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Digitale Pikser in die Filterbubble

Falk Ebert  4. März 2019  Keine Kommentare  3 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

Dass das Internet spalten kann, wissen wir alle: Polarisierende Tweets. Facebook-Gruppen als kuratierte Echokammern. Discord-Server von Extremisten, die die Weltherrschaft planen.

Digitale Möglichkeiten zum sinnvollen Austausch über politische Lager hinweg gibt es jedoch wenig. Und doch gibt es sie. Und ich halte sie für verdammt wichtig. Deshalb möchte ich heute einige davon vorstellen.

Einfach mal reden

Conversations with people who hate me ist ein solches Beispiel. Der Host Dylan Marron ruft im Podcast Leute an, die ihm im fürchterliche Online-Kommentare um die Ohren gehauen haben. Oder er bringt Menschen zusammen, die sich in sozialen Medien wegen politischer Differenzen in die Wolle bekommen haben. Und siehe da, plötzlich können diese Menschen vernünftig miteinander reden – wie Menschen eben. Das ist manchmal für meinen Geschmack etwas zu pädagogisch und ich teile auch nicht immer die Meinung von Dylan. Aber genau darum geht es ja. Ich schätze den Versuch!

Online-Kommentare ernst nehmen

Im Deutschen ist mir ein solcher Podcast nicht bekannt. Aber ich finde es spannend, was Sascha Lobo in seinem Debattenpodcast macht. Dort wählt die Redaktion Kommentare unter seiner Kolumne aus, auf die er dann ausführlich eingeht. Natürlich ist das Ganze durch die selektive Auswahl immer noch sehr asymmetrisch. Aber ich finde, das Format trägt dennoch zum Dialog über politische Lager hinweg bei. Definitiv besser als die Kollegen im Journalismus, die einfach die Kommentarspalten schließen.

Mit „denen“ chatten

Wer selbst mal etwas außerhalb seines politischen Lagers diskutieren möchte, kann sich Chat-Angebote wie Diskutier mit mir anschauen. Dahinter steckt ein gemeinnütziger Verein, der Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zusammenbringen möchte. Im Großen Stil kennt man das Prinzip auch von der Aktion Deutschland spricht, die die Zeit regelmäßig veranstaltet.

Struktur in die Diskussion bringen

Für mehr Struktur bei immer wiederkehrenden Debatten finde ich auch Kialo interessant. Dort strukturiert man Argumente und Gegenargumente (und deren Argumente und Gegenargumente) zu großen Fragen wie der Homöopathie. Dadurch entsteht gewissermaßen das Gegenteil zu Fernseh-Talkshows. Bei Anne Will versuchen die Gäste, ein bis zwei oberflächliche und rhetorisch gut funktionierende „Talking Points“ in der Sendezeit zu platzieren. Kialo versucht hingegen, allen Argumenten Raum zu geben. Und dann herauszufinden, welche Gegenargumente es gibt und wie diese zu gewichten sind. Dadurch bildet sich die „Struktur“ einer Debatte heraus, die uns als Diskutierende tatsächlich einen Schritt weiter bringt.

Etwas vergessen?

Die Debattenkultur in den Demokratien unserer Welt leidet gerade etwas. Keiner der vorgestellten Contents oder Dienste wird hier den Karren aus dem Dreck ziehen. Und doch können diese Beispiele etwas dazu beitragen, davon bin ich überzeugt.

Vielleicht habt ihr ja selbst noch ein positives Beispiel. Ich würde mich freuen, wenn ihr es in den Kommentaren mit mir teilt!

Niemand mag Androiden

Falk Ebert  4. Februar 2019  Keine Kommentare  2 Minuten zu lesen  Technologie

Mein erster Kontakt mit Mensch-Roboter-Interaktion war in den 90er Jahren. In dem großen Stapel Geo-Magazine meiner Eltern entdeckte ich einen Artikel über Kismet, einen Roboter des MIT.

Kismet hatte Kameras, Spracherkennung und 21 Motoren als Gesichtsmuskeln. Für mich war er einfach nur creepy.

Im Jahr 2000 wurde die Forschung daran eingestellt. Bis heute interagiert niemand mit halb-menschlichen Gesichtern mit Elektromotoren als Gesichtsmuskeln. Und eigentlich hätte es das MIT besser wissen müssen. Denn schon seit den 70er Jahren kennen wir den Effekt des Uncanny Valley: Ein halb gelungener Androide ist immer gruseliger als eine gut gelungene Abstraktion.

Und spätestens 1977 war klar: Wären Androiden cooler, wäre der sprechende und laufende C3PO der Liebling der Star Wars Fans. De facto ist es aber die piepsende Cola-Dose R2D2.

Es lohnt sich einfach nicht, Roboter menschlicher machen zu wollen. Man muss sie nur Gefühle ausdrücken lassen.

Wie es zum Beispiel unser Staubsauger-Roboter macht: Wenn er fertig mit der Arbeit ist, piepst er kurz erleichtert, wird erschöpft und leise, um dann ganz vorsichtig zu seiner Ladestation zurückzufahren. Natürlich sind die Silizium-Synapsen dieses Geräts nicht in der Lage, Erleichterung, Erschöpfung oder Vorsicht zu verstehen. Aber wen interessiert das? Ich bin jedes mal verzückt, wie niedlich er dabei ist.

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