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Nach dem Hype: Die wichtigsten Social Media Tools kurz bewertet

Falk Ebert  9. Januar 2012  4 Kommentare  5 Minuten zu lesen  Werbung mit und im Internet

Medien

Die dummen Firmen nutzen keine Social Media Tools, die dümmsten alle. Denn eine gesunde Auswahl der Kanäle ist das Alpha und das Omega bei der Konzeption aller professionellen Kommunikation mit diesem neumodischen Zeugs.

Ergo heute eine kurze Einschätzung zu: Facebook, Twitter, Google+, YouTube, Foren, Email, Blogs, Tumblr, Empfehlungs-Portalen, Instagram, Xing, StumbleUpon und Quora.

1. Facebook

Definitiv das größte virale Potential und die breiteste Userbase. Facebook ist Alltag in unserer Generation. Der Aufbau von Fanpages macht strategisch nach wie vor Sinn und wird bei vielen Brands von den Usern geradezu erwartet. Edge Rank beachten! Super, um top of mind zu bleiben, tiefergehenden Dialog kann man jedoch nicht erreichen.

2. Twitter

In Deutschland hat es Twitter schwer, ist aber definitiv noch im Kommen. Kann zum Dialog mit Multiplikatoren, Trendsettern oder schwer genervten Kunden im Service (siehe Bahn oder Telekom) genutzt werden.

Größere Reichweiten sind in der Regel schwer aufzubauen. Unbedingt echte Mitarbeiter in den Vordergrund stellen oder zum Twittern motivieren.

3. Google Plus

Auch hier stellt der reine Vertriebler schnell die Sinnfrage: Reichweitenaufbau ist nicht drin. Dafür aber echter Dialog. In keinem anderen sozialen Netzwerk haben die Comments mehr Zeichenlänge. Wer auf Qualität statt Quantität setzt, wertvolle Impulse für das Unternehmen sucht oder interessante issues zu managen hat, darf einen Blick wagen.

4. YouTube

Wer guten (teuren) Bewegtbildcontent hat, sollte auf jeden Fall überlegen, ihn auch bei YouTube hochzuladen. Dabei einfach nicht von der rüden Kommentar-Kultur abschrecken lassen. Denn nirgendwo ist der Content für den User besser erreichbar und leichter zu sharen.

5. Foren

Die guten, alten Foren – Nicht vergessen! Denn ein User wird Probleme, Fragen oder Fakten zu Produkten eher googlen, als das Unternehmen direkt bei Facebook oder Twitter anzuschreiben. Clevere Social Media Teams suchen sich also prominent gerankte Threads zu ihren Produkten oder Firmen und reden mit. Natürlich nicht als Astroturfing, sondern mit offenem Visier. Das sieht man selten, gibt es aber tatsächlich.

Eigene Foren können den Support erheblich entlasten.

6. Email

Solange Email-Kampagnen noch verkaufen, kann man den Performance-Profis den Umgang damit nicht absprechen.

Ich glaube aber kaum, dass mit Email-Newslettern heute noch love brands großgezogen werden – im Gegenteil. These: In fünf Jahren sind die aufgebauten Mailing-Listen ungefähr so viel Wert wie ein Stapel Flugzettel in der Fußgängerzone in Schnackenburg.

7. Blogs

Ein Weblog ist das, was bei Diskussionen um “Facebook, Twitter und Co.” am schnellsten unter die Räder kommt. Dabei kann ein Blog viel leisten. Vor allem bei erklärungsbedürftigen Produkten, hippen Marken oder im HR-Bereich kann ein Blog Wunder wirken. Leider jedoch zu einem Preis: Ein Blog großzuziehen kostet richtig Zeit. Fragt uns mal.

8. Tumblr

Tumblr ist und bleibt mein Geheimtipp. Wer anderswo Content hat, kann seine Reichweite hier leicht erweitern. Vor allem im Bereich Fashion und Fotografie kann man was reißen. Außerdem eignet sich Tumblr auf Grund seiner geringen Einstiegshürden extrem gut für kleinere Social-Experimente.

9. (Lokale) Empfehlungsportale

Gemeint sind: QYPE, Google Places und so weiter. Empfehlung: Ein mal für richtige Daten und eine ordentliche Darstellung sorgen. Dann ab und zu vorbei schauen und auf kritische Einträge eingehen. Besonders im Bereich Gastro ist das unerlässlich.

Das selbe gilt natürlich auch für Bewertungsportale mit anderen Schwerpunkten wie kununu.

