller seinen Tastendruck irgendwo in die Cloud, dort wird das Spiel berechnet und per Videostream in HD zurückgeschickt. Und am Ende fühlt sich das flüssig an. Klar, eSports-Titel machen so noch keinen Sinn. Aber ich war im Test wirklich überrascht, wie flüssig die Spiele bei Stadia, Geforce Now und Co laufen, wenn man stabiles Internet hat.

Wenn da nicht die Sache mit den Rechten wäre.

Als Early Adopter von Google’s Dienst Stadia begann meine „Cloud Gaming“-Erfahrung mit der Founder’s Edition und Red Dead Redemption 2. Durchgespielt – begeistert. Runde Sache. Und dann ging die Nerverei los.

Stadia-Stau

Da die kostenlosen Stadia-Pro-Titel mich nicht wirklich überzeugen konnten – Landwirtschaftssimulator, vielen Dank – wollte ich mir ein neues Spiel dafür kaufen. Spiel meiner Wahl wäre Fallen Order gewesen, aktueller „Star Wars“-Titel von EA. Das Problem: Das kann man nicht über Stadia kaufen.

Denn dort gibt es inzwischen nur eine erschreckend geringe Auswahl an Spielen. Und EA-Spiele machen sich rar. Vermutlich entweder, weil EA einen eigenen Streaming-Dienst plant. Oder, weil EA die Hoheit über die Nutzer-Daten nicht abgeben möchte und auf eine Integration ihres verhassten Origin-Dienstes drängt. Danke für nichts.

Geforce Later

Grund genug, Stadia untreu zu werden. Denn Grafikkarten-Hersteller Nvidia springt überraschend schnell auf das (für ihn disruptive) Geschäftsmodell mit auf und ist mit dem eigenen Dienst GeForce Now inzwischen aus der Beta raus. Das Besondere: Einmal über Steam (den Appstore für PC-Games) gekaufte Spiele können in der Cloud installiert und gestreamed werden.

Könnten. Denn erstens klappt das noch nicht bei allen Spielen zuverlässig. Und zweitens erkennt mein Cloud-Steam meinen Controller nicht. Und mit Maus und Tastatur möchte ich das sicher nicht zocken. Plus, ich müsste es dann umständlich über meinen Laptop per HDMI auf meinen Fernseher beamen, wenn ich ohne Lag im Wohnzimmer spielen will.

Dann lieber eine gemütliche Runde Overwatch aus der Cloud? Nö, denn sämtliche Blizzard-Spiele wurden kurzerhand aus GeForce Now entfernt. Vermutlich weil einer der beiden Parteien eingefallen ist, dass man da ja mal über Rechte verhandeln könnte – nachdem der Dienst aus der Beta raus ist und Leute Geld dafür bezahlen. Vielleicht später. Top. Und dann, hupsi, der selbe Käse mit Bethesda.

Playstation No

Vielleicht sollte ich Fallen Order einfach aufgeben? Immerhin gibt es gerade mit Death Stranding ein von der Presse als „groß, rätselhaft und nervenaufreibend“ gefeiertes Autorenspiel von Hideo Kojima. Das gibt es auf der Playstation. Aber eben nicht auf Playstation Now, dem dazugehörigen Streaming-Dienst.

Für den Streaming-Dienst gibt es dafür – Zitat Website – „aktuelle Blockbuster“ wie Overcooked 2, das inzwischen auch für den Taschenrechner meiner Oma verfügbar ist.

Fazit

Was beim Video-Streaming die Streaming Wars sind, erwartet uns jetzt auch für Videospiele. Nur: Noch etwas komplizierter, nerviger und kleinteiliger.

Die Anbieter müssen jetzt nachlegen und ihre Lizenzvergabe aufräumen, um die Spieler nicht abzuhängen. Beim Kampf der Plattformen für lokales Spielen (Steam vs. Epic Store vs. Origin und Co.) haben wir inzwischen einen aus meiner Sicht annehmbar konsolidierten Zustand des Marktes. Da muss Cloud Streaming auch hin.

Gelingt das auf absehbare Zeit nicht, wird die Cloud nicht marktfähig. Bestenfalls bleiben die Spieler dann bei der Heimkonsole. Schlimmstenfalls rollen sie wieder die Piratenflagge aus.

