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Fünf Gründe, warum ihr auch ohne Kony Action Kit ein guter Mensch sein könnt.

Falk Ebert  19. März 2012  11 Kommentare  3 Minuten zu lesen  Internet / Socialweb allgemein

Ein süßer kleiner Junge, Social-Media-Plattitüden und schließlich ein Call-to-Action, der V Konkurrenz machen könnte: Das Video zu Kony 2012  hat alles, was ein Viral braucht – und ist dementsprechend erfolgreich.

82 Millionen Views sprechen für sich.

Also schnell noch ein Action Kit kaufen, sobald sie wieder verfügbar sind? Wir haben fünf Fakten für euch, die ihr im Hinterkopf haben solltet, wenn das Video das nächste mal auf eurer Facebook-Startseite auftaucht.

1. Das lauteste Anliegen ist nicht unbeding das dringendste.

Selten hat die Welt so ein effektives Campaigning gesehen. Großartiges Viral, gute Social Media Integration, clevere Ansprache von Trendsettern. Und dagegen ist auch absolut nichts einzuwenden: Jede NGO macht Werbung und PR, für ihren Zweck und zum Fundraising.

Man darf nur eines nicht vergessen: Das lauteste Anliegen ist nicht unbedingt das, was der Welt am dringlichsten fehlt. Und auch wenn Invisible Children das Gegenteil suggeriert, ist das Jagen eines quasi inaktiven Kriegsverbrechers vielleicht nicht das, was am effektivsten Menschenleben rettet.

Off Topic: Wenn das für euch ebenso logisch wie interessant klingt, könnte der Artikel Efficient Charity: Do Unto Others… auf lesswrong einen Blick wert sein.

2. Es gibt da ein paar offene Fragen.

Auch wenn die Verhaftung und Bestrafung von Kony sicherlich etwas “we can all agree upon” ist, bleiben ein paar Fragen offen. Beispielsweise, warum ausgerechnet schwulenfeindliche Hardcore-Christen wie die National Christian Foundation die Organisation mit hunderttausenden Dollars finanzieren. Mehr beispielweise hier. Ganz persönlich stellt sich mir die Frage, ob das spontane Interesse der USA an politischer Stabilität in Uganda der letzten Jahre nicht doch etwas mit den gigantischen Ölfunden dort zu tun hat.

Fairerweise muss man einwenden, dass Invisible Children relativ offen und zügig auf Kritik reagiert. Selbst im Vergleich mit anderen NGOs.

3. Auch Ugandaer sind skeptisch.

Ihr könnt euch vorstellen, dass das Video nicht nur im Westen diskutiert wird. Und was aus Afrika zu hören ist, ist kein uneingeschränktes “Hurra”.

Der Spiegel zitiert die ugandische Journalistin Rosebell Kagumire:

Das Video klammert alle Friedensbemühungen aus und simplifiziert den Krieg gegen Joseph Kony – einen durchgeknallten Teufel. Dieser Krieg ist mehr als nur Joseph Kony, und die Amerikaner werden nicht diejenigen sein, die ihn beenden.

Guter Text dazu auch hier.

4. Nicht nur Invisible Children jagt Kriegsverbrecher.

Auch wenn es im Kony 2012 Video so dargestellt wird: Der Westen ist sich der Problematik um Kriegsverbrecher und afrikanische Kindersoldaten durchaus bewusst. Erst kürzlich gab es ein “historisches Urteil” (Tagesthemen) gegen den kongolesischen Rebellenführer Lubanga.

Richtig ist es, Aufmerksamkeit für das Thema Kindersoldaten und Kindermissbrauch auf afrikanischen Kriegsschauplätzen zu schaffen. Falsch ist es, so zu tun, als ob die Verurteilung von Kony der Dreh- und Angelpunkt dieser Problematik sei.

5. Ihr könnt auch ohne das Action Kit dabei sein.

Zurück zur Headline dieses Artikels, den Action Kits. Diese 30 Dollar teuren Boxen finde ich besonders kritikwürdig. Denn auch ohne T-Shirt und Armbändchen lässt sich für eine gute Sache werben. Hallo, Internet? Copy Shop? Das so gesparte Geld lässt sich besser einsetzen, zum Beispiel mit einer direkten Spende. Denn von Kony hat inzwischen jeder erfahren. Geteilte YouTube-Videos alleine retten keine Menschenleben.

Fazit

Ich möchte nicht explizit davon abraten, für Invisible Children zu spenden. Dass die ganze Sache ein “Geschmäckle” hat, steht für mich aber außer Frage. Abschließend kann ich also nur raten, euch selbst tiefer in die Materie einzulesen. Es gibt viele Organisationen, die Geld brauchen.

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Falk Ebert

Falk Ebert

Falk Ebert ist Senior Strategy Consultant bei Scholz & Friends one:zero. Er hilft Unternehmen die Chancen der Digitalisierung optimal für ihr Business zu nutzen – von kleinen NGOs bis hin zu internationalen Marken wie Siemens, Opel und Vodafone.

  • http://www.facebook.com/julian.bossert Julian Bossert

    Ich will bitte ein Gefahrgut Action Kit :D

    • http://www.falkebert.de Falk Ebert

      Kannste haben, musst aber persönlich in Hamburg abholen. :P

  • http://www.facebook.com/marco.jakob Marco Jakob

    Richtig “Irre” wird das ganze dann durch den Zusammenbruch (hm, kommt schon hin… http://thedailywh.at/2012/03/18/follow-up-of-the-day-more-on-jason-russells-visible-meltdown/ ) von Jason Russell… Wird Zeit den Old Spice Guy in den Seminarfolien zu ersetzen…

    • http://www.falkebert.de Falk Ebert

      Du meinst Jason Russel als das neue Super-Viral? :)

      • http://www.facebook.com/marco.jakob Marco Jakob

        “Kids! Don’t do something Viral! Remember the Old Spice guy? He had a towel. Remeber the Kony Guy? He got more views on Youtube and ended up naked in the street” XD

        • http://www.falkebert.de Falk Ebert

          Das überzeugt natürlich. :D

  • iwanitoo

    Oh Falk… Du sprichst mir aus der Seele. Danke für diesen Artikel!!! BTW: VfB, eines der besten Comics, ever!!! (Darf ich das hier schreiben? ;-))

    • http://www.falkebert.de Falk Ebert

      Danke. :)
      Aber was für ein VfB-Comic?

      • iwanitoo

        :-)))) ich meinte natürlich VfV Comic… Telefon machte VfB!!! :-D

        • http://www.falkebert.de Falk Ebert

          Ah… und plötzlich ergibt alles Sinn. :)

  • http://frankegle.wordpress.com frankegle

    Reblogged this on ags blog und kommentierte:
    auch eingängige social media Kampagnen sollten kritisch betrachtet werden