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Die vier wichtigsten Firmen im Digitalen: Ihr Umsatz. Ihre Stärken. Ihre Schwächen.

Falk Ebert  16. Juli 2012  1 Kommentar  5 Minuten zu lesen  Internet und Social Web

Die big 4

Vier Firmen dominieren das Internet: Facebook, Google, Amazon und Apple. Und daran wird sich auch in den nächsten Jahren wenig ändern. Die vier größten Schlachtfelder für die nächsten Jahre sind:

  1. Neue Werbeflächen und -Formen
  2. Ökosysteme für Premium-Content
  3. Mobile Devices und Mobile Usecases
  4. Massentaugliche Cloud-Lösungen

Schon lange an den Rand des Geschehens verbannt: Deutsche Firmen. Hierzulande hat man die gigantischen Märkte, die das Internet bietet, zu spät erkannt. Plus, es ist noch heute fast unmöglich, in Deutschland genug Startkapital für den Pokertisch „Internet“ zu bekommen. Das traurige, aber selbstverschuldete Ableben von StudiVZ spricht Bände.

Ich möchte heute einen Blick auf die vier großen amerikanischen Firmen werfen. Neben den blanken Zahlen gibt es auch eine persönliche Einschätzung zu ihren Kernkompetenzen und Schwächen.

Die Zahlen von Facebook

Mitarbeiter: circa 4.000
Umsatz: 3.711 Mio. USD (2011)
Gewinn: 1.000 Mio. USD (2011)

Die Stärke von Facebook

Naheliegend: Facebook kann „social“. Facebook hat das soziale Internet begründet, oder zumindest neu definiert. Was Facebook aber wirklich groß gemacht hat, ist das konsequente und weitsichtige, strategische Weiterentwickeln ihres Produktes.

Vom Party-Fotoalbum zum Freude-Buch zum sozialen Raum zum an der semantischen Lücke knabbernden Identitäts-Provider. In nicht mal zehn Jahren. Und das immer a) in der Balance zwischen Usern und Werbekunden und b) mit einer ganzheitlichen Weitsicht. Jedes Feature, jedes Tool, jede grafische Entscheidung lässt bei Facebook eine strategische Roadmap erkennen. Wenn man genau hinsieht.

Die Schwäche von Facebook

Facebook hat ein PR-Problem. Keiner vertraut oder liebt Facebook. Wir nutzen es hauptsächlich wegen seiner Marktmacht. Und weil es technisch verdammt gut ist.

Dass sie keine Hardware haben, muss nicht unbedingt eine Schwäche sein. Solange es hier noch kein Quasi-Monopol gibt, kann Facebook nur profitieren.

Aber noch etwas anderes sollte Marc Sorgen machen: Facebook kann kein Mobile. Schon mal die Facebook-iPad-App getestet? Widerlich. Und während das Smartphone das Internet-Device Nr. 1 wird, macht Facebook mobil noch kaum Umsatz. In diesem Zusammenhang ist übrigens auch die Hausnummer der Instagram-Akquise zu sehen.

Die Zahlen von Google

Mitarbeiter: circa 32.000
Umsatz: Mio. 37.905 USD (2011)
Gewinn: 9.737 Mio. USD (2011)

Die Stärke von Google

Ebenso naheliegend: Google kann gut suchen. Das gilt aber nicht nur für die Suchtreffer des core products. Sondern eben auch für die Anzeigen, die in den verschiedenen Produkten ausgeliefert werden. Die werden nämlich mit enorm klugen Algorithmen ausgesucht.

Wie tief das Suchen in der Firma verankert wird, sieht man bei allen ihren Produkten. YouTube ist die zweitgrößte Suchmaschine der Welt (nach Google.de). Viele Android-Handys haben einen Such-Button. Und demnächst sucht Google schon, bevor du überhaupt gefragt hast.

Die Schwäche von Google

Würden wir es nicht jeden Tag sehen, würde man das Google-Logo nicht ernst nehmen. Design ist kein Teil der Firmen DNA. Mehr als Minimalismus können sie nicht.

