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Hört mal auf mit eurem Content-Zeugs!

Falk Ebert  30. Januar 2017  Keine Kommentare  3 Minuten zu lesen  Marketing

Die Branche spricht seit Jahren über Content Marketing. Ich wollte heute mal zeigen, wie so was aus Konsumenten-Perspektive aussehen kann, wenn es schief läuft.

Storytime

Ich sehe bei Nerdcore einen Artikel (Sponsored) über „Hyundai IONIQ“. Der Artikel ist Quatsch, aber das ist mir egal. Einerseits, weil der Autor das selbst so reflektiert, andererseits, weil ich mich ohnehin für das Thema interessiere. Ich klicke mich also auf die Kampagnen-Seite durch. So weit so gut – Werbung wirkt.

Was mich da allerdings erwartete, war ein Desaster.

Auf der Startseite erst mal ein livestyliges Video im Vignette-Roulette-Stil. Autoplay. „Wagen wir es einfach und schaffen uns ein besseres Morgen. Schon heute.“ Okay. Ich soll Teil einer Generation von irgendwas werden. Die Revolution. Okay.

Ertragen, weitergeklickt.

Microsite der Kampagne

Mich erwarten drei Charaktere, eine hat ein Kaffeebecher in der Hand. Ich interessiere mich aber für das Auto. Also klicke ich auf den Button, der mich hoffentlich endlich zur Vorstellung der Autos führt. „Der IONIQ Hybrid“. Klick.

Nachdem ich also drei mal mein Interesse per Klick am Auto bekundet habe, bekomme ich folgende Ansicht:

Ioniq Hybrid SeiteHälfte Auto, Hälfte Ben.

WER IST DIESER  BEN??

Ah, das Weiterscrollen erklärt es. Er lebt in Frankfurt, „war als Kind ein Fan von Zauberwürfeln“ und mag Laufen.

Als Projektionskünstler ist man überall gefragt. Das Arbeitstempo ist hoch, und man ist nicht nur in der ganzen Stadt unterwegs, sondern manchmal auch in anderen Ländern.

Was folgt, sind komische Zitate von Ben, kombiniert mit komplett nichtssagenden Aussagen.

Ich steige ins Auto, lege mein Smartphone auf die Konsole und es lädt sich auf – wie durch Magie.

Ernsthaft, Ben? Magie? Ernsthaft?

Durch längeres Scrollen entdecke ich doch noch zwei Fakten zum Auto auf der Seite. Es beschleunigt in 10,8 Sekunden von null auf hundert. Und es wird 185 km/h schnell. Wow.

Bei Streifzügen auf anderen Seiten erklärt mir „Leonie, Bloggerin“:

Das Gute am Bloggen ist: Man kann überall arbeiten. Doch es kann auch mal hektisch werden, wenn man über Musik-Events berichten muss, die über das ganze Land verstreut sind.

Und „David, auf einem Bauernhof aufgewachsen“ hat auch noch etwas beizutragen:

Als Musikproduzent arbeitet man mit erfolgreichen Künstlern und Musikern zusammen. Da gehört Reisen zum Job. Ein ständiges Pendeln von Studios zu Veranstaltungsorten und allem, was dazwischen liegt.

Was ist denn jetzt mit IONIQ?

Ich interessiere mich für Zauberwürfel, ich interessiere mich für Bloggen, ich interessiere mich für Musik. Ich bin der Zielgruppe vermutlich gar nicht mal so unähnlich. Und dennoch interessiert mich euer Quatsch einfach nicht. Ich wollte einfach nur etwas über das Produkt erfahren:

  • Was ist IONIQ?
  • Welche Modelle gibt es?
  • Was können die, was andere Elektros nicht können?
  • Was kosten sie?

Warum ich mich über so etwas aufrege? Weil ich den Entstehungskontext kenne. Irgendwo, in einer Agentur, gab es mal eine Powerpoint-Folie. Und da stand so etwas drauf wie „Durch unseren Content-Approach mit Influencern verbinden wir authentische Geschichten aus der Lebenswelt unserer Zielgruppe mit dem Produkt.“

Dabei wollte ich doch einfach nur das Produkt kennenlernen. Vielen Dank.

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.