Ach, und wir brauchen in Deutschland mal endlich Glasfaser in die Häuser. Aber das sagen Experten ja nur seit 20 Jahren. Die anderen Länder können uns ja dann als Entwicklungshilfe ihre alten PS5 schicken, wenn Deutschland in ein paar Jahren endgültig abgehängt ist. Anderes Thema…

Der neue Stern am „Social Media“-Himmel ist vor allem für seine tanzenden Teenager bekannt. Dabei ist TikTok inzwischen viel mehr als das – und es wächst unheimlich schnell.

Was ist TikTok

TikTok ist eine Mobile App zum Ansehen und Teilen von Kurzvideos. Entwickler ist das Pekinger Unternehmen ByteDance. Differenzierendes Feature ist die Möglichkeit, Videos zu bestehenden Audiospuren aufzunehmen. Damit wurde die App vor allem von jüngeren Zielgruppen für Playback- und Tanz-Videos verwendet. Inzwischen findet sich aber eine Vielzahl an verschiedenen Video-Formaten auf der Plattform – von Tagebuch, über News-Snippets, bis hin zu Comedy.

Audio-basierte Memes

Werfen wir zuerst einen Blick auf das differenzierende Feature – besagtes Wiederverwenden von Audiospuren. Das nämlich bringt bei TikTok eine neue Art von Memes hervor.

Ein Beispiel: Es gibt einen Sound, bei dem der Sprecher sich darüber beschwert, dass seine Stiefmutter ihn in seinem Outfit nicht auf die Straße lassen möchte. Das stereotypische Video dazu zeigt zunächst die Füße des Nutzers. Am Ende des Videos filmt der Nutzer den Spiegel ab, so dass die Zuschauer besagtes Outfit sehen können. Diese Tonspur wird von TikTok-Nutzern dazu verwendet, immer absurdere Outfits in ähnlichen Kurzvideos zu zeigen. Ein Audio-basiertes Meme ist entstanden. Unklar? Ein Link sagt mehr als tausend Worte, schaut einfach hier.

Anderes Beispiel: Der Track „Choices“ von E-40 – mit dem distinktiven „Yup… No… Yup… No“ – wird ebenfalls als beliebte Tonspur verwendet. Dazu stellen sich die Nutzer einfach selbst Fragen per Text-Overlay, ähnlich wie in Instagram-Stories. Die Fragen werden dann durch den Sound „beantwortet“. Hier zum selbst Anschauen.

Diese Audio-basierten Memes sind nicht der einzige Art von Video-Content auf der Plattform. Sie sind aber definitiv das differenzierende Feature der App, das TikTok erfolgreich macht. Denn junge digitale Zielgruppen lieben Selbstinszenierung und sie lieben Memes. Und Audio-Memes kombinieren beides auf eine vollkommen neue Art.

Der For You Feed

Auch, wenn die Audio-basierten Memes die App einzigartig machen, finde ich einen anderen Aspekt sogar noch spannender: Die Zusammenstellung der Inhalte auf der Startseite. Grundsätzlich kann der Nutzer beim Öffnen der App zwischen zwei Ansichten umschalten:

  • „Folge ich“ – Videos aller Nutzer, denen man folgt (wie die Startseite von Instagram)
  • „Für dich“ – Algorithmisch personalisierte Videos (wie die Explore-Seite von Instagram)

„Für dich“ ist Default. TikTok geht hier also den Weg, den auch Facebook, Twitter, Instagram und YouTube seit Jahren verfolgen: Alle diese Netzwerke haben nach und nach die Aufmerksamkeit der Nutzer aktiv verschoben: Weg von der reinen Auflistung der Inhalte der verfolgten Accounts – hin zu einer Ansicht, über deren Inhalte ein „Black Box-Algorithmus“ entscheidet.

Das hat – je nach Perspektive – unterschiedliche Effekte, die jeweils einen eigenen Blogartikel füllen würden.

