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Deutschland ist zu langsam.

Falk Ebert  22. Oktober 2012  4 Kommentare  2 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

Y U NO FASTER, liebes Deutschland

Es gibt so Momente, da zweifelt man an der Menschheit. Naja, vielleicht nicht an der Menschheit als Ganzes. Mindestens aber an Deutschland als Staat.

Einen solchen Moment habe ich letzte Woche erlebt. Als ich an den Info-Screens am Hamburger Hauptbahnhof lesen musste, dass die Kultusminister jetzt den Weg für gemeinsame Abiturstandards ab 2017 geebnet haben. Ernsthaft? Ich musste das sofort auf meinem Smartphone nachprüfen. Und tatsächlich: zwei-tausend-fucking-sieb-zehn!!

Laut der FR wird schon seit drei Jahren an diesem Thema gebastelt, laut dradio gehen die Diskussionen um ein Zentralabitur bis in das Jahr 2007 zurück. Und was soll dann, nach zehn Jahren, dabei rauskommen? Die Süddeutsche nennt es einen „ganz kleinen Schritt“:

Es wird also nicht der föderale Flickenteppich entsorgt – es werden nur ein paar hübsche Fäden eingewoben, sie machen ihn etwas ansehnlicher.

Glückwunsch! Wir haben gerade für einen „ganz kleinen Schritt“ zehn Jahre veranschlagt. Kleine Milchmädchenrechnung: Wenn man nur zwei in Vollzeit angestellte Bildungsexperten zehn Jahre lang arbeiten lässt, hat man rund 33.000 Personenstunden zur Verfügung. Zweiter, vorsichtiger Hinweis: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat alleine im letzten Jahr 11,9 Milliarden Euro zur Verfügung gehabt. Das hat zwar alles nur begrenzt mit dem Zentralabitur zu tun, was ich aber sagen möchte: Da muss mehr drin sein!

 

Wie wollen wir es schaffen, auf die immer schnelleren Veränderungen in der Lebens- und Arbeitswelt unserer Kinder einzugehen, wenn wir in diesem Tempo arbeiten? Wie wollen wir Deutschland auf den demografischen Wandel vorbereiten? Wie auf eine Welt, in der nur Professionals noch eine Chance haben? Wie auf den technischen Wandel, der exponentiell schneller wird?

Vor zehn Jahren gab es kein Twitter, kein Facebook, kein iPhone, keine Tablets, kein App-Store. Und unser Bildungssystem ist immer noch damit beschäftigt, genug Computer in die Schulen zu schaffen, oder wenigstens mal eine anständige WLAN-Verbindung für alle Schüler als Pflicht zu deklarieren. Hallelujah.

Ja, die Mühlen der Demokratie mahlen nicht schnell. Aber müssen unsere politischen Prozesse in Deutschland wirklich so schmerzhaft langsam sein?

Es tut mir physisch weh.

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Falk Ebert

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.