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Der Grund schlechter iPhone Apps: Blinder Marketing Aktionismus

Christian Faller  26. Oktober 2011  13 Kommentare  4 Minuten zu lesen  Werbung mit und im Internet

Dieses ganze Social Media Zeug ist ja gerade voll im Trend. Und alle spielen ja auch mit diesen iPhones und mit den Tablet PCs. Lasst uns doch einfach auch mal sowas machen!

Ja, SUPER IDEE!

Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gerade blinden Marketing Aktionismus betrieben.

Es ist schon schlimm genug, wenn aktuelle Trends spurlos an einem vorübergehen. Noch schlimmer ist es allerdings, wenn es an einem vorübergeht, man es sich selbst jedoch nicht eingestehen kann und daher um der Handlung Willen handelt. Hier ist ein Beispiel, was ich damit meine:

Die Vitrex 19MB Wasser App

Vitrex ist nicht gerade eine bekannte Wasser Marke. Die meisten von Euch werden den Namen wohl noch nie gehört haben. Entsprechend ist die Website auch nicht sooo der Hit.

Vitrex hat sich aber dazu entschlossen Hip zu sein und eine iPhone App zu machen. Leider ist das nicht so geglückt und das Unternehmen hätte meiner Meinung nach besser daran getan sich das Geld zu sparen.

Auf die App wird man über die Wasserflasche aufmerksam (siehe Bild oben), die dann per QR-Code in den Store leitet. Hier wartet die Beschreibung der App:

So hast Du Wasser noch nie erlebt: Entdecke, erlebe und teile die Welt von Vitrex über das iPhone. Reise zur Schwarzwaldquelle und erfahre mehr über Herkunft und Qualität von Vitrex. Mixe mit dem iPhone erfrischende Cocktails. Die Welt von Vitrex liegt jetzt in Deiner Hand.

An diesem gesamten, eigentlich recht simplen Prozess, stören mich ein paar Dinge:

#Fail 1:

Auf der Flasche wird keinerlei Benefit kommuniziert. „So haben Sie Wasser noch nie erlebt?“ Ja… und? Ich kann mich kaum noch halten vor Spannung, die App zu saugen.

Verbesserungsvorschlag: Eindeutig darstellen, welchen Nutzen der Kunde von der App hat. Sieht der Kunde den Nutzen nicht, scannt er den Code nicht. Damit ist die App umsonst. Hat die App keinen Nutzen, ist von Anfang an etwas gewaltig falsch gelaufen.

#Fail 2:

Es heißt QR-Code nicht 2D-Code.

Verbesserungsvorschlag: Wenn man schon einen auf technologieaffin macht, dann bitte richtig. Es reicht ja schon den Entwurf einem digital native vorzulegen und ihn kurz zu fragen, ob das so stimmt. 2D-Code kann nämlich auch der Barcode sein. Und wenn man den mit dem QR Scanner scannt, passiert herzlich wenig…

#Fail 3:

App Beschreibung im Store gibt immer noch wenig Aufschluss darüber was die App macht bzw. warum mich das jucken sollte: „So hast Du Wasser noch nie erlebt: Entdecke, erlebe und teile die Welt von Vitrex über das iPhone. Reise zur Schwarzwaldquelle und erfahre mehr über Herkunft und Qualität von Vitrex. Mixe mit dem iPhone erfrischende Cocktails. Die Welt von Vitrex liegt jetzt in Deiner Hand.“

Verbesserungsvorschlag: Selbiges wie bei Punkt 1: Niemand installiert eine App, wenn er nicht weiß was sie macht. Hier gilt es nicht fancy zu sein, sondern zu erklären was das Produkt leistet.

#Fail 4:

Die Dateigröße ist 19MB… spätestens hier verliert Vitrex jeden, der aus Mitleid noch mitgemacht hat

Verbesserungsvorschlag: An vergleichbaren Apps einen Richtwert ableiten, was für eine Größe so ein Ding haben darf. Es kann nicht sein, dass „entdecke die Welt von Vitrex“ mehr Platz auf meinem Gerät verbraucht als Google Maps.

#Fail 5:

Der einzige Kommentar, der abgegeben wurde, ist desaströs:

Hier hat ein Unternehmen vermutlich allen Mut zusammengenommen und einen innovativen Marketing Streich gewagt. Wer auch immer Vitrex in diesem Fall beraten hat, hat leider einen schlechten Job gemacht. Unnütze Apps braucht niemand, sie fallen nicht mehr auf, und Pluspunkte sammelt man damit auch schon lange nicht mehr.

Der Punkt ist der: Wer versucht alte Push Kommunikation mit stupiden Werbebotschaften über neue Kanäle zu betreiben, der schießt sich ins eigene Bein. Neue Technologie heißt Umdenken, nicht nur bei der Technik sondern auch beim Inhalt.

Disclaimer: Ich konnte die App leider nicht testen, da sie auf meinem alten iPod Touch nicht läuft. Schenkt man dem Kommentar glauben ist sie jedoch nicht sehr gelungen. Unabhängig davon, soll dieser Artikel aber keinerlei Aussage über die Qualität der eigentlichen App machen, sondern nur über die Vermarktung bzw. die bloße Existenz davon. Denn was im Vorfeld des eigentlichen Downloads bereits passiert, wird 99% aller Leute ohnehin vom Download abhalten. Das Produkt selbst spielt also keine Rolle mehr, das Spiel ist bereits verloren.

Christian Faller

Christian Faller

Christian Faller ist Geschäftsführer bei deepr, einer Stuttgarter Werbeagentur und leitet den Digitalbereich bei Yaez. Wenn er nicht an digitalen Marketingstrategien feilt, verfolgt er sein Lebensziel, jedes Land der Welt zu bereisen. Er hat in Singapur, Frankreich, Amerika und Südafrika gelebt und gearbeitet.