Deutlich schlimmer: Das „friends thing„. Google kann kein social. Und solange sie die API für Plus nicht endlich aufmachen, sehe ich auch keinen Grund, warum Google hier demnächst einen Fuß in irgendwelche Türen bekommen sollte.

Die Zahlen von amazon

Mitarbeiter: circa 40.000
Umsatz: 48.077 Mio. USD (2011)
Gewinn: 631 Mio. USD (2011)

Die Stärke von amazon

Die Marke amazon lebt von fulfillment. Nicht nur im klassischen Sinne, sondern im Wortsinne: Befriedigung / Erfüllung. Kurz, es funktioniert eben.

Und es funktioniert beispielweise schnell. Weil Amazon weiß, dass eine Sekunde 1.6 Milliarden Dollar kosten kann. Und es funktioniert vom Lager bis zum Kunden, vom Kindle bis zum Cloud Service, weil Amazon bei allem konsequent auf die Vorteile der Digitalisierung setzt. Das hat sie groß gemacht.

Die Schwäche von amazon

Amazon funktioniert bedingungslos. Das ist mehr, als die Produkte und Dienstleistungen der meisten Anbieter halten können. Genau das ist die Marke, aber eben nicht mehr.

Amazon hat keine Marke im klassischen Sinne. Keine psychologischen Anker, keine Tonalität, keine Bildwelten, keine Markenassets.

Okay, das ist für mich auch nicht relevant, wenn ich mir ein Bügeleisen kaufen möchte. In anderen Bereichen aber schon. Wie zum Beispiel bei der Mode. Hier können Unternehmen wie Zappos mit stark emotionaler Positionierung (Create Fun and A Little Weirdness) angreifen. Und die muss amazon dann kaufen. Auch wenn es weh tut.

Die Zahlen von Apple

Mitarbeiter: circa 60.000
Umsatz: 108.249 Mio. USD (2011)
Gewinn: 19.201 Mio. USD (2011)

Die Stärke von Apple

Aufgefallen? Apple hat als einziges Unternehmen der vier eine Bildmarke als Logo. Apple ist Design. Wer hier aber nur an den Apfel, die Helvetica und das von Braun inspirierte Plastik-Design denkt, hat es nicht verstanden.

Wieviele Hardware-Hersteller liefern gute Firmware zu ihren Produkten aus? Mehr als eine Handvoll sind es nicht. Und deswegen spricht man bei Apple auch nicht von Firmware, sondern von „hybridem Design“, der Symbiose von Hard- und Software, wie es sie nirgendwo sonst gibt.

Und mehr als das: Apple designt die entsprechenden Ökosysteme für Programme (aka Apps) und Premium-Content gleich mit. Und designt damit letztendlich sogar das Nutzungsverhalten der Kunden erschreckend zielführend. McLuhan lässt grüßen. Denkt mal drüber nach!

Die Schwäche von Apple

Auch hier wieder das Ding mit den Freunden. Im Gegensatz zu Google hat es Apple nicht verschlafen, sondern fahrlässig ignoriert. Es hat nicht in die Denke von Steve Jobs gepasst. Und weil Ping ein kompletter Misserfolg war, die Verhandlungen mit Facebook wenig fruchtbar waren und die Twitter-Integration in iOS5 viel zu spät kam, hat Apple heute den Salat.

Aus meiner Sicht ist eine vernünftige Social-Strategie eine der wichtigsten Herausforderungen der Post-Jobs-Ära.

So groß und so mächtig diese vier Firmen auch sind, keine ist frei von Fehlern und Problemen. Und am Ende des Tages ist das auch gut so, lebt doch genau davon eine Marktwirtschaft. Ich freue mich über eure comments!

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Falk Ebert

Falk Ebert

Falk Ebert hilft Firmen, die Vorteile der Digitalisierung für ihr business zu nutzen. Neben dem Technologie-Optimismus ist er getrieben von seiner Liebe für die Wissenschaft, das Reisen in neue Länder und das Lernen von neuen Sprachen.