10. Instagram

Die Foto-App schickt sich grade an, die größte “mobile” Community zu werden und wird es spätestens mit der kommenden Android-App (wann auch immer). Auch hier tun sich wieder Chancen im Bereich Fashion und Fotografie auf. Burberry hat das mit seinen 150000 Followern vorgemacht.

11. Xing

Irgendwie hat sich rumgesprochen, dass man nicht unbedingt eine Corporate Page auf Xing braucht. Für die HR-Abteilung sind Personen-Accounts aber Pflicht. Freelancer und Netzwerker können ihr Glück in den mehr oder weniger aktiven Foren versuchen, für Events lohnt es sich aber auf jeden Fall.

12. StumbleUpon

Fakt ist: Stumble bringt US-Webseiten mehr Traffic als Facebook. Weil es einfach nur süchtig macht. Deutschen Seiten und Unternehmen bringt das jedoch wenig. Wer international Marketing betreibt, sollte sich auf jeden Fall das “Paid Discovery” genannte  Werbetool als Ergänzung zu Google- oder Facebook-Ads anschauen!

13. Quora

Ich liebe Quora. Immer noch. Können deutsche Unternehmen was damit anfangen? Vermutlich nein. Dennoch sollte man im Rahmen eines ausgeglichenen Monitorings mal ein Auge darauf werfen. Immer öfter werden dort auch explizite Fragen zu großen Unternehmen gestellt: What is it like to work at…

bei allen Tools gilt:

  • Social Media ist dann am erfolgreichsten, wenn es mit klassischer Werbung und PR-Arbeit, Events oder anderen Offline-Aktionen kombiniert wird und beidseitig im Unternehmen verankert ist.
  • Die meisten Unternehmen sollten Social Media Guidelines haben, welche die Mitarbeiter zur produktiven, aber auch vorsichtigen Kommunikation im Internet ermutigen.
  • Vor Social Media Monitoring sollte sich niemand drücken. Und wenn es nur Google Alerts ist…
  • Ausprobieren geht über studieren, solange das Team noch mit Herzblut dabei ist! Keine Angst vor Shitstorms, auch die gehen vorbei.

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Falk Ebert

Falk Ebert

Falk Ebert ist Senior Strategy Consultant bei Scholz & Friends one:zero. Er hilft Unternehmen die Chancen der Digitalisierung optimal für ihr Business zu nutzen – von kleinen NGOs bis hin zu internationalen Marken wie Siemens, Opel und Vodafone.

  • http://www.about.me/christianfaller Christian Faller

    Sehr schön. Stimme dir bei allem zu… AUSSER bei der sehr steilen These mit den Mailing Listen.

    Meiner Meinung nach ist Email Marketing sogar das machtvollste aller Instrumente und hat in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen. Der Knackpunkt hierbei ist aber die Frage, wie die Adressen gewonnen wurden? Sprich hat sich der User BEWUSST für den Newsletter angemeldet (z.B. bei Autoren) oder ist es ein stupides Push-Instrument, das man nicht umgehen kann (z.B. Airlines).

    Ich habe Interviews mit Unternehmern gelese/gehört, die behaupten ihre CTR bei Newslettern liegt bei knappen 50%. Das soll ein Post in Netzwerken erstmal nachmachen!

    Email ist eben doch noch etwas intimes. Und wenn man einmal ins Postfach gelassen wird, ist das ein echter Schritt.

    • http://www.falkebert.de Falk Ebert

      Okay, einverstanden, wenn man wirklich zwischen “echtem” permission marketing und vergessenen “ich möchte den Newsletter nicht erhalten”-Kreuzen bei Gewinnspielen unterscheidet.

  • Matthias

    Hey Falk, gut gemacht. Schöner Überblick. Die These mit dem E-Mail-Marketing kann ich aber auch nicht teilen. Aus eigener Erfahrung und auch aus Gesprächen mit anderen Publishern weiß ich, dass 100 Newsletterempfänger mehr wert sind als 1000 Fans auf Facebook. Grundsätzlich: Ich schau jetzt öfters vorbei. Mir gefällt, was ich hier lese.

    • http://www.falkebert.de Falk Ebert

      Ja, vielleicht liege ich da daneben. Und vielleicht sind es auch fünfzehn statt fünf Jahren. Wenn ich heute (!) zwischen 100 Newsletterempfängern und 100 Facebook-Fans entscheiden müsste, würde ich mich natürlich sofort für die Mail-Empfänger entscheiden. ;)