Navigation

Gefährlich Gut 4: Daddeln mit Diversity

Falk Ebert  8. Mai 2017  1 Kommentar  2 Minuten zu lesen  Gaming

Mir fallen spontan einhundert Gründe ein, wie ich diesen Artikel beginnen könnte. Ich könnte darüber schreiben, warum „Gamer“ sich einer politischen Diskussion öffnen müssen, wenn sie möchten, dass ihr Lieblings-Kulturgut als solches ernst genommen wird. Ich könnte darüber meckern, wie unfassbar langweilig und uninspiriert die meisten Videospiele ihre Charaktere zeichnen. Oder ich könnte darüber philosophieren, wie krass kulturell arm einem die westliche Medienlandschaft erscheint, wenn man mal etwas um den Globus reist.

Letztendlich geht es mir aber darum: Ich möchte anmerken, wie wundervoll Overwatch das Thema Diversity hinbekommt.

Ich kenne kein Spiel, das kulturelle Vielfalt und Inklusion so gut meistert wie Overwatch.

Als Team-Shooter ist Overwatch vor allem durch die spielbaren Helden geprägt. Und die machen unendlich viele grüne Häkchen auf der Diversity-Gutmenschen-Liste: Gender, Body Types, Kultur, Equality, sexuelle Orientierung, Behinderungen, …

Overwatch hat Platz für den klischeehaften, amerikanischen, maskulinen Helden mit der Wumme in der Hand, ebenso wie für den gechillten Surfer-Typen aus Brasilien. Im Team ist eine Schweizer Ärztin im Barbie-Look, aber auch eine russische Bodybuilderin. Sogar Tiere und künstliche Intelligenzen sind spielbar. Der zuletzt hinzugekommene Held ist ein Roboter, den ein Mädchen aus Afrika zusammen gebaut hat.

Auch wenn das in der Summe sehr bemüht klingt, haut Overwatch dem Spieler die Diversity-Schaufel nicht mitten in die Fresse. Die Vielfalt findet eher unaufgeregt und beiläufig den Weg in die „Lore“ des Universums.

Tracer wurde zum Beispiel nicht von Anfang an als Lesbe vermarktet. Ihr Coming-Out hatte sie in einem parallel zum Spiel erschienenen Comic, in dem sie Geschenke für ihre Freundin besorgt. Ebenso subtil waren die Hinweise darauf, dass die indische Architektin Symmetra autistisch ist.

Bei aller Leichtfüßigkeit in der Umsetzung – dahinter steckt bewusste, harte Arbeit. Wie schafft man es, ein Spiel zu programmieren, dass die ganze Welt abbildet? Wie positioniert man sich in aufflammenden Diskussionen? Wie bringt man Spielcharaktere aus aller Welt glaubhaft zusammen?

Das Team hinter Overwatch stellt sich diese Fragen. Und ich bin mir sicher, dass das einen nachhaltigen Effekt auf die Games-Landschaft der Zukunft haben wird.

Danke, Lead Designer Jeff Kaplan. Danke, Blizzard.

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.

  • Find ich gut! Muss eben im Alltag ankommen… auch im Gamer-Alltag. 😉