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Meine Top 3 der SXSW 2019

Falk Ebert  1. April 2019  Keine Kommentare  2 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

Wie war es in Austin bei der South by Southwest?

Ich antworte auf diese Frage immer so: Das Feeling in der Stadt ist etwas ganz Besonderes. Die Qualität der Sessions schwankt zwischen „mündliche Abiturprüfung“ und „absolute Weltklasse“.

Zwischen all den Eindrücken, Vorträgen, Workshops, Ausstellern und Kunstinstallationen sind mir jedoch drei Dinge besonders in Erinnerung geblieben.

1. Die Elektro-Tretroller

Das Stadtbild in Austin war von einer Sache geprägt: Mikromobilität in Form von elektrischen Rollern wie Lime. Man kann sie lieben oder hassen. Sie sind sicherlich nicht für jede Stadt und jedes Wetter. Aber sie sind eindeutig die einfachste Form von Shared Mobility, die ich je getestet habe. Stellt euch darauf ein, diesen Trend noch dieses Jahr in Deutschland zu erleben!

2. Das Untold AI Poster

Christopher Noessel, der vor Ort diese Session geleitet hat, hat ein fantastisches Projekt vorgestellt. Das Untold AI Poster ist eine unglaublich Fleißarbeit in zwei Leitfragen. Erstens, welche Geschichten erzählt uns Sci-Fi über AI. Zweitens, was denken AI-Praktiker, was für ihre Arbeit wichtig ist. Das Spannende ist die Differenz: Welche Geschichten sind zwar gerne in Filmen gewählt, haben aber wenig mit der Realität zu tun – und welche Geschichten sollten wir anfangen zu erzählen, um die breite Öffentlichkeit zu sensibilisieren?

3. Miro

Miro, früher noch unter dem Namen und heute noch unter der URL Realtimeboard ist fantastisch. Als ich die Produktdemo am Messestand gezeigt bekommen hatte war ich kurz mit mir selbst sauer, dass ich das Tool noch nicht früher entdeckt hatte. Es handelt sich dabei um ein unbegrenzt großes digitales Whiteboard, dass kollaborativ in Echtzeit bearbeitet werden kann. Prezi meets Schmierzettel. Mit Funktionen, die unglaublich praktisch sind – zum Beispiel die Funktion, für Elemente des Whiteboards abzustimmen. Nach Höhlenmalereien, Post-Its und Google Drive ist das für mich die nächste Revolution der Team-Arbeit!

Digitale Pikser in die Filterbubble

Falk Ebert  4. März 2019  Keine Kommentare  3 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

Dass das Internet spalten kann, wissen wir alle: Polarisierende Tweets. Facebook-Gruppen als kuratierte Echokammern. Discord-Server von Extremisten, die die Weltherrschaft planen.

Digitale Möglichkeiten zum sinnvollen Austausch über politische Lager hinweg gibt es jedoch wenig. Und doch gibt es sie. Und ich halte sie für verdammt wichtig. Deshalb möchte ich heute einige davon vorstellen.

Einfach mal reden

Conversations with people who hate me ist ein solches Beispiel. Der Host Dylan Marron ruft im Podcast Leute an, die ihm im fürchterliche Online-Kommentare um die Ohren gehauen haben. Oder er bringt Menschen zusammen, die sich in sozialen Medien wegen politischer Differenzen in die Wolle bekommen haben. Und siehe da, plötzlich können diese Menschen vernünftig miteinander reden – wie Menschen eben. Das ist manchmal für meinen Geschmack etwas zu pädagogisch und ich teile auch nicht immer die Meinung von Dylan. Aber genau darum geht es ja. Ich schätze den Versuch!

Online-Kommentare ernst nehmen

Im Deutschen ist mir ein solcher Podcast nicht bekannt. Aber ich finde es spannend, was Sascha Lobo in seinem Debattenpodcast macht. Dort wählt die Redaktion Kommentare unter seiner Kolumne aus, auf die er dann ausführlich eingeht. Natürlich ist das Ganze durch die selektive Auswahl immer noch sehr asymmetrisch. Aber ich finde, das Format trägt dennoch zum Dialog über politische Lager hinweg bei. Definitiv besser als die Kollegen im Journalismus, die einfach die Kommentarspalten schließen.

Mit „denen“ chatten

Wer selbst mal etwas außerhalb seines politischen Lagers diskutieren möchte, kann sich Chat-Angebote wie Diskutier mit mir anschauen. Dahinter steckt ein gemeinnütziger Verein, der Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zusammenbringen möchte. Im Großen Stil kennt man das Prinzip auch von der Aktion Deutschland spricht, die die Zeit regelmäßig veranstaltet.

Struktur in die Diskussion bringen

Für mehr Struktur bei immer wiederkehrenden Debatten finde ich auch Kialo interessant. Dort strukturiert man Argumente und Gegenargumente (und deren Argumente und Gegenargumente) zu großen Fragen wie der Homöopathie. Dadurch entsteht gewissermaßen das Gegenteil zu Fernseh-Talkshows. Bei Anne Will versuchen die Gäste, ein bis zwei oberflächliche und rhetorisch gut funktionierende „Talking Points“ in der Sendezeit zu platzieren. Kialo versucht hingegen, allen Argumenten Raum zu geben. Und dann herauszufinden, welche Gegenargumente es gibt und wie diese zu gewichten sind. Dadurch bildet sich die „Struktur“ einer Debatte heraus, die uns als Diskutierende tatsächlich einen Schritt weiter bringt.

Etwas vergessen?

Die Debattenkultur in den Demokratien unserer Welt leidet gerade etwas. Keiner der vorgestellten Contents oder Dienste wird hier den Karren aus dem Dreck ziehen. Und doch können diese Beispiele etwas dazu beitragen, davon bin ich überzeugt.

Vielleicht habt ihr ja selbst noch ein positives Beispiel. Ich würde mich freuen, wenn ihr es in den Kommentaren mit mir teilt!

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