  • Für eher passive Nutzer bedeutet es, dass sie ein Stück weit die Kontrolle über die gesehenen Inhalte abgeben. Gleichzeitig bekommen sie aber schneller relevanteren, oder zumindest interessanteren, Content.
  • Für Content Creators und Marken bedeutet es, dass sie wahnsinnig schnell Reichweite aufbauen können. Denn ein vollkommen neuer Account kann einen viralen Hit landen und Views im sechsstelligen Bereich erreichen. Gleichzeitig garantieren Follower-Zahlen aber auch weniger Reichweite. Jedes Video muss sitzen.
  • Für die Plattform macht es – neutral ausgedrückt – die Moderation einfacher. Shadow Banning wird einfacher und die Reichweite von Videos kann ganz einfach beschnitten werden, ohne dass der User es merkt.

Die gesellschaftliche Bedeutung

Und dadurch wird es für uns als Gesellschaft wichtig, genau hinzuschauen, was dort passiert. Denn TikTok ist stark moderiert – bis hin zur Zensur. Die bereits bekannten Mechanismen dahinter hat diese Folge Logbuch Netzpolitik gut beleuchtet (ab ca. 16:10). Dabei geht es nicht nur um klassische erwartbare Reizthemen (wie im Fall Feroza Aziz). Es geht zum Beispiel auch um fragliche Anti-Mobbing-Maßnahmen, die die Reichweite der Opfer anstatt der Täter einschränkt.

Der „For You“-Feed macht einmal mehr deutlich, warum wir eine anhaltende gesellschaftliche Debatte darüber brauchen, wie Moderation von großen Social-Plattformen gestaltet sein soll und welche Rolle dabei die User, die Plattformen und der Staat einnehmen müssen.

Ist TikTok relevant fürs Marketing?

Apropos Marken – wie sieht es eigentlich mit TikTok für die professionelle Kommunikation aus?

Die aktuellen Nutzerzahlen und die Demografie müsst ihr googlen. Denn sobald ich sie hier reinschreibe, sind sie schon wieder veraltet. Nur so viel: Wer eine junge Zielgruppe ansprechen möchte, wird sie dort finden. TikTok ist Pflicht im Jugendmarketing.

Ja, man kann dort auch Werbung schalten. Aber was für private Content Creators gilt, gilt natürlich auch für professionelle Kommunikation: Dank der Funktionsweise des „Für dich“-Feeds kann auf TikTok unheimlich schnell organische Reichweite aufgebaut werden.

Bei Marken, die frisch dabei sind, sieht man aktuell ein Follower- und Reichweiten-Wachstum, das deutlich schneller als auf anderen Social Media Plattformen ist. Da dieses Wachstum höchstwahrscheinlich teilweise auf einem „First Mover“-Effekt basiert, rate ich zur Eile: Wer Zielgruppen-Affinität sieht, sollte jetzt einsteigen und erste Experimente wagen.

Klar ist dabei jedoch auch: Wer regelmäßig im „Für dich“-Feed auftauchen möchte, braucht nicht nur Relevanz, sondern auch Kreativität. Ein frisches, mutiges Inhouse-Team mit großen kreativen Freiheiten oder eine starke Agentur sind also Pflicht.

Warum interessieren sich Leute für TikTok?

Zuletzt noch die Antwort auf eine Frage, die mir im Zusammenhang mit TikTok immer wieder gestellt wird:

„Warum nutzen Menschen diese App?“

Oder in anderen Formen: „Ich sehe den Sinn dahinter nicht.“, „Welche Relevanz hat das?“, oder „Die jungen Leute sind seltsam.“ Die Antwort auf diese Fragen ist genauso einfach wie vielschichtig. Es ist die selbe Antwort wie auf die Frage, warum Menschen ihre politische Meinung twittern oder ihren Frühstücksquark auf Instagram teilen.

Menschen nutzen TikTok, weil sie soziale Wesen sind. Sie mögen es, ihre Meinung zu teilen und sich selbst zu inszenieren. Und sie finden es spannend, andere Menschen zu sehen und etwas über sie zu erfahren. Social Media erfüllt dieses Bedürfnis häppchenweise. TikTok tut es auf eine vollkommen neue Art.

Klar, tief- oder hintergründig ist der Content, der dort gespielt wird, in der Regel noch weniger als auf anderen Plattformen. Aber er ist dafür überdurchschnittlich kreativ. Und das macht die Plattform für mich so spannend, dass ich sie gerne ausprobiere. Ihr findet mich dort unter meinem immer genutzten Username.

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