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You are not the user! Google über UI

Christian Faller  19. November 2014  4 Kommentare  2 Minuten zu lesen  Mobile, Technologie

Inbox ist der Name eines neuen E-Mail Clients aus dem Hause Google. Während sich vor Tagen noch alle um einen Beta Invite bemüht haben, hat inzwischen fast jeder einen. Die Erwartungen waren hoch. Und Google hat eine enorm gute Microsite dafür gebaut:  Inbox by Gmail

Jetzt ist es da, ich habe einen Invite und habe die App auf dem Notebook und dem Smartphone installiert. Und leider finde ich es nicht so fett wie ich dachte.

Google beteuert jedoch, dass das gute alte Gmail nicht eingestampft wird, sondern ebenfalls existieren kann. Zu meiner Erleichterung!

Aber warum gibt es überhaupt zwei E-Mail Clients für das selbe Gmail? Eine gute Frage, auf die es eine gute Antwort gibt. Diese bezieht sich auf das User Interface Design der App. Und es gibt eine schöne Geschichte dazu, die auf TechCrunch erzählt wird.

In Kurzform:

Vor einigen Jahren sollte ein Redesign von Gmail entwickelt werden. Als dieses entworfen war, lief ein interner Betatest, bei dem es starke Gegenwehr zum neuen Design gab. Innerhalb Googles bildeten sich zwei Lager: Entwickler und Designer.

Die Botschaft der Designer war: Entwickler nutzen Features, die ein Ottonormalverbraucher nie nutzen würde. Zudem erhalten Google Mitarbeiter ca. 400 mal soviele E-Mails wie andere Leute. Oder eben “You are not the user!” (also haltet euren Mund und lasst uns schönes Design machen).

So wurde als Kompromiss an einer zweiten App entwickelt, die nun als Inbox released wurde. Und für mich, als Heavy User, nicht zu gebrauchen ist. Das liegt aber auch wieder daran, dass ich eben nicht der User bin. Meine Mutter, die in der Woche nur 5 E-Mails bekommt, findet vielleicht großen Gefallen am UI von Inbox. Für mich ist es aber zu verspielt und geschäftlich nicht sinnvoll nutzbar.

Ich finde diesen Fall aber einen interessanten Einblick in den Entwicklungsprozess einer App. Es zeigt für mich, dass die ganz großen Apps vielleicht wirklich gut damit bedient sind, für zwei Kernzielgruppen getrennt zu entwickeln. Ich bin gespannt, ob man das in Zukunft auch bei anderen Apps sehen wird.

Der Untergang des Abendlandes, das Ende der Zivilisation, oder zumindest die Gefährdung aller zwischenmenschlichen Beziehungen. Das sind drei der milderen Prognosen aufgebrachter WhatsApp-Nutzer. Was war passiert? Die Tatsache, dass der WhatsApp Messenger neuerdings anzeigt, ob der Gesprächspartner eine Mitteilung nicht nur zugestellt, sondern auch gesehen hat.

Und ich so: Gähn.

Natürlich ist das ein Eingriff in die Privatsphäre. Wie etwa 38.000 Features, Dienste und Geräte, die wir zuvor in unser Leben gelassen haben. Das eigentliche Problem ist dabei nicht, dass wir jetzt nicht mehr lügen können. Sondern dass wir uns vorher überhaupt zum Lügen genötigt gefühlt haben.

Ich sehe das so:

  1. Egal wem ich schreibe, egal auf welchem Messenger, egal was – fühlt euch nicht unter Druck gesetzt, mir schnell zu antworten. Nur, weil die heutige Kommunikation in Echtzeit funktioniert, heißt das nicht, dass sie auch so eingesetzt werden muss. Bitte antwortet mir so schnell und ausführlich, wie es die Situation, das Thema und unsere Beziehung fordert. Nicht so schnell, wie es die Technik ermöglicht.
  2. Egal wer mir schreibt, egal auf welchem Messenger, egal was – späte Antwort bedeutet nicht geringe Wertschätzung. Statt “ich hab jetzt kein Bock” ist es oft “ich nehme mir lieber Zeit dafür”. Manchmal steige ich grade in den Flieger ein. Manchmal bin ich gerade in Meetings. Und überhaupt sind Menschen produktiver, wenn sie nicht ständig multitasken.

Oder wie es mspro in seinem neuen Buch sagen würde:

Wir sollten mit dem Kontrollverlust rechnen, ihn in unser Denken und Handeln – ja, in unsere Gesellschaft – integrieren.

Und dann müssen wir uns auch nicht mehr böse sein.

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